Die deutsche Sprache zu können, scheint vielen Deutschsprachigen als nichts besonderes. Oder allgemeiner formuliert – seine eigene Muttersprache zu können scheint vielen als nichts besonderes. Vielleicht stöhnen die Menschen sogar, dass sie „keine Sprachen“ sprechen und vergessen dabei ihre eigene. Wie wertvoll die Muttersprache im Ausland ist, wurde auch mir erst in Mexiko lebend bewusst.
Viele Menschen hier in Zacatecas sind fasziniert von der Sprache und mehr noch von dem Land Deutschland. Es symbolisiert Fortschritt, Reichtum, Träume wahr werden lassen. Es ist schön und exotisch. Was für uns die Weite der USA ist, ist für die Mexikaner.. nun ja, auch die USA aber eben genauso Deutschland. Deutsche Firmen sind so begehrt, weil die Arbeitszeiten humaner sind, weil die Büros ausgestattet sind – es werden die Mittel zur Verfügung gestellt, die man eben zum Arbeiten braucht. Computer und deren Programme, etc. Ich hatte das Gespräch gerade erst vor ein paar Tagen, mit einem meiner Studenten, der bereits in verschiedenen internationalen Firmen gearbeitet hat. In deutschen Firmen werden den Mitarbeitern Ressourcen zur Verfügung gestellt, die das Arbeiten leichter und angenehmer machen. Daher die Beliebtheit. Ich dachte, dass auch die Deutschen nur den billigen Standort Mexiko ausnutzen; obwohl sie das sicherlich auch tun, heben sie sich scheinbar trotzdem von ihren internationalen Kollegen in der Arbeitsweise ab. Das kommt gut an. Und so, ist es nicht verwunderlich, dass Deutschland und damit auch die deutsche Sprache so beliebt ist, hier in Zacatecas.
Als ich hierher gekommen bin, hatte ich ein Fremdsprachenstudium begonnen, in dem Glauben, dass ich ohne einen Abschluss keine Arbeit als Deutschlehrerin finden würde. Dass mir meine bloße Nationalität bei der Jobsuche behilflich sein würde, daran hatte ich, typisch deutsch, nie gedacht. Sieben Jahre sind nun vergangen und ich gebe seit 6 Jahren Deutschnachhilfe. Ich würde mich jetzt nicht als Deutschlehrerin bezeichnen. Ich bezeichne es als Nachhilfe und nicht als Unterricht – mehr aus Bescheidenheit, weil ich ja keine Studierte in dem Bereich bin. Auch von einer Sprachschule bin ich weit entfernt. Es ist nur ein kleiner Nebenverdienst, der es nicht mal wert ist, ihn bei der Steuer anzugeben. Das Geld, welches ich bekomme, ist eher ein Dank, als ein Gehalt.
Worauf ich nun aber hinaus wollte, ist Folgendes: Niemals sollte man seine Muttersprache unterschätzen. Hätte ich gedacht, dass ich damit Geld verdienen könnte? Nein, nicht wirklich. Würde ich mehr reininvestieren, könnte es trotzdem ein gutes Geschäft werden. Online oder mit Präsenzunterricht – das ist durch die Pandemie egal geworden. Wer also ratlos ist, was er in Mexiko arbeiten könnte, sollte einfach mal in die Richtung denken, Deutsch zu unterrichten. Natürlich sollte man fit sein, in der eigenen Sprache und auch ein gewisses sprachliches Gefühl mitbringen. Spanisch sprechen, sollte man auch, um sich besser in den Schüler hineinzuversetzen und Vergleiche herstellen zu können. Wie bei jedem anderen Beruf, sollte man also gewisse Vorrausetzungen mitbringen – aber das Gute ist, dass man das wichtigste Mittel, um einem anderen Menschen Deutsch beizubringen, schon mitbringt: die eigene Muttersprache.
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