Herzlich Willkommen zurück! Lange habe ich mich nicht mehr gemeldet – zumindest fühlt es sich so an. Das liegt auch daran, dass ich derzeit sehr abgelenkt bin und irgendwie nicht sehr kreativ. Starke Unlust. Aus diesem Grunde dachte ich, dass ich ganz generell mal etwas über unser Familienleben, aktueller Stand, schreiben könnte. Auch für neue Leser, die diesem Blog erst seit Kurzem folgen, ist es sicherlich interessant, was hier so los ist. Also schon mal Disclaimer: Es wird etwas langatmiger – erst geht es um Baby, dann um die Kinder, dann ums Haus. Nur schon mal als Warnung.
Das babythema
Es ist also September 2019 und die gesamte Familie und Freunde ist in stiller und aufgeregter Erwartung, wann denn nun endlich Baby Nummer 3 auf die Welt kommt. Ich bin in der 38. Woche oder auch 40. Schwangerschaftswoche. Das kann man nicht so genau sagen. Es gibt natürlich einen berechneten Termin, aber es gibt auch einen Termin nach den Maßen des Babys. Natürlich weicht der kleine Mann – ja, es wird ein Junge – so wie seine beiden Brüder – ja, wir haben bereits zwei Söhne – von den Statistiken und Durchschnittsgewichten der mexikanischen Bevölkerung ab. Ich habe die europäischen Gene, mein Mann ist von Natur aus groß geraten – mit 1.89 m kein kleiner Mexikaner. Daher ist es logisch, dass unsere Kinder etwas größer sind. Allerdings für mich völlig im Rahmen. Tanok war 3440 g schwer und 52 Zentimeter groß. Nahuel mit 3600 g und 51 cm fast ähnlich und für mich völlig normal. Das unser dritter Sohn bestimmt schwerer ist, schließe ich nicht aus. Generell ist das wohl so üblich, aber ich bezweifle, dass er über vier Kilogramm wiegen wird. So viel dazu. Wir erwarten ihn also jeden Augenblick. Auch während ich hier sitze, auch aus dem folgenden Grund: die beiden anderen Kinder sind jeweils 5 und 9 Tage zu früh auf die Welt gekommen. Die Spannung ist hier also unermesslich. Nur Wetten haben wir noch keine abgeschlossen.
besuch und deutsche sprache
Aus diesem Baby-Grund wird morgen früh, sofern ihre Reise reibungslos verläuft, meine Mutter hier eintreffen und mich das erste Mal in unser beider Leben mit einem Neugeborenen begleiten. Bei Tanok haben wir uns erst gesehen, als er schon 7 Monate alt war – unser erster Deutschland-Urlaub als Familie. Bei Nahuel ist sie 2016 das erste Mal nach Mexiko gekommen, da war Nahuel aber auch schon fünf Monate alt und wir gerade in unser Haus gezogen. Auch diese Umstände, dass wir uns hier gemeinsam organisieren und mit drei Kindern „fertig werden müssen“, wird doch eine sehr spannende Situation und wahre Herausforderung.
Für Tanok und Nahuel werden die kommenden fünf Wochen wieder einmal wie ein kleiner Sprachurlaub werden. Meine Mutter spricht kein Spanisch und sie müssen sich anpassen. Ich habe mich bemüht in den letzten Monaten viel mehr Deutsch mit ihnen zu sprechen. Aber oftmals entwischt es mir schlicht weg oder ich denke auch nicht darüber nach. Weiterhin lautet mein Vorsatz, die Dinge sehr bald viel ernster zu nehmen und den beiden einmal in der Woche Deutschunterricht zu geben. Das würde dann in meiner Vorstellung so aussehen: eine halbe Stunde oder bis ihre Konzentration nachlässt, wirklich mal an den Tisch setzen und Farben üben, Tiernamen, Körperteile. Dies zusammen mit Bilder ausmalen oder einem Memory-Spiel oder irgendwie so was didaktisches. Es gibt genügend Anreize im Internet. Ich habe schöne Seiten gefunden, die immer wieder Ideen liefern.
Tanok wird dieses Jahr 5 Jahre alt und kommt sogar im nächsten Jahr, August 2020, in die Schule. Das bedeutet, dass er dann auch Schreiben könnte, was er jetzt nur hört. Also sehe ich meine Verantwortung, was die zweisprachige Erziehung meiner Kinder angeht, momentan enorm wachsen. Am Anfang ist das immer noch alles niedlich, wenn sie deutsche Wort wiederholen. Aber mittlerweile fordert sogar Tanok viele Wörter ein! „Cómo se llama eso en alemán?“ – Wie heißt das auf Deutsch! Das sollte für mich doch genug Signal sein, mal ein bisschen auf das Gaspedal zu drücken.
Auch Nahuel zieht voll und ganz mit. Der kleine Mann haut es manchmal einfach raus und spricht einen kompletten deutschen Satz. Mit offenen Mündern lässt er uns damit verwundert stehen. Hier ist also auch der richtige Zeitpunkt mit seinen dreieinhalb Jahren mit dem Deutschlernen zu beginnen. Bisher hat er sich nicht ganz so gut im Nachsprechen und Zuhören gezeigt. Tanok hat ein unglaubliches Gehör und ist auch musikalisch. Das hilft ihm wohl mit der Aussprache und dem Sprachklang. Nahuel hat auch im Spanischen noch einige Sprachschwierigkeiten – altersbedingt. Beim ‚R‘ zum Beispiel, so dass es für ihn manchmal im deutschen auch nicht leicht ist. Er ist auch recht schüchtern, was das Aussprechen neuer Wörter angeht. Aber wir sind auf einem guten Weg.
Bauarbeiten
Unsere vier Monate andauernden Bauarbeiten am Haus und vorwiegend auf dem Dach haben seit über einer Woche zu ihrem Ende gefunden. Das war definitiv die größte Aktion, die man sich so vorstellen kann. In dieser Größenordnung wird es definitiv keine weitere Baustelle mehr bei uns geben und schon gar nicht über so einen langen Zeitraum. Vier Monate von Montag bis Samstag keine Privatsphäre zwischen 8 und 16 Uhr. Das war schon hart. Vor allem ich in der Schwangerschaft – immer müde und so. Ich wollte hier auch nicht schluderig rumlaufen, also war ein gewisses „Contenance bewahren“ an der Tagesordnung.

Mir fällt auf, dass ich noch kein Bild vom wirklichen Endprodukt gemacht habe. 
Wie man unschwer erkennen kann, ist es hier noch nicht fertig! Aber der Unterschied wird trotzdem deutlich.
Wir sind ganz zufrieden mit der Arbeit. Ich so halbwegs. Aber die Veränderung ist enorm. Die Tropfstellen am Dach sind verschwunden und es macht wahre Freude aus den Schlafzimmer-Fenstern zu gucken. Die Waschmaschine hat endlich nach mexikanischer Manier ihren Weg nach oben aufs Dach gefunden und ich muss mich nun daran gewöhnen, auch die Sonne als Trockner zu benutzen. Bisher habe ich in einem Hof oder eben im Haus die Wäsche getrocknet. Dass ich die Wäsche nun draußen aufhängen kann, gibt einem ganz neue Möglichkeiten. Sonne bleicht. Auf 2400 m Höhe hat sie eine enorme Kraft. Das ist für weiße Wäsche toll. Für schwarze Wäsche nicht so toll. Also, eine weitere Herausforderung und Experimente, was besser für mich und die Wäsche funktioniert.
Aussicht
So sieht es hier also momentan aus. Meine Ziele in diesem Jahr bestehen theoretisch aus „Organisation mit drei Kindern“ und „Blog & Buch.“ Die Schwangerschaft war nicht die schönste, da beschwerlich in ihren Symptomen und durch den Tod meines Schwiegervaters ist für uns als Familie das Landleben jedes Wochenende normal geworden. Meine Schwiegermutter hält sich tapfer. Doch sind wir wohl alle froh, wenn dieses Jahr erstmal vorbei ist. Die schwierigen Daten kommen noch: día de los muertos – Tag der Toten und Weihnachten. Danach, hoffe ich, wird es etwas leichter. Wenn wir dann noch eine gute Ernte dieses Jahr haben – dann können mein Mann, meine Schwiegermutter und mein Schwager hoffentlich zuversichtlicher in das neue Jahr starten.
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