Unsere morgentliche Routine

Hallo zusammen! Heute wollte ich einmal über unsere morgendliche Routine schreiben. Wie sieht unser Morgen hier in Mexiko so aus? Unterscheidet er sich von einem Alltag in Deutschland?

5:55 Uhr – mein Wecker klingelt. Und dann nochmal fünf Minuten später. Und sollte das nicht gewirkt haben, zur Sicherheit nochmal um 6.15 Uhr. Mein Mann ist da oft schon aufgestanden, weil er in diesem Semester als Universitätsprofessor Vorlesungen um 8 Uhr und einmal sogar um 7 Uhr morgens hat. Nur mittwochs hat er „vorlesungsfrei“ und wir bringen die Kinder gemeinsam in die Kita und leisten uns anschließend ein gemeinsames Frühstück.

Meine Routine ist es jedoch in diesem Halbjahr, mich morgens alleine um die Kinder zu kümmern. Nachdem ich aufgestanden bin, mache ich mich fertig. Allerdings wirklich nur notdürftig. Ich ziehe mir das an, was am nächsten liegt und eigentlich kommt auch nur etwas Wasser ins Gesicht, um aufzuwachen.

6:25 Uhr – dann die Kinder. Tanok, mittlerweile drei Jahre alt, als erstes. Ich ziehe ihn quasi im Halbschlaf an, er lässt es über sich ergehen. Montags muss ich ihm etwas marineblaues mit weiß anziehen, weil dann Fahnenappell ist. Spätestens ab der Grundschule tragen die Kinder in Mexiko jeden Tag Uniform. Auch jetzt könnten sie das schon tun. Aber ich wollte mir das Geld und das Theater beim Anziehen („Das will ich nicht anziehen!“) sparen. Obwohl einige Eltern meinen, besser die Kinder jetzt schon daran zu gewöhnen. Das ist eine persönliche Entscheidung. Noch ist es im Kindergarten des ISSSTE (was ein staatlicher Kindergarten ist) nicht Pflicht. Das kann in anderen Orten anders sein.
Dienstag und Donnerstag haben die Kindergartenkinder ein etwas sportlicheres Programm – bequeme Kleidung ist da angebracht. Statt der Uniform gibt es sogar Trainingsanzüge. Aber auch die besitze ich nicht, aber etwas vergleichbares.
Wenn Tanok dann angezogen ist, was mich vielleicht 10 Minuten mit Kuscheleinlagen kostet, möchte er meistens nochmal ins Bett von Mama und Papa und weiterdösen.

6:34 Uhr – dann kommt Nahuel, mittlerweile zwei Jahre alt, an die Reihe. Bei ihm muss ich gut zureden, damit er keinen Heulkrampf bekommt, weil er von Natur aus Langschläfer ist. Oft hat er gute Laune. Auf dem Arm kuschelt er noch ein bisschen, dann geht es aber zur Wickelkommode ins Elternschlafzimmer (wo Tanok ja bereits oder besser gesagt wieder im Bett liegt). Dann wird Nahuel gekleidet. Nahuel ist noch ein Krippenkind und hat keinen Kleidungsvorschriften. Momentan sind wir im „control de esfínteres“ – was bedeutet, dass die Kinder lernen ihre Blase zu kontrollieren, soll heißen, sie lernen aufs Töpfchen zu gehen oder sogar schon auf die Toilette. Das bedeutet, dass Nahuel momentan normale Unterhosen und Hosen mit Gummizug trägt, die er selbstständig hoch- und runterziehen kann.

Lernen aufs Töpfchen zu gehen, wird hier oft mit Unterstützung der Krippe gelernt. In einer Gruppe alle gemeinsam. Was in meinen Augen eine der einfachsten Arten ist, dass die Kinder es lernen. Wenn die Kleinen andere Kinder sehen, die ebenfalls aufs Töpfchen gehen, ist der Lerneffekt sehr, sehr viel schneller. Nahuel hat nach 10 Tagen gelernt und verstanden, was Pipi und was Popo ist und das all das in das Töpfchen muss. Außerdem sagt er Bescheid, wenn er muss. Das klappt natürlich noch nicht 100%ig – wir sind gerade mal in Woche 3, aber „ahí vamos„, sagt man hier – wir sind auf dem richtigen Weg.

6:50 Uhr – beide Kinder sind soweit fertig. Wenn sie nicht noch Medikamente gegen eine Erkältung bekommen, geht es nach unten. Nahuel setze ich dann erst auf das Töpfchen, mit einem Keks, wenn er den Keks will. Tanok ziehe ich Schuhe und Jacke an. Es ist März, wir haben momentan tagsüber an die 25°C, aber da wir in einer Wüstenregion leben, kann es morgens, bevor die Sonne aufgeht nur 8°C warm sein. Daher ist Jacke morgens Pflicht. Die Temperaturwechsel in Zacatecas sind gefährlich, weshalb fast alle Kindern bis in den April hinein mindestens verschnupft sind und viele Fehltage in Kita und Schule haben.

6:55 Uhr – wenn Tanok nun komplett angezogen ist, nehme ich Nahuel vom Töpfchen. Meistens macht er auf diese Weise morgens Pipi, so dass ich mir keine Gedanken machen muss, dass er eventuell im Auto nochmal in die Hose macht. Auch ihm ziehe ich seine Jacke an. Dann gehe ich alleine raus, Haustür zu und fahre das Auto aus der Garage! Dann kommen die Kinder in ihre Autositze.
Die Kindersitze sind hier in Zacatecas (noch) keine Pflicht. Viele Eltern nehmen ihre Kinder ohne mit, manchmal sogar unangeschnallt. Es wird geduldet und nicht geahndet. In Mexiko-Stadt ist es ganz anders. Dort gibt es sogar Bußgelder.
Tanok setzt sich bereits alleine ins Auto und kann sich alleine in seinem Sitz anschnallen. Nahuel helfe ich. Was darf nicht fehlen?
Nahuel hat noch eine Babytasche mit Wechselkleidung. Das ist momentan besonders viel: zwei komplette Wechsel, drei weitere Hosen und sechs Unterhosen. Daneben noch drei Lätzchen und Nahuel hat auch extra laktosefreie Milch dabei.
Tanok nimmt nichts extra mit. Es ist sogar verboten, damit in den Klassenräumen nicht zu viele entflammbare Dinge herumhängen oder liegen.

Und zu guter Letzt meine Kontrolle, ob ich die Kita-Ausweise habe. Ohne Ausweise, theoretisch kein Einlass, beziehungsweise ein Eintrag und gelbe Karte. (bei drei gelben Karten wird das Kind suspendiert für ein paar Tage).

7:05 Uhr  – Haustür geschlossen und es kann losgehen. Die Sonne geht gerade auf und auf den Straßen sind endlos viele Eltern unterwegs, die ihre Kinder zur Kita oder zur Schule (oder zur Universität bringen… Kinder werden hier sehr, sehr behütet). Meistens geht es jedoch zügig voran.

Das ist der Durchgang zum Gelände der Kita – allerdings verlasse ich hier schon wieder das Gelände – hier werden morgens gleich die Ausweise abgegeben.

07:18 Uhr – wir sind angekommen. Kinder aus dem Auto raus und dann in die Kita. Die Kinder werden in der Kita zwischen 7 und 8 Uhr empfangen. Danach nicht mehr – ohne Ausnahme. Im „filtro„, im Kontrollbereich, begrüßt uns der Arzt der Kita und/oder die Krankenschwester. Es wird nach Krankheiten oder irgendwelchen Besonderheiten gefragt, außerdem kontrolliert, ob die Fingernägel geschnitten sind und die Kinder einigermaßen sauber sind und keine Blessuren haben. Kinder mit Windel werden gesondert kontrolliert. In einem extra Raum, Kind auf die Liege und einmal Hose und Windel öffnen. Es wird geschaut, ob das Baby einen roten Popo hat. Wenn dem so ist, kann es sein, dass es nach Hause geschickt wird. Kinder mit wundem Popo sind oft weinerlich und haben Schmerzen und sollten zuhause behandelt werden.

Aber da Nahuel nun kein Windelkind mehr ist, dürfen wir meistens so durch. Wir verabschieden uns von Tanok. Da das Gebäude an einem Hang ist, geht Tanok in den Kindergarten nach „oben“. Er geht alleine oder in Begleitung einer Erzieherin in seinen Klassenraum.
Mit Nahuel gehe ich dann nach „unten“ in den Krippenbereich. Ich gebe ihn in seinem Raum mit seinen Erzieherinnen ab.

Das ist der untere Krippenbereich. Man sieht hier den Stimulationsbereich. Ich hatte ihn zu Weihnachten wegen der Piñata-Dekoration fotografiert. Ansonsten sind Fotos eher nicht gern gesehen.

7:35 Uhr – ich mache mich auf den Rückweg. Nun ist der Verkehr schon sehr stark. Ich muss einmal durch das Zentrum durch.

Gegen 8 Uhr bin ich daheim. Dann dusche ich mich, frühstücke, plane meinen Tag. Soweit unsere morgendliche Routine. Wie unser weiterer Alltag aussieht, könnt ihr in einem anderen Artikel lesen. Sonst würde das hier den Rahmen sprengen. Da ich die Vorgehensweisen der Kitas in Deutschland nicht kenne, weiß ich nicht, ob es sehr viel anders ist. Wie sieht es aus? Habt ihr eine ähnliche Routine? Ich freue mich über Kommentare oder eine E-Mail (komplexa[at]gmx.de)

Bis zum nächsten Mal und einen glücklichen Tag!
Hasta la proxima vez y un feliz día!

 

 


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2 Comments

  1. Wow, das ist ja mal ein straffes Programm! Dass die Kitas so streng reglementiert sind wusste ich auch nicht. Ich glaube, da kann ich froh sein, dass es bei uns nur bei Schuluniformen bleibt. Sicherlich ist es gut, wenn kranke Kinder nicht in die Kita gehen, ist bestimmt für berufstätige Eltern schwer sich.dann zu organisieren. Bei uns in Italien wird dafür 2 mal im Monat gestreikt, dann darfst Du auch gucken, was Du mit den Kindern machst. Schöner Blog und freu mich darauf mehr von Dir zu lesen! Joevlin

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    1. Hallo! Danke für dein Interesse und deinen Kommentar. Das mit dem Streiken ist ja auch wirklich blöd. Bei uns kommen eher halboffizielle Feiertage dazwischen. Weil die Mexikaner so gerne feiern… heute ist Muttertag. Da hat die Kita glatt mal geschlossen und nächste Woche Dienstag ist „Tag des Lehrers“. Auch geschlossen. Ich freue mich, ebenfalls von Dir zu lesen. Liebe Grüße Nora

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