Durch das Verschieben meiner Deutschlandreise ergab sich die Situation, dass alle Kinder neue Pässe brauchen. Baby Iyari sowieso, weil es das erste Mal ist, dass wir seinen Reisepass beantragen. Die Pässe der beiden Großen, Tanok und Nahuel, brauchten lediglich eine Verlängerung. Trotzdem mussten wir dieselben Dokumente für alle drei Kinder liefern:
- Geburtsurkunde
- Schreiben vom Kinderarzt mit einem Foto vom Kind, in welchem er bestätigt, dass es das richtige Kind ist
- Persönliche Kennziffer (jeder in Mexiko lebende und gemeldete Mensch bekommt eine Kennnummer – ich habe auch eine)
- Ausweise beider Elternteile
- Zahlungsbeleg – zahlt man vorher bei der Bank, damit die Behörde kein Geld verwalten muss
Daneben behalten sich die Behörden vor, jedes andere Dokument einfordern zu können, was für den Verwaltungsakt erforderlich sein könnte. Das nur als Hinweis.
Den Papierkram hatten wir schnell zusammen, das Problem war eher einen Termin zu bekommen. Der Termin am 8. Mai wurde aufgrund des Coronavirus abgesagt und bis zum 30. Juni wurden keine neuen vergeben. So versuchten wir im Juli jede Woche aufs neue einen Termin zu vereinbaren, aber immer wurde es uns im Online-System, als schon belegt angezeigt. Am Ende hatte ich bereits etwas Panik, weil ich Angst hatte, dass es zu kurzfristig wird, mit den Pässen. Ist uns ja schon einmal passiert. Damals, mit Tanok. Den Artikel dazu verlinke ich hier. Kurz gesagt, war damals das Problem, dass ich als ausländische Mutter beim Erstantrag überprüft werde, ob ich tatsächlich die Mutter des Kindes bin. Also werden von der „Auslands“-Behörde, die Unterlagen an die Ausländerbehörde gesendet, oder es wird ein Aktenauszug verlangt – ich weiß es nicht genau. Das dauert bis zu einem Monat. Und wir wussten das damals nicht, weil man normalerweise einen beantragten Reisepass am gleichen Tag mitnehmen kann. Nicht aber bei Babys bzw. Erstanträgen.
Durch das Drama damals haben wir immer noch Kontakt mit dem Behördenleiter in Zacatecas. Diesmal ließen wir also unser Vitamin B spielen. Er besorgte uns einen Termin in Jerez – weil in Zacatecas nichts zu bekommen sei. Jerez (Artikel verlinke ich hier) ist eine kleine Stadt ungefähr 40 Minuten von Zacatecas entfernt. Also sind wir vergangene Woche am 30. Juli ganz ungewohnt in der Quarantäne früh aufgestanden und nach Jerez gefahren. Es regnete… natürlich. Mein Mann durfte erst nur alleine rein, um die Dokumente überprüfen zu lassen. Und selbstverständlich fehlte etwas. Die Behörde verlange das Dokument, was bei der Geburt des Babys ausgehändigt wird. Das stand nicht in den Requisiten, aber jede Behörde kann ja zusätzlich etwas verlangen. Und wir hatten es nicht dabei.
Das heißt Geburtszertifikat (Certificado de Nacimiento) und wird gebraucht, um das Baby im Rathaus registrieren zu lassen und eine Geburtsurkunde zu bekommen. Das Original behält das Rathaus, damit das Kind nicht mehrmals angemeldet werden kann und kein Unfug mit dem Dokument betrieben wird. Daher verstehe ich es nicht und werde es wohl niemals wirklich, warum dann von einigen Behörden die Kopie dieses Dokuments verlangt wird. Wenn wir die Geburtsurkunde haben, sollte doch alles klar sein. Aber Mexikaner vertrauen nicht mal ihren eigenen Behörden, daher muss immer alles doppelt abgesichert werden. Diese Kopie hatten wir nun leider in Zacatecas.
Daher „fertigten“ wir erstmal die beiden Älteren ab. Da es nur eine Passverlängerung war, brauchten wir bei Ihnen dieses Dokument nicht. Fotos werden nicht mehr gebraucht, die werden vor Ort digital gemacht. Nachdem wir mit den Älteren durch waren, vergewisserten wir uns, dass wir wirklich nur das eine Dokument bräuchten. Normalerweise hätten wir einen neuen Termin machen müssen. Aber Leo, mein Mann, sprach mit dem Behördenleiter, sagte ihm, dass wir extra aus Zacatecas gekommen seien und wir ohne Probleme nochmal zurückfahren könnten, um das eine Dokument zu holen. Gerade mit dem Wissen, dass Iyaris Pass länger braucht, wollten wir keine Zeit verlieren. Der Behördenleiter stimmte zu. Und so fuhren wir zurück nach Zacatecas. Dort ließen wir Nahuel und Tanok zuhause, weil mein Schwager freundlicherweise zu uns gefahren war, um auf die Kinder aufzupassen. Die Kinder waren furchtbar hibbelig in der Behörde, Mundschutz tragen ist auch nicht so ihr Ding, nichts anzufassen noch weniger. Daher war es uns lieb, dass sie zuhause blieben, da ihr Pass ja nun schon beantragt war. Die Behördenmitarbeiter ließen sich übrigens darüber aus, wie lieb und ruhig unsere Kinder geblieben seien. Da musste mein Mann nur Lachen und sagte, „Da fragen Sie mal meine Frau.“ Ich war super gestresst und herrschte alle 5 Minuten die Kinder an, dass sie sitzen bleiben sollen, nichts anfassen… da haben wir die kulturellen Unterschiede.
Nur mit dem Baby sind wir also zurück und dieses Mal mit dem Geburtszertifikat. Das Personal in der Behörde war überrascht, wie schnell wir wieder zurück waren. Während der Wartezeit, die nicht lange war, wurde den Mitarbeitern eine Pizza geliefert. Von Weitem, sahen wir, dass die ziemlich gut aussah und ich fragte, wo sie die bestellt hatten. Die Angestellte bat mich um einen Moment und kam dann mit der Nummer und Adresse des Restaurants und zwei Stückchen Pizza wieder aus dem Pausenraum. Damit wir schon mal probieren können. Ich war völlig überrascht. Den gesamten Tag über hatte man uns so mega freundlich behandelt. Uns die Chance gegeben, das Zertifikat noch zu holen. Geduldig mit den Kindern, beim Toilette zeigen etc. Und jetzt bekamen wir noch Pizza!? Was für ein Behördengang war das denn.
Als wir die Pizza zu Ende probiert hatten, wurden wir auch schon kurz darauf aufgerufen. Dokumentenkontrolle. Foto vom Baby, Fingerabdrücke und fertig waren wir. (Es ist dann übrigens eine Mitarbeiterin mit Baby-Feuchtigkeitstüchern angekommen, um die Finger des Babys sauber zu machen!!!)
Nachdem wir noch ein bisschen Small-Talk gehalten und uns tausend Mal bedankt haben sind wir raus. Ich habe selten Unfreundlichkeit in mexikanischen Behörden erlebt, aber das hat alles getoppt in Bezug auf die extreme Zuvorkommenheit. Eine Pizza haben wir dann natürlich noch geholt, für die Kinder. Nun warten wir also auf die Pässe der Kinder und Beobachten weiterhin die Situation rund um Covid-19. Wer weiß, ob wir die Reise überhaupt antreten.

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