Fünf Wochen Hausarrest – Teil 1

Immer wieder arbeite ich weiter an diesem Artikel und muss den Titel ändern. Bei fünf Leuten im Haus wird man oft unterbrochen. Seit nun mehr fünf Wochen sind wir zuhause. Hausarrest. Corona-Quarantäne. April 2020 erleben wir alle nun ganz anders als geplant, ganz anders als wir es uns jemals hätten vorstellen können. Wer denkt schon an eine Pandemie? Wer denkt schon daran, dass ein Hollywood-Katastrophen-Szenario wahr wird? Gut, für Hollywood-Verhältnisse geht es dann doch recht sanft vonstatten. Trotz der vielen Toten.

In Mexiko wurde diese Woche Phase 3 ausgerufen. Das bedeutet, dass der Virus nun in unserer Gesellschaft ist, sich unkontrolliert fortbewegt. Seit Wochen werden wir darum gebeten zuhause zu bleiben. Um die Kinder zu schützen, um die Eltern zu schützen. Um die ganze Gesellschaft zu schützen. Sehr wohl weiß die Regierung, dass das Gesundheitssystem eine Eskalation der Ereignisse, eine Erkrankung von unzähligen Menschen, nicht tragen könnte. Mexiko ist nun einmal ein Schwellenland. Es hat noch immer nicht die Ausrüstung und die Kapazitäten eine solche Pandemie zu kontrollieren. Nicht die USA als Supermacht konnte es (das hat aber auch mehrere Fehl-Entscheidungen seitens der Regierung als Grund), nicht Frankreich, England und nicht mal Deutschland, obwohl es in meinem Heimatland noch ganz gut verläuft.

Hier in Zacatecas ist jeder Tag ein Sonntag. Es ist ruhig da draußen. Auf den Straßen fahren wenig Autos. Auch wenn mein Mann und ich seit 2 Wochen einen erhöhten Verkehrspegel bemerkt haben, als noch in den ersten Wochen. Die Menschen werden ungeduldig. Wollen ihren Alltag wieder. Wenn nicht arbeiten, so dann doch in die Parks, oder einkaufen, ins Kino oder shoppen. Das gesparte Geld ausgeben. Auch rückt die Ferien und Urlaubssaison immer näher. Die Mexikaner wollen reisen.

Doch wir sind gerade mal am Punkt angekommen, wo es jetzt richtig losgeht. Aktuell sind es 4200 Infizierte in ganz Mexiko – Seit Anfang März kommen wir auf insgesamt über 11 000 Erkrankten mit Covid-19. Tote und Genesene mit eingerechnet. In Zacatecas sind wir noch nicht über 50 Infizierte. Da zeigt sich nun die Provinz. Wir sind ein Staat der Landwirtschaft. Dörfer, sehr kleine Städte. Da ist die Ansteckungsgefahr niedrig. Die Flüge nach Zacatecas wurden komplett gestrichen. Niemand kann aus der Ferne anreisen. Mit dem Bus, ja. Wir sind trotzdem abgekapselt. Zacatecas ist nur für die Touristen interessant. Doch momentan reist niemand. Universitäten, Schulen und Regierung sind die Hauptarbeitgeber in Zacatecas. Ein paar Automobil-Zulieferer. Die sind in Kurzarbeit gegangen. Der Rest ist geschlossen. Daher auch der wenige Verkehr auf den Straßen. Die Menschen bleiben zuhause, wo sollen sie auch hin. Feiern ab 50 Personen sind untersagt. Die jungen Leute zwischen 18 und 25 an einem Ort festzuhalten ist schwierig. Es zeigte sich in den vergangenen 7 Tagen, dass gerade diese Altersgruppe eine Gefahr sein könnte – in Jerez – 45 Minuten von hier in den Süden, gab es mehr als 30 Infizierte in wenigen Tagen. Die Nachbarin eines Neffens meiner Haushaltshilfe ( ;-) ) ist Krankenschwester und hat miterlebt, wie ein Zwanzigjähriger schwer erkrankt in der Notaufnahme landete – er war in Jerez – trotz Hausarrests.. Jerez wiederum, gerade für die Osterwoche ist bekannt für seine Feiern. Außerdem lebt ein überdurchschnittlich großer Anteil in den USA – und diese Verwandten kommen um Ostern zu Besuch… es wird also weitere Infizierte geben, in den nächsten Wochen. Der Lockdown – die Quarantäne soll in weiten Teilen des Landes bis Ende Mai andauern. Meine Deutschlandreise habe ich vorerst abgesagt. Wir bewegen uns in sehr kurzen engen Kreisen rund ums Haus. Davon dann mehr in Seit fünf Wochen Hausarrest – Teil 2


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