Nebenerwerb

Es hat endlich geregnet, auf den Feldern wird fleißig gearbeitet. Ich dagegen habe Ferien seit einem Monat und noch einen weiteren Monat (unbezahlt). Am 14. August fange ich wieder an. Um nicht in Langeweile zu versinken und auch, um für diese Phasen nicht völlig ohne Einkommen zu sein, habe ich mein kleines Gewerbe angefangen. Ich verkaufe über einen Katalog brasilianische Kosmetikprodukte von Natura.

Natura gibt es in Europa nicht. Ich habe es im Internet gefunden, die Preise sind dann aber horrende. Man könnte es sicherlich sehr, sehr gut verkaufen. Weil die Produkte gut sind. Über einen Katalog? Wie geht das denn!? Fragt sich der eine oder andere jetzt vielleicht. Es ist wie Tupperware. Ich habe einen Katalog, den zeige ich, ich zeige Produkte und die Menschen bestellen bei mir, ich bestelle bei der Firma und bekomme das Paket nach Hause und liefere dann an die Kunden.

Dieses System ist Standard in Mexiko. Vielleicht, weil es für Firmen einfacher ist, statt Geschäfte zu öffnen. Direktverkauf gestaltet sich kostengünstiger und ist persönlich. Vielleicht auch, weil hier vieles sehr provinziell ist? Alles etwas weit ab vom Schuss. Die Leute haben gar nicht immer die Möglichkeit in eine Stadt zu fahren. Daher findet man auf jedem Dorf jemanden, der Kleidung, Kosmetik oder sonst was per Katalog verkauft.

Yves Rocher – ein Beispiel, das ich nehmen kann, weil wir in Deutschland diese Firma gut kennen. Yves Rocher funktioniert über den Katalog hier in Zacatecas. Ich erinnere mich, dass ich als 12-Jährige ebenfalls über den Versand bestellt habe, bis Yves Rocher anfing mit Geschäften. So funktioniert es. Nur muss ich meine ausgefüllten Bestellkarten nicht mehr zur Post bringen, sondern eine Vertreterin macht das für mich.

Einer meiner Arbeitsplätze – am Schreibtisch, planen, bestellen. Der andere ist „draußen“ bei den Leuten – auch wenn ich viel über Facebook und Whatsapp mache…

Jetzt bin ich auch zur Vertreterin geworden. Natürlich gehe ich auch mit einem gewissen deutschen Ernst daran – Internetseite (Facebook – Natura con Nora Zacatecas), Stempel, Visitenkarten etc. Und die Leute kaufen. Mexikaner kaufen fast alles. Wie gut, dass ich „mein Produkt“ mit ruhigem Gewissen an die Frau (oder den Mann) bringen kann, weil ich selber es liebe und davon überzeugt bin. Schrott wollte ich nicht verkaufen. Für mich ist es ja auch nur ein Nebenverdienst. 25% des Katalogpreises sind mein Verdienst. Also, verkaufe ich mehr, verdiene ich mehr.

Eine Freundin sagte mir, dass ist quasi dein Hobby. Ja, so kann man das nennen. Es gibt hier allerdings Menschen, die wirklich darauf angewiesen sind, und dann ist der Spaß, denke ich vorbei. 25% ist nicht viel. Es gibt andere Firmen, die mehr geben. Nun ja, das ist etwas, was ich interessant finde und einmal anmerken wollte. Quasi jeder dritte verkauft hier etwas oder hat ein Nebengewerbe am laufen. In der Universität oder allgemein in öffentlichen Arbeitsstätten ist es besonders extrem. Einer verkauft Nagellack, der nächste Honig oder besonders warme Jacken aus Spanien ! (???). Ohne Witz, alles erlebt. Besonders weit vorn sind auch Selbstgebackenes oder Essen im Allgemeinen.

Fazit ist, vielleicht bin ich jetzt nur ein Stückchen mehr Mexikanerin geworden, weil ich das mache, was (fast) alle machen – etwas dazu zu verdienen.


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1 Comment

  1. In Polen erlebt man ähnliches. In einem Park in unserer Nähe hat sich jemand selbstständig gemacht mit der Vermietung von diesen kleinen batteriegetriebenen Autos, in denen die Kinder sitzen können. Sein Garten grenzt an den Park und er hat einfach sein Gartentor aufgemacht. Und die Leute mieten die Autos für die Kinder… ständig tuckern sie einem vor die Füße 😉.

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