Da hatte ich vor ein paar Tagen, eine super süße Situation mit unserem Ältesten. Es war am Morgen und es war Frühstückszeit. Josefina, unsere Haushaltshilfe, räumte die Küche gerade etwas auf. Wir saßen alle am Tisch und waren mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Mein Sohn verschüttete etwas und sollte nun eine Lappen holen. Er sprang auf und ging zur Spüle, wo Josefina gerade stand. Eine Moment später kam er wieder, etwas betroffen und fragte: „Cómo se dice ‚Lappen‘ en español?“. Wie sagt man Lappen auf Spanisch?
Es gibt Wörter, die kennen meine Kinder nur auf Deutsch. Weil ich sie nicht auf Spanisch kenne, wie Betonmischer, oder weil man das betreffende Wort eben nur hier zuhause benutzt. Ein anderer Punkt, den ich so faszinierend finde, bei der eben beschriebenen Situation, dass unser 6-Jähriger ganz genau weiß, dass er das Spanische Wort für Lappen nicht kennt. Dieses Bewusstsein für die zwei Sprachen hat er schon früh entwickelt. Er hatte mich auch einmal damit überrascht, als er jemandem erklärt hat, dass „Oma“ seine abuela in Deutschland ist. Wobei wir Oma und Opa als Name für meine Eltern und abuela und abuelo (die spanischen Wörter) für meine Schwiegereltern benutzen. Trotzdem wusste er das, ohne das wir dieses Thema jemals explizit angesprochen hätten. Etwas jünger gab es nämlich auch Zeiten, wo er diese „Namen“ ohne nachzudenken, in den spanischen Satz eingebaut hat.
Es erstaunt mich, wie spielerisch die Kinder mit den zwei Sprachen umgehen. Besonders der Älteste hat einen speziellen Bezug zu Sprachen, ein gewisses Talent bei der Aussprache. Ich merke das sofort, dass ihm Sprachen, das Wort, die Kreativität liegen. Auch beim Englisch-Unterricht hat er kein Problem Wörter auszusprechen. Er ist nicht schüchtern. Er probiert es aus. Er ist musikalisch, was Melodien angeht und kann ohne Probleme eine gehörte Melodie nachsummen. Ich bin so schrecklich neugierig, ob er einmal später auch irgendwas in der Richtung machen wird.
Ich sehe den Unterschied zu seinem jüngeren Bruder. Der ebenso einige Wörter nur auf Deutsch kennt, sie ganz unschuldig benutzt, als wäre es normal. Frage ich ihn nach Wörtern auf Deutsch, wird er schüchtern und sagt, er kann das nicht, obwohl ich genau weiß, dass er die Vokabel kennt. Das ist nicht schlimm. Er ist schüchtern und ist in allen Bereichen seines Lebens darauf bedacht, keine Fehler zu machen. Weniger Draufgänger. Dafür super selbstsicher, was er will und wie er es will. Geduldig ist dieses Kind! – das es mich stolz macht und ich auch manchmal gerne so wäre. Aber gut, das ist ja nicht Thema hier. Ich wollte schlichtweg betonen, wie unterschiedlich die Kinder mit ihrer Zweisprachigkeit umgehen.
So bleibe ich also am Ball. Unser Grundschüler kann bereits lesen und schnappt sich manchmal eines der zahlreichen deutschen Kinderbücher, die hier herumliegen und liest. Jetzt erkläre ich ihm bereits, dass manchmal Wörter anders ausgesprochen werden, als sie dort stehen. Aber alles spielerisch. Helfen tut es, wenn er das Wort bereits kennt. Aber es ist schön zu sehen, wie er nun einen anderen Zugang zum Deutschen findet. Es selber entdecken darf.
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