Im vergangenen Jahr habe ich angefangen Vollzeit Psychologie zu studieren. Auf Spanisch (das erwähne ich, weil ich es oft gefragt wurde. Nein, nicht auf Englisch). Vollzeit heißt für mich, von Montag bis Freitag, von morgens bis mittags. Ja, es gab auch die Möglichkeit Teilzeit, also am Wochenende zu studieren. Das kam für mich aber nicht in Frage. Wochenende ist Familienzeit. Und Von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends – das ist nichts für mich. Praktischer also, zu studieren, wenn die Kinder in der Schule sind. Andere arbeiten ja auch in der Uhrzeit. Ich studiere jetzt also, zwei Semester liegen hinter mir. Es gefällt mir. Wir schaffen es, als Familie. Ich studiere jetzt.
Am 20. Mai gab es eine Auszeichnung für die besten Studenten im Wintersemester 2025. Die besten Studenten in ihren Gruppen. Das Studieren in Zacatecas ist sehr verschult. Das heißt also, es gibt ungefähr 10 Gruppen mit 30 Studenten pro Jahrgang, anstatt eine große Veranstaltung zu machen mit 300 Studenten, so wie es in Deutschland, vor allem im Grundstudium wohl üblich wäre. Zumindest erinnere ich mich noch gut an mein Jurastudium, vor allem an die Einführungsveranstaltungen, wo wir mit 800 Studenten im Audimax saßen. Der Saal war so überfüllt, dass die Menschen auf den Treppen Platz nahmen. So etwas erlebe ich hier nicht. Deshalb sage ich, dass es verschult ist, das Studium in Zacatecas, damit man es sich besser vorstellen kann.
Es ist persönlicher. Unsere Professoren kennen die Namen der Studenten, nach einiger Zeit. Sie sprechen dich direkt mit dem Vornamen an. Statt „profesor/a“ sagen wir eher „maestro/a“ was eigentlich Lehrer bedeutet, aber weitreichend benutzt wird. Vom Kindergarten bis hin zur Universität. Obwohl die Begriffe educador/a – Erzieher und profesor/a oder docente existieren. Aber ich schweife ab.
Ich habe also eine Auszeichnung bekommen, als beste Studentin meiner Gruppe. Wir waren mehr als 50 Leute, die durch alle Gruppen und alle Semester hinweg, eine Auszeichnung bekommen haben. Das fühlt sich natürlich schön an. Für meine Anstrengung und meine Einschränkungen, was das Familienleben angeht, ausgezeichnet zu werden. Es ist eine Anerkennung meiner Leistung. Dennoch ist es seltsam, da wir so etwas in Deutschland kaum gewohnt sind. Diese Anerkennung der Leistung ist seltsam. Gut zu sein, sich anzustrengen sollte der Normalfall sein und nicht außergewöhnlich. Daher ist diese Kultur in Deutschland unüblich. Außer vielleicht im Sport.
Es gab bei einigen eine Verwechslung wegen des Datums und des Zeitraums. Viele dachten, dass es eine Auszeichnung für das aktuelle, mein zweites Semester, gab. Aber die zeitliche Verzögerung hatte wohl logistische Ursachen, daher betonte ich es hier noch einmal. Aktuell fehlen mir sogar drei Noten vom zweiten Semester, um sagen zu können, wie ich abgeschnitten habe. Aber, es sieht gut aus, so viel sei schon einmal vorweggenommen.
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