Was passiert nun am Nachmittag, könnt ihr euch fragen. Werden die Kinder auch irgendwann mal abgeholt?
Natürlich! Um 15 Uhr jeden Tag versuche ich wegzukommen, wo auch immer ich gerade bin. Und begebe mich direkt auf den Weg zu meinen Kindern. Da dies ab 15 Uhr alle Menschen tun – nach Hause fahren und oder Kinder abholen – stehe ich jeden Tag im Stau. Stehen ist übertrieben. Hier rollt es zügig voran. Es ist also eher stockender Verkehr und dauert nicht so lange, wie es sich anfühlt.
15.30 Uhr: Spätestens eine halbe Stunde später rolle ich auf den Parkplatz neben der Kita. Andere Mamas und Papas und Großeltern und Tanten und Onkel tun das auch und so ist das Chaos perfekt. Bis spätestens 16 Uhr müssen die Kinder abgeholt werden, sonst gibt es eine „Gelbe Karte“. Deshalb gibt es zu einer bestimmten Zeit ein gewisses Gedränge.
Warum hole ich die Kinder nicht eher ab? Die Kinder haben bis 15 Uhr ein Programm. Zumindest die Vorschule, also der Kindergarten. Englisch, Informatik, Singen, Tanzen, Spielen, etc. also wurden wir gebeten, die Kinder nicht früher abzuholen!
Und Nahuel, Sohn Nummer 2, schläft meistens sein zweistündiges Mittagsschläfchen und ist ungehalten, wenn ich ihn früher abhole… also? Was soll’s!?

15.35 Uhr Ich betrete die Kita durch die Security und gehe weiter bis zum Gebäude. Dort nehme ich die Ausweise der Kinder entgegen. Ausschließlich autorisierte Personen dürfen meine Kinder abholen. Auf der Rückseite des Ausweises sind Fotos von diesen Personen. Mein Mann, eine gute Freundin und ich.

15.40 Uhr: Ich gehe erst Tanok abholen. Der Kindergarten ist im oberen Bereich des Gebäudes, weil das gesamte Anwesen an einem Hang gebaut ist. Also hole ich Tanok. Wenn genug Personal vorhanden ist, wird Tanok auch schon mal von seiner Erzieherin heruntergebracht. Ist Tanok begrüßt und geknutscht und hat er mir schon alles erzählt, was er erlebt hat, gehen wir gemeinsam nach unten und holen Nahuel.
15.50 Uhr: Nahuel ist auf der gaaaanz anderen Seite des Gebäudes. Also laufen wir eine Diagonale. Meistens schläft der Kleine noch. Und muss erstmal geweckt werden. Oft braucht er ein neues T-Shirt, weil er das aktuelle durchgeschwitzt hat. Er ist halt ein heißes Bürschchen. Wenn auch Nahuel abgeknutscht und begrüßt ist, dann geht es gemeinsam zur Toilette, wo Nahuel sich noch einmal entleeren darf und dann geht es zurück zum Auto.
16 Uhr: Wir sitzen im Auto. Ich habe mich erfolgreich gegen den Wunsch von Tanok gewehrt, ein Eis zu kaufen oder Kekse oder Chips oder andere Dinge, die direkt vor der Kita von Menschen angeboten werden. Ein Unding, wenn man mich fragt, tut aber keiner. Dauernd wird hier gepredigt, dass wir aufpassen sollen, was unsere Kinder essen (Mexiko – 1. Platz für die dicksten Menschen der Welt – im Durchschnitt). Und vor der Kita verkaufen sie all diese Dinge; und vor den Grundschulen, weiterführenden Schulen…. etc. pp. Noch Fragen?
16:05 Uhr: Beide Kinder haben erstmal Wasserflaschen und geschnittenen Apfel in Plastikdose bekommen. So kann der Heimweg angetreten werden. Auch hier ist meist ein bisl Stau.
Abwandlung: Wir gehen in den Park oder Einkaufen (was ich mit Kindern mittlerweile aber versuche zu vermeiden – meine Nerven danken es mir) oder ins Zentrum oder in einen der Indoor-Spielplätze, so dass ich eine Freundin treffen kann.
Außerdem ist es auch möglich, dass ich eine Hausaufgabe der Erzieherinnen meiner Kinder bekommen habe und dann irgendwelchen Stoffblumen, Wachsmalern oder Moosgummi hinterherjage. Aber längst haben die Erzieherinnen auch mitbekommen, dass sie es mir mehr als einen T ag vorher sagen müssen. Ich kann manchmal schlichtweg nicht, mit zwei müden Kindern im heißen Auto durch Zacatecas fahren, von Geschäft zu Geschäft, um irgendwas bestimmtes zu suchen. Geht nicht. Mach ich nicht, außer wenn ich 100%ig weiß, wo ich es finde.
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