Wohnen in Zacatecas

Seit dem 1. Mai mach ich über Instagram bei der #expatchallenge mit. Die von einigen Expatmamas ins Leben gerufene „Herausforderung“ gibt alle zwei Tage ein neues Thema vor, über das man persönlich berichten kann. Heute war #wohnenimausland das Thema. Was ich als sehr zweideutig empfand und viele andere Teilnehmer auch unterschiedlich umgesetzt haben.

Infrastruktur: Wie wohnst du im Ausland, also dort wo du bist? Wie ist das da und was ist anders als in Deutschland.

Philosophisch: Wie ist es für dich, im Ausland zu wohnen?

Meine Antwort und die Bilder dazu, könnt ihr auf der rechten Seite sehen und bestaunen. „Leben in Bildern“. Auch wer kein Instagram-Konto hat, kann in seinem Browser die Fotos begucken. Dafür einfach auf das Bild klicken.

Mir ist nun aber aufgefallen, dass mir zu diesem Thema noch viel, viel mehr einfällt, als der Platz, den mir Instagram gibt. Also dachte ich mir, da schreib ich mal richtig drüber. Ich hatte heute andere Pläne, aber das ist mir gerade mal wichtiger loszuwerden! Und ich habe noch 90 Minuten, bis ich meine Kinder abhole, also kann es losgehen. Den Menschen, die mir auf Instagram folgen, bitte ich mir Wiederholungen zu entschuldigen.

Heute schreibe ich mal nur über die INFRASTRUKTUR. Teil 2 folgt dann nochmal wann anders.

Wie ich bereits einmal in meinem Hauskaufbeitrag erwähnte, leben wir in einem normalen zacatecanischen Viertel – ohne Security. Es gibt viele kleine Viertel, die eine Einlasskontrolle haben. Sie wollen deinen Pass, deinen Namen, dein Nummernschild und dann darf man durch eine Schranke passieren. In diesen „privadas“ gibt es meist einen kleinen Park mit Spielplatz, ansonsten ein Reihenhaus neben dem anderen. Meist recht modern „europäisch“ – für mich gähnend langweilig. Das ist etwas persönliches, aber ich finde auch deutsche Wohnviertel, mit Einfamilienhäusern, gähnend langweilig und wollte daher niemals! in einem dieser Viertel wohnen. Lieber eine Eigentumswohnung in der Stadt. Wie gesagt, ist etwas ganz persönliches und will hier sicherlich niemanden angreifen. Jeder hat einen anderen Geschmack!

Wir leben ja nun allerdings auch in so einem Viertel , *lach* nur eben auf mexikanisch. Hier haben wir alles ganz nah. Es gibt eine Fleischerei, Tortilleria, es gibt, drei Tante-Emma-Läden, Bäckerei, Eis-Café, Frisör, fünf Schreibwarenläden und so weiter. Einen Park, mit Fußball-Feld und Basketball-Feld und ein freies Stück an denen zweimal in der Woche im freien ZUMBA-Kurse gegeben werden. Außerdem ist die Grund- und die Mittel-Schule direkt über die Straße. Der Großmarkt Zacatecas ist „nur den Berg runter“. Es ist sehr familiär hier und das ist wundervoll. Wir fühlen uns auch nach zwei Jahren extrem wohl hier!! Haben also alles richtig gemacht.

Aber WIE wohnen wir denn nun eigentlich? In Mexiko geht es nicht nach Quadratmetern, sondern nach Schlafzimmer-Anzahl. Unser Haus hat vier Schlafzimmer, drei Bäder, Arbeitszimmer, eine „Galerie“ wie ich es nenne – der Raum nach dem Treppenaufgang, wo mein Schreibtisch steht, mein Nachhilfe-Tisch, also mein Arbeitsplatz und das Kram der Kinder. Ich lasse besser ein Foto da:

Dann haben wir ein Wohnzimmer (oben) und Küche, Esszimmer und großer Eingangsbereich unten und zwei Innenhöfe. Wenn ich mich recht erinnere, sind es 220qm Wohnfläche, aber ich bin nicht sicher. Das Haus misst 8 mal 15 Meter Grundstücksfläche, was unten ja voll bebaut ist. Wir haben keinen Garten hinten oder Vorgarten vorne – so etwas wäre eher untypisch. Gibt es. Aber eher untypisch für Zacatecas.

Das Haus hat nur Fliesen. Fliesen sind für mich etwas typisch südländisches, habe aber nie verstanden warum, dachte, das ist vielleicht kühler. Jetzt weiß ich: Kühler, ja auch, aber es geht wohl um Sauberkeit. Wir leben fast in der Wüste. Hier gibt es Staub und feinen, feinen Sand. Hier muss feucht gewischt werden, weil du mit einem Staubsauger nur aufwirbelst, aber der würde es einfach nicht wirklich sauber bekommen. Daher Fliesen, die halten das Feuchtwischen am besten aus. Ich habe bereits Häuser mit Laminat gesehen, aber das sieht auch durch die Hitze tagsüber und die Kälte nachts, nach kurzer Zeit nicht mehr so schön aus – Holz arbeitet. Aber, gibt es auch. Ja.

Einbauschränke. Sehr schöne Sache. In vielen Schlafzimmer ist es üblich, große Einbauschränke zu haben. Einen Kleiderschrank habe ich hier somit noch nie gekauft. Wir hatten von Anfang an in unseren Schlafzimmern Einbauschränke. Genügend Stauraum also.

Gas. Das heiße Wasser kommt durch einen Boiler, der mit Gas betrieben wird. Außerdem haben wir auch einen Gasherd. Mit 6 Platten. Ein Riesending. Ich wollte einen kleineren. Die gibt es, aber die sind im Verhältnis unglaublich teuer. Somit habe ich auch einen Backofen, in den wirklich ein Truthahn reinpasst. (ich schiebe diese großen Küchengeräte auf die US-Industrie… daher der Kommentar mit dem Truthahn… Thanks Giving!).
Das Gas kommt nicht von den Stadtwerken, sondern von unserem Gastank auf dem Dach. Den müssen wir im Abstand von zwei Monaten auffüllen. Da ruft man beim „Gasmann“ an und dann kommt der und füllt ihn auf und du bezahlst direkt. Manche Häuser haben keinen Gastank und arbeiten mit Gaszylindern. Die müssen sicherlich öfter anrufen, stelle ich mir vor.

Wasser. Ich wiederhole, wir leben in einer Wüstengegend. Trocken. Wassermangel, wie wir es aus den Südländern hören. Das Wasser kommt nicht permanent von den Stadtwerken, sondern nur an zwei oder drei Tagen in der Woche. Daher haben wir einen Wassertank auf dem Dach und zusätzlich eine Zisterne unterm Haus (die hat auch nicht jeder. Manche haben dann eben zwei Wassertanks auf dem Dach, um wirklich sicher zu gehen….). Somit haben wir immer Wasser. Bei uns kann es mal vor kommen, dass der Wassertank oben leer ist. Dann stelle ich eine Pumpe an, die aus der Zisterne, Wasser in den Wassertank füllt. In einer Stunde ungefähr ist er wieder voll und wenn das Wasser von der Stadt kommt, hört man, wie das Wasser in die Zisterne plätschert.

Ungeziefer. Wir leben sehr weit im Norden, außerhalb der Tropen. Ich sage immer Zentral-Mexiko, aber ich glaube, wir zählen in Wirklichkeit zum Norden. Außerdem liegt Zacatecas auf 2400 Meter Höhe. Daher gibt es hier nicht so viele Insekten wie im Süden. Danke!!! Ich hasse Insekten. Ja, auch hier gibt es Kakerlaken. Und wenn es sehr, sehr trocken ist, zwischen Februar und Juni, dann sehe auch ich Kakerlaken im Haus. Die kommen von der Straße, aus der Kanalisation und suchen Wasser. Wir lernen damit umzugehen und werden jedes Jahr besser. Sauberkeit ist das A und O. Außerdem sprühe ich an Fenster und Haustür ein bisl Insektenvernichter. Tut mir leid, ja, die Chemiekeule. Aber die Vorstellung, eine Kakerlake teilt sich das Bett meines Sohnes, lässt mich so handeln. Außerdem haben wir gerade vor ein paar Wochen endlich mal Moskitonetze vor den Fenstern angebracht. Das ist auch super. Fliegen sind nämlich unter anderem mein persönlicher Feind. Mücken gibt es hier nicht so viele, eher nach der Regenzeit. Und Kakerlaken finde so auch über die Fenster nicht mehr ihren Weg ins Haus (die können nämlich fliegen und hüpfen, Mistviecher)
Was hatten wir sonst noch für Besuch hier im Haus? Mäuse, in der Küche. Nicht schön, aber schnell gelöst das Problem. Was ich viel viel schlimmer fand, war eine Ratte, die sich ein nettes Plätzchen hier gesucht hat. Sie ist durch die Kanalisation ins Haus – durchs Badezimmer… wir lernen nur dazu, auch mein Mann, der ja eigentlich vom Dorf kommt, und so was nicht kennt. Jetzt sind auch die Abflüsse dicht und abgesichert und wir hatten keinerlei Probleme mehr in dieser Richtung. Spinnen habe ich in unserem Haus gar nicht. Vielleicht mal ganz kleine alle zwei Monate, aber nicht mehr. Also, hier in Zacatecas kann ich nicht klagen.

Sicherheit. Hier gibt es keine Probleme. Wir wohnen extrem ruhig. Letztens waren wir auf einem Kindergeburtstag in derselben Straße und der Vater sagte uns, er sei hier schon aufgewachsen und deshalb habe er sich mit seiner eigenen Familie ebenfalls hier ein Haus gekauft, weil es einfach mal super ruhig und sicher ist. Die Autos stehen hier auf der Straße. Da passiert nix. Was wir haben, sind Gitter vor den Fenstern. Das Haus haben wir schon so gekauft. Das ist so die normale Ansicht der mexikanischen Häuser, würde ich sagen. Ich sehe es nicht mehr. Für viele mag das eine Gefängnis-Situation sein… Ich fühle mich gut.

Innenhöfe. Was außerdem für einige vielleicht befremdlich ist, ist die nicht-vorhandene Aussicht. Wir haben nur Fenster zur Straße hin, als „Aussicht“. Ansonsten führen alle Fenster auf die Innenhöfe. Das gibt uns ausreichend Licht, aber man guckt immer gegen eine Mauer. Ich fühle mich super wohl und unbeobachtet, aber andere Menschen würde das eventuell stören.

Heizung. Wir haben keine. Im Winter hatten wir -5°C im Schlafzimmer. Das ist wirklich bitter. Aber das sind nur mal drei Tage, dann regelt sich das wieder. Aber die härtesten Winter erlebt man erst, wenn man keine Heizung hat. Ehrlich.

Klopapier. Klopapier kommt in Mexiko nicht in die Toilette! Sondern in den Mülleimer, der daneben steht. Hier gibt es keine Kläranlagen, und das Papier würde komplett auf dem Feld landen. Nicht schön. Oft schaffen es sogar die Rohre nicht und Toiletten sind schnell verstopft.

Trinkwasser. Wasser aus der Leitung kann in den Städten nicht getrunken werden. Es gibt kaum oder keine Filteranlagen, dass bedeutet, dass Wasser ist nicht das sauberste zum Trinken. Zum Zähneputzen ist es okay. Ich koche auch Nudeln oder Kartoffeln damit, weil ich es ja koche. Aber trinken, bitte nicht. Dafür kauft man gefiltertes Wasser.

Obst und Gemüse. Lecker. Ja, aber das meine ich nicht. Obst und Gemüse, immer waschen, am besten mit Spülmittel. Das Obst und Gemüse wird hier mit „schwarzen Wassern“ gegossen. Und das ist Grundwasser. Da es keine Kläranlagen gibt, kommen unsere Fäkalien ungefiltert aufs Feld und damit ins Grundwasser. Ein Kreislauf. Daher bitte immer Waschen. Denn von diesen Bakterien, kommen unter anderem die ganzen Magen-Darm-Geschichten, die wir aus den Reisen in die Südländer kennen. Das hat nicht unbedingt was mit schlechtem Essen zu tun.

Steckdosen – immer dran denken, dass hier andere Steckdosen sind und die Volt-Zahl niedriger. Geräte aus Deutschland funktionieren, nur langsamer. Geräte von Mexiko nach Deutschland nehmen? Vergiss es. Die brennen durch.

Mietverträge. Gehen meist über ein Jahr. Also mit der dreimonatigen Kündigungsfrist, die wir aus Deutschland kennen, haut das nicht immer hin. Achtung, also.

Mehr fällt mir gerade wirklich nicht mehr ein. Wenn ihr Fragen habt, oder euch noch etwas einfällt. Immer her damit! Ich ergänze gerne oder schreibe noch einen weiteren infrastrukturellen Beitrag zum Thema Wohnen im Ausland/Mexiko/Zacatecas.

Bald folgt Nummer 2 – der philosophische Aspekt.

 

 


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