Zwei Monate ist es alt, unser Baby Iyari. 3 Jahre unser Mittlerer und fast 5 der Große. Mit meinen 4 Mexikanern lebe ich als Deutsche mitten in Mexiko, in Zacatecas in unserem Haus das in einem gutbürgerlichen Viertel steht. Willkommen auf meinem Blog „Leben in México“ für alle die, die schon lange mitlesen und für alle die, die neu dabei sind.
Unser Leben zu fünft unterscheidet sich nicht viel von dem Leben zu viert. Es ist etwas chaotischer und etwas einsamer als zuvor – geschuldet der Organisation mit Baby. Oder der Nicht-Organisation mit Baby. Einmal mehr oder besser zum ersten Mal stelle ich fest, dass man mit einem Baby nicht planen kann. Was für mich ja der Graus ist.
Zum ersten Mal stelle ich das wohl so richtig fest, da ich mit Tanok und Nahuel in den Tag gelebt hatte. Am Anfang nicht „irgendwo hin“ musste. Jetzt muss ich die großen Kinder vom Kindergarten abholen. Mit dem Auto durch den Nachmittagsverkehr durchs Zentrum von Zacatecas. Einmal quer durch die Stadt. Mit Baby. Mittlerweile habe ich keine feste Zeit mehr. Irgendwann zwischen zwei und drei Uhr fahre ich los. Wenn Baby satt und gewickelt ist. Egal wann das ist. Funktioniert irgendwie. Am Anfang schauten die Mamas und Erzieherinnen der Kita noch – ‚Wie alt ist der Kleine? – Und da holst du jetzt schon die Kinder? – Bist du schon fit?‘ Ja, nein, weiss ich nicht. Wer soll es denn sonst machen? Für die Mexikaner unvorstellbar keine Oma, Onkel oder Schwägerin schicken zu können, die die Kinder holt. So ist das hier eben üblich. Der Familienverband ist noch ganz dicke. Auch das fängt an zu bröckeln. Auch hier suchen sich die jüngeren Arbeit in anderen Städten. Die Familien gehen auseinander. Aber sehr langsam und kaum merklich. Das ist eine soziale und gesellschaftliche Entwicklung. Das geht nicht so schnell.
Auf der anderen Seite verhalte ich mich also untypisch mexikanisch auf der anderen Seite sagt mir eine Freundin ich wäre mexikanischer als die Mexikanerinnen – ich nehme das Baby überall mit hin. Tag der offenen Tür in der Kita? Das Baby kommt mit, in der Baby-Schale schläft es, während ich mit Nahuel ein Märchen in Bildern ausmale. 25 Kinder, 25 Erwachsene toben um Iyari herum, er schläft und wacht pünktlich zum Ende auf. Ohne zu weinen. Ein wunderbares Baby.
Abends kommen wir manchmal zeitlich noch in knütt. Drei Kinder zu baden – das braucht Zeit. Hier in Mexiko ist es normal, die Kinder täglich zu baden. Das liegt vor allem am Wetter und auch an der Kultur. Wir versuchen immer früh anzufangen, aber da Tanok mächtig in seiner Trotzphase ist, wird es trotzdem immer spät. Daher wird es manchmal 21.30 Uhr bis die Kinder endlich alle in ihren Betten sind. Aber auch das ist eher mexikanisch – Kinder sind hier sehr oft noch lange wach. Obwohl es im Winter um 19 Uhr dunkel ist – im Sommer um 20 Uhr spätestens 20.30 Uhr. Hier gibt es keinen großen Unterschied wie in Deutschland zwischen den Jahreszeiten.
Alles in allem klappt es also ganz gut, mit den drei Kindern. Tanok hilft auch gerne, die Karre zu schieben, seinen Bruder mit einer Rassel zu beschäftigen. Ich verlange das nicht, er macht es freiwillig und gern und hilft mir damit oftmals ordentlich. Das Essen für abends mache ich besser schon vormittags fertig. Denn am 17 Uhr wird der kleine quengelig… oftmals bis 22 Uhr – dann schläft er aber durch bis morgens. Es wäre schön, wenn das so bleibt. So komme ich gut zurecht. Nachts aufstehen muss ich trotzdem manchmal – wegen des Babys, oder Tanok oder Nahuel. So heute Nacht. von 2 Uhr bis 5 Uhr habe ich bei Tanok geschlafen, bis mein Mann mich weckte, weil das Baby Hunger hat. So ist es eben, aber es macht Spaß. Streckenweise erschöpfend und anstrengend, streckenweise wunderbar und erfüllend. Zu viel mehr komme ich gar nicht – mein Buch muss warten. Jetzt bin ich erstmal Vollzeit Mama und Hausfrau. Da ist die einsame Seite, die ich vorhin kurz angesprochen hatte. Ich sehe keine anderen Menschen. Bin voll in meinem Ding. Komme nicht zum Skypen, kann mich nicht mit einer Freundin treffen, weil ich zeitlich eingeschränkt bin und sie ja auch ihr Leben hat. Daher ist es ruhig hier, was soziale Kontakte angeht. Wieder einmal sehr mexikanisch. Mir ist oft aufgefallen, dass die Mexikanerinnen Freundschaften nicht so pflegen – sie sind voll und ganz mit ihrer Familie beschäftigt. Also passe ich mich an und tue es ihnen gleich. Eine Sache weniger, die Stress ergeben könnte. Gerade in dieser Vorweihnachtszeit vielleicht genau das Richtige.
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Ist dir schon aufgefallen, dass du die deutsche Sprache etwas verlernst? Da du wahrscheinlich nur Spanisch momentan/seit längerem redest.
Toller Beitrag übrigens, klingt nach einem interessanten Leben. Das werde ich gerne weiterhin verfolgen 🙂
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Hallo! Entschuldige und ein frohes neues Jahr. Jeden Tag habe ich Sprachprobleme. Besonders schlimm wurde es durch die Schwangerschaft und jetzt sogenannte Still-Demenz. Aber auch abseits davon ist es so. Und im Schreiben momentan noch mehr, weil ich keine Zeit.mehr habe. Ja, ist mir aufgefallen 😅
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