Heimweh

Heimweh ist ein wichtiges Thema für Auswanderer. Es ist vielleicht kein Tabu-Thema, wird dennoch nicht so gerne angeschnitten. Gerade vor den Menschen, die wir zurückgelassen haben, im Heimatland ist es schwer die eigene Sehnsucht zuzugeben. Und unsere neuen Freunde in der Wahlheimat tun sich vielleicht schwer damit, dieses Heimweh zu verstehen. Oder man möchte auch nicht wehleidig und kummervoll wirken. Manche fürchten vielleicht auch die Reaktion, dass man gesagt bekommt, dass man dann doch einfach zurückgehen soll. Aber das ist ja auch nicht die Lösung. Nicht immer.

Es ist ein leises Gefühl, dieses Heimweh. Es zieht am Herzen. Oder liegt einem schwer auf der Brust. Es dreht sich um Kleinigkeiten. Es kann ein Lied sein, ein Geruch, ein Telefonat oder eine Jahreszeit, die dieses wehmütige Gefühl auslöst. Was ist es denn?

Heimweh ist die Sehnsucht und Traurigkeit, die man in der Ferne verspürt, wenn man gerne wieder seine Heimat besuchen möchte.

Wenn man gerne sein Zuhause besuchen möchte. Aber haben wir uns nicht ein neues Zuhause in der Ferne aufgebaut. Voller Freude, Abenteuerdrang? Haben wir nicht hart daran gearbeitet, uns etwas Neues aufzubauen und uns in unserer neuen Heimat zu integrieren? Was vermissen wir denn nun genau? Die Menschen? Das Essen? Oder einfach einen Ort, ein Gefühl? Sind wir von all dem nicht bewusst weggegangen?

Natürlich ist das so. Aber es gibt wirklich immer zwei Seiten der Medaille. Wir, als Auswanderer, als Expat oder Fernreisender dürfen Heimweh zu lassen. Und das ist auch nichts schlimmes. Und es ist auch nichts, für was wir uns schämen müssten. Es bedeutet nicht, dass wir uns verraten. Auch wenn es sich vielleicht manchmal so anfühlt. Und es bedeutet auch nicht, dass wir uns rechtfertigen müssen. Es gibt Heimweh und es gibt Fernweh. Beides ist legitim. Unsere Sehnsucht nach der Heimat, die uns unter Umständen viele, viele Jahre begleitet hat, ist nur natürlich. Wie sich eine Mutter vielleicht manchmal wünscht Single zu sein. Oder man im Arbeitsleben irgendwie doch wieder gerne mal ein bisschen zur Schule gehen würde.

Das sind unsere Gedanken, das sind unsere Gefühle. Das bedeutet, dass unsere Heimat uns geprägt und etwas Gutes in uns zurückgelassen hat. Sie ist ein Teil von uns, den wir nicht verleugnen. Und nach diesem Teil von uns dürfen wir uns auch gerne ab und zu mal sehnen. In Erinnerungen schwelgen, auch mal traurig sein. Aber bitte nicht verzweifeln. Akzeptiere dieses Gefühl. Heiße es willkommen, denn es gehört zu dir. Aber lass es dich nicht beeinflussen. Du hast alles gut so gemacht, wie es gekommen ist. Vielleicht hast du sogar das Privileg zwei Heimaten zu haben. Eine alte und eine neue. Damit bist du bereichert. Wäre das nicht ein schöner Gedanke?


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