Mein Sohn kam in der Pandemie zur Schule. Keine Einschulungsfeier (die es in Mexiko eh nicht gibt, hier wird eher der Schuljahres-Abschluss gefeiert). Kein Kennenlernen der Lehrerin oder seiner neuen Mitschüler. Kein aufregender erster Schultag. Kein Foto vor der Schule. Keine Schultüte (mein Vergehen). Viele, viele keins. Mexiko hatte aufgrund der Pandemie auf Schul-Fernsehen umgeschaltet. Also kam der Unterricht direkt aus dem TV. Alle Lehrer der öffentlichen Schulen hatten sich an das Programm zu halten und sollten nicht davon abweichen. Die Bücher werden stets gratis von der Regierung gestellt und daran orientierte sich dann eben auch der gesamte Unterricht.

Das Programm hieß im August „Aprende en casa II“ – Also „Lerne zuhause II“ – ich ging daher einige Wochen davon aus, das Mexiko schon einmal so eine Situation hatte und dieses Programm quasi in der Schublade lag. Bis ich dann durch einen Zufall herausfand, dass dieses Schul-Fernsehen direkt im März umgesetzt wurde, als klar war, dass wir in eine weltweite Pandemie rutschen, die lange andauern kann. Ab da hieß es bereits „Aprende en casa I“ – „Lerne zuhause I“, was ich nicht so richtig mitbekam, weil mein Sohn da ja noch in der Vorschule war und die Erzieher das nicht so ernst genommen hatten, bzw. ihr eigenes Material schickten.

Nach den Osterferien 2020 ging es also los, mit dem Schul-Fernsehen. Was bedeutet, dass Mexiko sich innerhalb weniger Wochen (vielleicht sogar Tage) auf die neue Situation eingestellt hat. Ein ganzes Programm auf die Beine zu stellen, von Vorschule, über Grund- und Weiterführende Schule, dass fast 24 Stunden am Tag, auf mehreren Sendern und auch mit Wiederholungen läuft. Es gab immer einen Moderator und einen Fachlehrer. Der Inhalt war super. Oft sogar witzig bis unterhaltsam. Ich bin so erstaunt über dieses schnelle Vorgehen. Bis zum heutigen Tag. Daher war es Mexiko möglich, anderthalb Jahre die Schule auf Distanz durchzuhalten und meines Erachtens nach das Schulniveau zu halten. Auch wenn ich hier wohl nur von meinem eigenen Sohn spreche, der wirklich dank seiner Eltern in seinem 1. „Pandemie-Schuljahr“, schreiben, lesen und rechnen bis 100 gelernt hat. (Über das Niveau in der Grundschule kommt zeitnah ein anderer Beitrag meinerseits).

Alle Programme und einzelnen Unterrichtseinheiten konnten auch im Internet geschaut werden. Da es in vielen Regionen allerdings kein Internet gibt, wurde durch das Schul-Fernsehen zumindest abgesichert, dass die Mehrheit Zugang zum „Unterricht“ hat.
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