Hallo zurück in meinem Leben in Mexiko! Wer es nicht wusste, konnte es erahnen; wer es nicht erahnen konnte, dem sage ich es jetzt: Unser dritter Sohn ist vor einer Woche geboren worden – von mir, was soll der Passiv an dieser Stelle!? Die Woche davor und danach sind irgendwie etwas träge verschwommen, weil sich alles auf meinen Bauch und nun natürlich auf meinen Körper, aber in erster Linie auf das Baby konzentriert (hat).
Ich würde jetzt wohl auch Sätze schreiben, wie „Der kleine Mann stellt unser Leben erstmal auf den Kopf“ oder einen Titel für diesen Blog, den ich erdacht hatte, war „Die Nacht wird zum Tag“ oder ähnliche typische Sätze, wenn ein Kind geboren wird. Aber nichts dergleichen. Außer, dass ich an Flüssigkeitsmangel leide und nachts einmal mehr alle zwei bis drei Stunden geweckt werde und mich, einmal mehr, um Koliken sorgen muss, kann ich eigentlich keine Veränderung feststellen.
Klar, die erste Woche war mein Mann mehr zuhause bzw. hat sich um unsere „großen“ Söhne gekümmert. Ich bin zudem gestresster beim Einkaufen (meine Mutter ist hier und wacht über ihren 3. männlichen Enkel), um möglichst schnell wieder nach Hause zu kommen. Ich antworte super verzögert auf irgendwelche Social Media Nachrichten. Und klar, es gibt gerade keinen Kaffee und besser erstmal auch keine Kuhmilch mehr, weil ich das Baby stille, und um die besagten Koliken so weit wie nur irgendwie möglich zu reduzieren.
Aber das sind für mich keine lebenseinschneidende Veränderungen. Auch die großen Brüder geben mir keinen Grund, zu sagen, dass alles chaotischer oder schlichtweg anders ist. Beide finden das Baby toll. Es gibt keine Eifersuchtsszenen. Es gibt keine bösen Worte. Es gibt aber auch keine übermäßige Aufmerksamkeit auf das Baby. Ihr kleiner Bruder wird begrüßt, geknutscht und angefasst – mehr nicht. Dafür ist er noch zu uninteressant. Heute morgen kam die Beschwerde von Tanok, dass das Baby doch bitte aufstehen und Krabbeln soll. Gut. Das ist jetzt nicht so möglich und wohl auch verständlich, dass er sich seinen Bruder vielleicht anders vorgestellt hat.
Wir sind also im Annäherungs- und Gewöhnungsprozess. Alles geht ruhig und gelassen vor sich. Klar, ist das dritte Kind anders. Er hat einen anderen Charakter und hat uns in seiner ersten Woche auch schon Rätsel aufgegeben oder überrascht. Das ist das Schöne, dass es schon anders als bei den anderen ist. Wir sind nicht professionell oder routiniert, nur weil wir schon zwei Kinder haben und mehr als einmal in diesen Tagen habe ich mich gefragt, „Watte mal, wie war das nochmal!?“. Doch am allerwichtigsten ist, dass wir den kleinen Mann sofort in unser Herz geschlossen haben. Er ist zum Knutschen und man möchte ihn die ganze Zeit beobachten. Er hat einen wundervollen Charakter, dass kann man jetzt bereits merken. Vielleicht auch dank seines Namens: Iyari Leobardo. Iyari ist aus der Sprache der Huichol, der Einheimischen in unserer Region. Der Name bedeutet Herz, Seele, wahre Essenz. Und so ist es auch. Unser Sohn ist eine wahre Seele und so weise mit seinen wunderbaren großen, braunen Augen.
Die Geburt, was viele sich fragen, wie ist das so gewesen, wie ist das so in Mexiko. Ich hatte mich erneut für das Versicherungskrankenhaus entschieden, da kannte ich nun schon alles und wusste auch wie es ungefähr abläuft, welches Zimmer ich danach für wenigstens eine Nacht bewohne, wo die Toiletten sind, etc. Selbst einige Krankenschwestern kannte ich, auch die Nachtschwestern und einen Großteil der Gynäkologen. Wird schon.
Die vergangenen drei Wochen vor der Geburt hatte ich immer mal wieder Wehen, Anzeichen von „Jetzt geht es los.“ und dann doch nicht. Die letzte Woche war der Muttermund sogar schon geöffnet, aber nichts passierte. Daher war ich am Tag der Geburt mit doch recht regelmäßigen Wehen unsicher, wann ins Krankenhaus, weil es mir soweit gut ging, wusste aber intuitiv, „jetzt geht es wirklich los.“ Diese Meinung habe ich sogar im Krankenhaus, schon da liegend, im Kittel wieder revidiert, aber was soll’s. Ich war glatt der Meinung, dass ich ewig dort liegen würde und das das doch alles nichts bringt. Die Wehen wurden nicht heftiger, stoppten sogar im Liegen. Der Arzt konnte mich dann doch zum Bleiben überzeugen. Das war um 13 Uhr. Um 16.36 Uhr war unser Sohn geboren. Es ging dann doch recht zügig. Schmerzhaft, aber zügig.
Unspektakulär ist vielleicht das richtige Wort, was die letzten Wochen so war. Langsam, keine Eile. Geburt war schnell ja, aber ohne Platzen der Fruchtblase beim Einkaufen oder irgendwie so was Storytelling-würdiges. Ich finde es gut, es passt zum Herbst, es passt zum Baby und zu seinem Charakter, nichts Aufgeregtes, nur Familienleben, jetzt zu fünft.
Zum Thema Geburt oder Krankenhaus verweise ich auf ältere Blogbeiträge:
Nachtrag Geburt und
Ärzte und Gesundheitssystem
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