Gedanken zu: Faszination Auswanderung

Über verschiedene Kanäle erreichen mich Anfragen über meine Auswanderung oder mein Leben in Mexiko. Meistens mit der Intention, zu erfahren, wie es ist, als Deutsche im Ausland zu leben. Wie ich mich fühle mit meiner Auswanderung. Ob ich meine Auswanderung bereue? Was ich vermisse und sogar, ob ich viel zu kämpfen hatte – im neuen Land oder mit der Meinung von Menschen aus der alten Heimat.

Heute möchte ich einmal ganz allgemein darauf antworten. Bereits im vergangenen Jahr hatte ich Gedanken zu meiner Auswanderung notiert. Das kannst du gerne auch nochmal nachlesen. Jetzt gehe ich ganz generell auf das Thema Auswandern ein. Es bleiben meine persönlichen Ansichten, die jeder bitte auch so bewertet. Es ist verständlich, dass jede Person auf diesem Planeten (oder darüber hinaus) eine eigene Ansicht zu diesem Thema hat und das ist auch völlig legitim. Wir alle leben andere Leben, haben andere Erfahrung und bilden aufgrund derer andere Ansichten. Das macht unsere Welt so vielfältig.

Die Faszination Auswanderung entspringt vielleicht in erster Linie von dem Wunsch nach Abwechslung und Abenteuer. Zu entdecken und bessere Weidegründe zu finden, liegt wohl in unserer Natur. Seit tausenden von Jahren war es schon so, dass Völker oder Gruppen davon sich von ihrem Ursprung abkapselten und eine neue Heimat suchten. Manchmal waren sie dazu gezwungen, um zu überleben. Manchmal, aus Neugierde und manchmal vielleicht, um Streitereien aus dem Weg zu gehen.

Diese Gründe können wir im Großen und Ganzen auch auf heutige moderne Auswanderer übertragen. Viele folgen einem Traum, manchen wird es von der Arbeit oder dem Lebenspartner angetragen. Sie ergreifen eine Chance, die sich ihnen bietet. Und wieder andere sind auf der Suche nach Glück; in der Hoffnung, woanders ein für sie besseres Leben zu führen. Dies sind alles legitime Gründe. Meine Auswanderung entstand durch eine Chance. Mein Partner hat eine andere Nationalität und wollte zurück in seine Heimat – und damit ergab sich meine Auswanderung. Ohne meinen Mann wäre ich höchstwahrscheinlich niemals darauf gekommen, derart endlich und für immer auszuwandern. Vielleicht hätte ich mal im Ausland gelebt. Aber ich hatte diesen Gedanken nie im Kopf, für immer aus Deutschland wegzugehen. Daher war für mich diese Auswanderung eher wie ein Umzug. Die Aufregung fehlte etwas. Ich ging das ganze sehr sachlich an. Es war logisch. Sicherlich gab es zwischendurch und gerade am Anfang hier in Mexiko diese Faszination, das Abenteuer und die Emotion – auch jetzt noch schüttele ich manchmal den Kopf und kann es kaum glauben, dass ich meine Sachen gepackt und nach Mexiko gegangen bin. Doch dadurch, dass es kein Lebenstraum war und ich auch keine Glückssucherin gewesen bin, folgte meine Auswanderung systematisch. Sie war am Ende, wie bereits gesagt, eher wie ein großer Umzug. Groß im Sinne der Distanz, nicht wegen der Sachen, die ich bewegen musste.

„Die Faszination Auswanderung hängt davon ab, wie sehr man seinen Lebensstil verändert.

Ist diese Faszination um die Auswanderung berechtigt? Ja und nein. Heute bin ich der Auffassung, dass im Jahre 2020 alle Menschen unter 50 Jahren mal im Ausland leben sollten. Sei es nur für drei Monate. Es bereichert ungemein und lässt einen sein Weltbild gerade rücken. Vor allem den Europäern und genauer gesagt den Wohlstandsdeutschen täte es gut, mal was anderes zu erleben, nur um zu wissen, wie gut sie es aktuell haben, wo sie leben. Es würde mehr Glück unter den Menschen verteilen. Denn glückliche Menschen kritisieren nicht. Und das Gejammere hätte schneller ein Ende, wenn man einmal sieht, wie andere Leute leben. Ich verfalle auch öfter in diesen Beschwer-Modus und werde gerne und schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und darf dann in die Dankbarkeit für mein Leben gehen. Damit ist es genug. Auswandern kann ich also, nach den vergangenen sieben Jahren und den damit einhergehenden Erfahrungen, nur empfehlen.

Disclaimer! Allerdings möchte ich auch hinzufügen, dass Auswandern an sich, sicherlich etwas Aufregendes an sich haben kann, und zwar proportional zu dem Lebensstil, den man führt. Wer vom hochmodernen Loft in den brasilianischen Urwald zieht hat selbstverständlich einen enormen Wechsel vollzogen und nun das Abenteuer seines Lebens. Ich hingegen führe genau das gleiche Leben, was ich in Deutschland führen würde. Meine Adresse ist schlichtweg eine andere. Ich lebe in einer Stadt, die ungefähr die gleiche Einwohnerzahl hat, wie die 3 anderen Städte in denen ich in Deutschland lebte. Ich fahre mit dem Auto auf der rechten Straßenseite. Ich gehe einkaufen und meist kaufe ich ähnliche Dinge, wie in Deutschland. Wir haben ein Haus, was so durchschnittlich ist, wie ein Haus, was wir jetzt vielleicht auch in Deutschland hätten. Mein Beruf ist vielleicht ein anderer, weil eher Richtung Selbstständigkeit, aber über kurz über lang, hätte ich mich wahrscheinlich auch dafür entschieden. Ich bin hauptsächlich Hausfrau, bei Kindern im Alter von 1 bis 6 Jahren kein Wunder – wäre sicherlich auch in Deutschland so. Mein Mann ist Verfahrenstechniker, da wäre das finanziell schon in Ordnung…. ich weiß nicht, ob ich meinen Punkt klar machen kann, aber die Faszination Auswanderung hängt unglaublich von der eigenen Wahl ab, wie man leben möchte. Einige sagen mir, wie mutig ich doch bin. Ich kann nichts Mutiges daran finden, weil ich nicht in den Urwald oder den Himalaya gezogen bin. Mein Leben unterscheidet sich minimal von einem Leben in Deutschland. Gerade jetzt durch die Pandemie wird mir das enorm bewusst. Denn ein Haus, ist ein Haus, ist ein Haus. Sogar das Klima ist hier ähnlich wie in meiner Heimat! *lach* Außer, dass wir keinen Schnee haben. Aber es ist im Winter kalt und Frühjahr (bis Juli) warm. Dann beginnt die Regenzeit alias Herbst. Wenn sie denn beginnt. Gibt auch Jahre, da passiert nichts. Worauf ich hinaus will: Es ist einfach zu sagen, „Boah in Mexiko zu leben, dass ist echt toll und mutig.“- aber es kommt wirklich darauf an, wie sehr das Leben sich am Ende wirklich ändert.

Auswandern ist nicht gleich Auswandern. Jeder kann den Grad der Veränderung selber wählen. Umso mehr ein Grund, es mal zu versuchen, mit dem Leben im Ausland. Viel Mut, muss man da wirklich nicht haben! Die Faszination Auswanderung ist am Ende das, was du draus machst.


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