Die ersten Stufen nehme ich noch federleicht, bin guter Dinge und lächel vor mich hin. Doch spätestens im zweiten Stock konzentriere ich mich nur auf meine Schritte. Das Tempo verringere ich nicht. Ich merke, wie mein Puls schneller wird und frage mich, ob meine Entscheidung wirklich so gut war, eine Wohnung im ersten Stock zu wählen. Das Treppen-Training geht da doch völlig unter. Als ich im dritten Stock ankomme habe ich gemischte Gefühle: der größte Teil liegt bereits hinter mir, das stimmt mich zufrieden und ich freue mich auf das, was ich bald erreiche. Jedoch merkt man mir den zügigen Treppenaufstieg an. Ich atme schwerer und meine Wangen bekommen eine gesunde Farbe. Doch ich mache keine Pause und laufe weiter die Stufen hinauf. Im vierten Stock dann bin ich froh angekommen zu sein. Ohne innezuhalten begebe ich mich auf die Suche und bleibe dann endlich vor dem passenden Regal stehen. Auswandern. Heißt es hier mit großen Buchstaben. Warum meine Bibliothek gerade dieses Thema ganz unters Dach sortiert hat, frage ich mich. Ist es Zufall? Oder ist die kleine Strapaze hier hoch eine Vorschau, auf das, was mich im nächsten Jahr erwartet. Am Anfang ist alles leicht, dann wird es schwer und trotzdem gebe ich nicht auf, bis ich am Ziel angekommen bin. Wer weiß. Ich möchte es herausfinden und greife deshalb beherzt in das Bücherregal nach meiner Zukunft.
August 2013
