Nein, dies ist nach dem Foto zu urteilen, kein weiterer día de los muertos (Tag der Toten) Beitrag, sondern das Röntgenbild meines Sohnes. Dieser ist am Montag mit samt der niñera (Babysitterin) die Treppe heruntergefallen und hat uns allen einen Riesenschrecken eingejagt. Mein erster Gedanke, als mein Handy im Unterricht klingelte – was nun schon wieder? Und dann… Aber Tanok ist doch zuhause. Seltsam und dann eine milde Vorahnung. „Tanok ist ausgerutscht und wir sind zusammen die Treppe heruntergefallen“ – oh je. Zweiten Gedanken ausgesprochen: „Und wie geht es ihm? Was ist ihm passiert?“
13 Minuten später war ich zuhause. Tanok schlief, trotzdem habe ich ihn mal komplett untersucht. Das mache ich fast immer nach einem kräftigen Sturz (nicht das erste Mal, dass er eine Beule am Kopf hat). Äußerlich kein Anschein von gebrochenen Knochen oder sonst was Rippen, Knie, Füße, Arme, alles sieht gut aus. Mittlerweile war mein Sohn ob dieser Untersuchung und dem Klamottenausziehen dann auch aufgewacht und fängt natürlich bitterlicher an zu weinen. Der Arme. Eine riesige Beule am Kopf. So groß hatten wir sie noch nie. Kind in Decken gewickelt, niñera ins Auto, Kind Nummer 2, was ebenfalls friedlich schlummerte, ins Auto und zum nächstgelegenen Arzt – das „centro de salud“ (Gesundheitszentrum/Arztzentrum) in der Nachbarschaft, was nagelneu ist, aber irgendwie weiß das keiner, fast immer ist da niemand und jede Menge Personal für einen da.
Ganz schnell wurde sich um Tanok gekümmert und er wurde noch einmal durchgecheckt. Ich musste mehrmals betonen, dass sie bitte auch das arme Fräulein niñera untersuchen müssen, weil sie ja schließlich ebenfalls die Treppe runtergefallen ist. Beide augenscheinlich okay. Trotzdem erstmal zur Radiologie überwiesen. Einen Röntgen-Apparat haben sie aber in dem kleinen Zentrum nicht. Also ab ins Krankenhaus – Hospital General. Da ging es mehr oder weniger zügig vonstatten. Tanok kletterte schon wieder über die Wartesaal-Stühle. Ich sah so bereits, das ihm nichts weiter passiert war. Trotzdem lieber mal gucken. Er hat auch mehr oder weniger stillgehalten. Und so ist das Bildchen entstanden.
Bei ihm ist alles okay. Mittlerweile ist das Hämatom gewandert und der Kleine sieht aus wie ein Pandabär – blaue Augen. Das hatte mich etwas erschrocken, weshalb ich Mittwoch nochmal mit ihm beim Arzt war, aber er konnte mich beruhigen.
Habe ich so etwas also auch mal erlebt. Wird bei zwei Jungs wohl nicht das letzte Mal gewesen sein. Schön aber, dass ich so cool geblieben bin. Vielleicht auch, weil ich nicht beim Sturz dabei war.
Warum die niñera in dieser Woche? Tja, Tanok hat seinen ersten richtigen Virus aus der Kita mitgebracht – Hände-Mund-Füße-Virus. Da bekommen die Kleinen Bläschen an den Füßen, den Händen und im Mundbereich bis in die Mundhöhle, aber außer, dass es unangenehm ist, ist es nicht weiter gefährlich. Nur hochansteckend. Daher durfte sein Bruder auch gleich zuhause bleiben. Der hat bis heute aber nichts von dem Virus abbekomen.
Es hört nicht auf! Seit Kita-Eintritt sind die beiden mit irgendetwas krank. Weiterhin also nicht verzweifeln, aber ich muss es jetzt wirklich mal gestehen – ich denke, ich bin etwas überfordert. Vielleicht nicht so überfordert, wie mit drei Kindern und Vollzeitjob, aber ich bin es auf meine Weise trotzdem.
Zu all dem gesellt sich noch eine eigene Erkältung dazu, die seit zehn Tagen nicht so recht ausbrechen möchte. Ich halte sie noch in Schach. Müde und schlapp fühle ich mich trotzdem und immer mehr schleichen sich die Gedanken in mein Hirn – warum wolltest du nochmal ein zweites Kind so schnell? Und warum wolltest du überhaupt Kinder? Und wie wäre deine Leben jetzt ohne Kinder? Mit mehr Geld, aber wahrscheinlich ein bisl eintönig. So habe ich wenigstens die Garantie, dass mir ganz bestimmt nicht langweilig wird. Mein Mantra lautet derzeit „Ich liebe meine Kinder, ich liebe meine Familie, ich liebe meine Kinder, ich liebe meine Familie…“ und dann geht es mit Halbdampf weiter. Irgendwann wird es bestimmt wieder einfacher…. !??
PS: erwähnte ich schon, dass beide Kinder außerdem seit drei Tagen wieder voll erkältet sind!? *seufz*
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Diese ersten Kindergarten-Winter zehren sehr an den Kräften. Das kann ich gut verstehen – aber ich weiß auch: es geht vorüber! Bis es soweit ist, hilft nur Entlastung suchen, wo immer es geht, in welcher Form auch immer (weniger arbeiten oder mehr Babysitter oder mehr den Mann/Freundinnen einspannen oder mehr Unordnung im Haushalt hinnehmen oder oder…) Werdet bald gesund. Liebe Grüße
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Das ist sehr lieb von Dir, Jonna! Ich halte durch – ganz tapfer und nehme es mit Humor. Heute schon wieder beim Kinderarzt gewesen.. Tanoks Po ist rot wie ein Apfel. Etwas falsches gegessen. Mal wieder nicht in die Kita – so lassen sie ihn nicht da rein. Ich nehme die Unordnung im Haus widerwillig hin. Freundinnen habe ich hier nicht, mein Mann arbeitet volle Vollzeit – ich sowieso nur drei Stunden am Tag und Babysitterin ist nach Möglichkeit greifbar… danke für deine unterstützenden Worte! Liebe Grüße zurück.
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Ach, du Arme. Das hört sich nicht gut an. Ja, man versucht den Humor nicht zu verlieren – Galgenhumor nennt man das wohl. :-) Du schlägst dich tapfer, pass aber auch gut auf dich selbst auf. Wenn ich was tun kann, sag Bescheid. Liebe Grüße
P.S. Vielleicht hilft mein Buch „Von Babys und Briten“ – von meiner Zeit mit zwei Kindern unter 2 in England, einfach nur um zu lesen, dass es überall ähnlich aussieht und mal gemeinsam drüber zu lachen. Hab einen schönen Tag!
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