Material im Kindergarten

Vor einiger Zeit hatte ich auf Instagram angekündigt, nochmal einen Artikel zu den Materialien im Kindergarten zu machen. Und vielleicht erneut einen kleinen Überblick zu schaffen, wie es uns geht und was so passiert. Zuletzt hatte ich mal zum Thema Vorschule geschrieben, auch wegen der Schulreform und den Clubs. Das war vor einem Jahr. Alles wieder hinfällig, weil ein neuer Präsident dran ist, der hat die Schulreform glatt mal rückgängig gemacht.

Nichtsdestotrotz haben wir auch in diesem Jahr eine Material-Liste bekommen. Das ist wohl sehr sehr üblich. Egal, ob im Kindergarten oder in der Schule, ob private oder öffentliche Einrichtung. Für die Eltern kann es auch zur finanziellen Belastung werden, die Schulsachen zu besorgen. Um sie in dieser Hinsicht zu unterstützen, vergibt die Regierung nun Stipendien; an die Familien, die es sich nicht leisten können oder doch zumindest schwer zu kämpfen haben.

Was steht nun auf dieser Liste? Meine Kinder gehen auf eine öffentliche Institution des ISSSTE – eine Einrichtung für Regierungsmitarbeiter. Nahuel ist im 1. Kindergarten oder 1. Vorschuljahr – preescolar. Seine Liste war eindeutig kürzer, als die von Tanok, der im 3. und letzten Kindergarten-/Vorschuljahr ist.

  • Große Wachsmaler , 12er Paket
  • Große Buntstifte, 12er Paket
  • Anspitzer
  • Bleistift
  • Radiergummi
  • Schere für Vorschule
  • Klebestift
  • Pinsel
  • White-Board-Stifte (2 Stück)
  • eine Plastikdose für die Stifte (mit Betonung auf die Dose – kein Etui!)
  • Pädagogisches/ Didaktisches Malbuch unserer Wahl
  • Resistentes Auto
  • Holz-Puzzle
  • didaktisches Spiel
  • Knete
  • Kinderbuch
  • Weißes (50 Blätter) und buntes (20 Blätter) Papier

Dann sollte ich für Tanok noch einen Rechenschieber (!) und ein alfabeto movil besorgen. Das ist eine feine Sache, die ich schriftlich nicht erklären kann, aber es trotzdem versuche. Das sind 10 Blöcke so groß wie Visitenkarten auf einer Spirale. Jeder dieser Blöcke hat die Buchstaben des Alphabets. Nun ist es möglich Wörter zu bilden, indem ich in jedem Block den richtigen Buchstaben suche. Damit kann man folglich Wörter lernen.

alfabeto movil ideal para lecto-escritura

Neben den oben genannten Sachen hat Nahuel außerdem ein Mathematisches (Mal-)Buch zum Zahlen und Formen lernen und ein Malbuch, welches die Schreibmotorik fördern soll. Tanok hat ein Schreibheft mit großen Kästchen und lernt darin die Buchstaben zu malen, außerdem ebenfalls ein Mathematische Malbuch für die 3. Vorschul-Klasse.

Fazit von dieser Materialliste ist, dass den Kindern ganz deutlich Schulwissen angeeignet wird. Grundkenntnisse im Schreiben und Zählen. Solange kein Druck ausgeübt wird, finde ich es nicht schlecht. Aber definitiv bin ich nicht dafür, dass die Kinder Lesen und Schreiben können, bevor sie in die Schule kommen. Davon gibt es auch Mütter, die sogar darauf bestehen. Meiner Meinung nach, ist die Schule dazu da, dass Kinder diese Fähigkeiten lernen.

Der Kindergarten sollte sozialen Umgang lehren und Kenntnisse im Schreiben – im Sinne einen Stift führen – gerade Linien zeichnen etc., Kleben, Schneiden usw. vermitteln. Daneben natürlich auch Tischregeln und Hygiene. Das wäre meines Erachtens schon genug. Das Tanok mit 3 Jahren bereits seinen Namen schreiben konnte… nun, dass sehe ich als attraktives Extra. Nahuel wird im Februar 4 Jahre alt und kann es bis heute nicht. So also, jedem Kind das Seine.

Abgesehen von diesen Aktivitäten, erfreuen wir uns wieder an einer Englischlehrerin im Kindergarten. Außerdem lernen die Kinder den Umgang mit einem Laptop und machen Puzzle am PC, wie mir Tanok erklärte. Zweimal die Woche haben sie Kinderturnen. Die „Clubs„, von denen ich mal berichtete und die sich auf die besonderen Fähigkeiten oder Neigungen der Kinder konzentrierten, sind leider weggefallen. So sieht es aus in „unserem“ Kindergarten – ob es anders ist, als in anderen mexikanischen Kindergärten, das weiß ich nicht. Ob es anders ist als in Deutschland kann ich auch nicht sagen. Daher ist es wieder einmal eine sehr subjektive Perspektive, aber ich hoffe, trotzdem für einige von euch ein hilfreicher Einblick.


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2 Comments

  1. Ein Unterschied zu unserer deutschen KiTa und Grundschule fiel mir schon auf. Die Grundschule bat die Kindergärten vor Ort, sich nicht mit Buchstaben und Lesen zu beschäftigen. Weil es für die Schule einfacher ist, wenn sie den Kindern es in ihrem System gemeinsam beibringt. Und unsere Kindergärten nutzten die Zeit ganz hervorragend mit Projekten. Und auf der Matschanlage. Und mit Waldwochen. Aber an der internationalen Schule habe ich gesehen, dass es Amerikaner ganz hibbelig macht, wenn ihre Kinder nicht schon im Kindergarten beschult werden. Wenn es den Kindern Spaß macht, finde ich es aber auch prima (da fand ich die Ansage unserer Grundschule wiederum auch zu starr und gar nicht individuell). Aber was passiert in Eurem Kindergarten, wenn das Kind nicht mitmacht? Gibt es Lernziele, die erreicht werden müssen?

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    1. Hallo meine Liebe, Kommentar ist untergegangen. Nein, keine Lernziele. Die Eltern werden informiert und das war es. Hier wird nicht gezwungen, beim Lernen. Das geht schon in Ordnung. Ich fände es auch besser wenn es einheitlich ist, damit die Grundschule da anknüpfen kann, wo der Kindergarten aufhört… eine Freundin von mir ist Grundschullehrerin und sagte mir ebenfalls, dass es besser wäre, wenn die Kinder, sitzen bleiben können, schneiden, kleben, ausmalen, als wenn sie schon schreiben.
      Ich denke, dass dieses schnelle Vorankommen, dieses Ergebnis, Erfolg etc. aus den USA kommt. Ich merke es auch beim Schwimmen der Kinder. Das Kind kann nicht einfach nur Schwimmen aus Spaß sondern soll am besten gleich ins Team für Wettkämpfe aufgenommen werden… das ist wohl was Kulturelles.

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