Hallo ihr Lieben! Nach langer Zeit melde ich mich mal wieder. Wer mir auf meinem Blog kulturcambio folgt, weiß, dass wir ein heftiges erstes halbes Jahr hinter uns haben. Das heutige Thema dreht sich um eine dieser Ereignisse, die uns im April ereilten. Mein Schwiegervater verstarb überraschend an einem Herzinfarkt und hat somit unser aller Leben verändert. Der Beitrag heute soll sich darum drehen, wie wir damit umgegangen sind, unseren drei und vier Jahre alten Söhnen das Thema Tod näher zu bringen.
Erst einmal ist es ein großer Unterschied wie in Deutschland und in Mexiko mit dem Tod umgegangen wird. In Deutschland ist es nach meiner Erfahrung ein Bereich, der zwar beachtet und geregelt wird, durch ein Testament oder Patientenverfügungen, etc. Stirbt dann jedoch ein Mensch ist das Thema eher tabu oder rationalisiert, Kinder werden außen vor gehalten und auch die Trauerphase sollte nicht zu lange dauern. „Sich zusammenreißen“, denn das Leben geht ja weiter, ist für große Teile der Bevölkerung der Umgang mit Trauer um einen Menschen. Nach dem Tod gibt es für die Angehörigen den Gang zum Grab, der jedoch etwas sehr Privates ist und nicht weiter an die große Glocke gehängt wird.
In Mexiko habe ich schon öfter erwähnt, wenn nicht hier, dann auf kulturcambio, wird besonders am Tag der Toten (alias Allerheiligen), den verstorbenen Angehörigen gedacht. Ihnen werden Opfergaben gebracht, auf dem Friedhof wird ihnen zu Ehren gefeiert. Auch das ist natürlich von Familie zu Familie unterschiedlich, aber es ist selbstverständlich, dass die Toten nicht in Vergessenheit geraten. Verstirbt nun ein Angehöriger werden vor allem die Kinder nicht fern gehalten. Im Gegenteil, sie sind mitten drin. Der Tod ist Teil unser aller Lebens und so sollen auch die Kinder es wahrnehmen.
In der wenigen Zeit, die ich hatte, habe ich darüber nachgedacht, wie ich oder wir es handhaben wollen, mit meinem Mann in kurzen Gesprächen sind wir schnell übereingekommen, dass wir unsere Kinder nicht ausschließen werden. Sie sollen alles miterleben, wir wollten sie begleiten und ihnen beistehen und erklären.
So haben die Kinder miterlebt, wie ich mit meinem Mann den Sarg ausgesucht habe, wie es war als der Leichnam abends im Dorf angekommen ist. Hier werden die Menschen, bis sie beerdigt werden, im Sarg aufgebahrt, damit man von ihm Abschied nehmen kann. Auch das war befremdlich und für mich herzergreifend, weil die Kinder wollten, dass ihr „abuelo“ (Großvater) wieder aufwacht. Das war der Moment, ihnen nochmals zu erklären, dass ihr „abuelo“ schläft und nicht mehr aufwachen wird. Das waren schwere Momente, aber nach ein paar Stunden haben die Kinder es und bis heute anhaltend, ansatzweise verstanden.
Wir sind auch gemeinsam mit ihnen zur Beerdigung, auf den Friedhof, wo uns hunderte von Leuten aus dem Dorf begleiteten. Ich wusste nicht, wie sie reagieren werden, in dem Moment, wo die Erde auf den Sarg geschaufelt wurde. Aber sie haben es ganz gut gehandhabt und alles nur beobachtet. „abuelo“ ist unter der Erde, sagte mir Tanok in einem Moment und ich nickte nur.
Heute, wenn der Mond abends klar am Himmel steht, sagen die Kinder, dass „abuelo“ auf dem Mond ist. Das finde ich sehr schön. Weiterhin versuchen wir ihnen ihren Großvater in gewissen Situationen und Fotos in Erinnerung zu behalten.
„Wir müssen jetzt auf „abuela“ (Großmutter) aufpassen. Wir können nicht zurück zu uns nach Hause, wir bleiben eine Weile auf dem Dorf“ – immer wieder musste ich den Kindern nach der Beerdigung erklären, warum wir nicht zurück nach Zacatecas fahren. Noch nicht. Nach der Beerdigung folgen bei religiösen Menschen neun Tage Kerzen anzünden, damit der Tote seinen Weg findet, und Rosenkranz beten. Ich weiß nicht, woher diese Tradition stammt, ist sie doch eine Mischung aus katholischem Brauch und Volkstum. Auch hierbei begleiteten uns die Kinder, da das ganze um 18 Uhr am Abend im Wohnzimmer bei ihren Großeltern stattfand. Da ging also nichts dran vorbei.
Nach diesen 9 Tagen kehrte Ruhe ein. Wir fuhren aus diversen Gründen zurück nach Zacatecas. Es waren Osterferien. Die Kinder haben alles gut verarbeitet. Keine Alpträume, seltsame Zeichnungen oder seltsame Fragen. Nur ab und an ein „ich vermisse abuelo“ – doch diesen Satz sagen und denken auch wir Erwachsenen.
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