Traditionen erhalten

Im Ausland wird der persönliche Bezug zum Heimatland oftmals erst so richtig deutlich. In welcher Intensität, dass hängt von dem Menschen selber ab. Manche definieren ihren Bezug lediglich über ihren deutschen Reisepass und ihre Geburtsurkunde, andere merken erst im Ausland, was sie wirklich an Deutschland haben und wie sehr sie doch an großen und kleinen Dingen, Orten, Menschen und Traditionen hängen.

Das ging und geht mir nicht anders. Es gibt Sachen, die ich vermisse und anderes wiederum nicht. Meist spiegelt es sich in dem wieder, was ich in Deutschland schon als schön empfand. Durch meine Kinder ist nun noch einmal ein ganz anderer Blickwinkel auf Traditionen und Kultur aufgekommen.

Schulanfang

Hintergrund: Gestern war offizieller Schulanfang in Mexiko. 25 Millionen Schüler haben im ganzen Land wieder angefangen, die „Schulbank zu drücken“. Dazu gehören auch Vorschul- und Krippenkinder. Viele Institutionen halten sich an die nationalen Schulferien. Ich hatte bereits erwähnt, dass die KiTa, welche meine Kinder besuchen, nicht so lange Ferien machen kann, weil sie für Mitarbeiter des Staates ist. Ergo auch Krankenschwestern und Ärzte und Ministeriumsangestellte, die nun einmal keine Schulferien haben und schon gar nicht so lange Urlaub nehmen können. Somit hatten wir schon am 12. August Ferienende. Gestern jedoch kam dann der richtige Gruppenraumwechsel! Also fühlte es sich doch an, wie ein Neuanfang. Und da unser bisher Jüngster nun in den Kindergarten aka Vorschule gekommen ist, habe ich beiden (um Streit und Ungerechtigkeitsgefühle zu vermeiden), eine Schultüte/Zuckertüte gebastelt.

Tradition selbst basteln

Das war jetzt eine lange Einleitung, aber ich wollte zu der Schultüte kommen. Mir ist bewusst, dass die wahre Tradition nur für die Einschulung in die Grundschule gilt, aber ich finde für den Kindergarten darf man da ein Auge zu drücken. Ist schließlich auch eine wichtige Etappe. Und hier in Mexiko ist in dem Wort „preescolar“ = Vorschule ja immerhin das Wort Schule versteckt. Die Schultüte habe ich also selber gebastelt und mit einem Spielzeug und ein paar Gummi-Drops versehen. Die Tradition gibt es hier natürlich nicht, wodurch ein Mädchen die Schultüte als piñata bezeichnete und ich generell neugierige Blicke erntete und mich auch dreimal erklären musste, als ich die Kinder abholte. Ja! Beim Abholen habe ich sie ihnen mitgebracht. Morgens muss alles immer ganz schnell gehen und da hätten wir keine Ruhe und Zeit gehabt und außerdem hätte ich die Schultüte ja wieder mitnehmen müssen. Man muss also die Traditionen auch etwas anpassen.

Verpflichtet die Herkunft?

Ich hatte bereits auf Instragram ein bisschen rumgefragt, ob andere auch die Tradition der Schultüte im Ausland aufgenommen haben und ein paar Antworten erhalten, was mich eben zu diesem Beitrag verleitet hat. Ich bin keine super-duper kreative Mutter, die dauernd backt und bastelt und ein wunderschönes Event aus Kindergeburtstagen macht. Aber so ein paar Dinge, versuche ich ehrlich gesagt mehr aus kultureller Sicht, meinen Kindern zu vermitteln. Ich fühle mich nahezu verpflichtet, mich darum zu kümmern, dass meine Kinder neben der Sprache auch andere klassisch deutsche Traditionen leben. Wie sehen das andere Auswanderer und Expats? Ich könnte mir vorstellen, dass zwischen diesen beiden Gruppen noch einmal ein Unterschied herrscht. Während die einen nur eine Zeit im Ausland sind, hängen sie und eben auch die Kinder wohl möglich sehr an deutschen Traditionen. Menschen, die Deutschland für immer den Rücken gekehrt haben, vielleicht weniger. Das ist meine Theorie, es kann natürlich genau anders herum sein. Egal, wie es ist, es ist ein spannendes Thema, Traditionen leben, Traditionen kombinieren – aus der Heimat und dem neuen Land! Es gibt so viele Möglichkeiten.

Ganz Konkret

Welche Traditionen versuche ich meinen mexikanischen Kindern weiterzugeben?

  • die Schultüte für Kindergarten-Start, für die Einschulung, vielleicht auch noch eine für die weiterführende Schule – das sehen wir dann in 7 Jahren…
  • Kekse backen zur Weihnachtszeit – wobei ich noch gestern im Zuge dieser ganzen Denkerei dachte, wieso eigentlich nur zur Weihnachtszeit!? Vielleicht gehe ich das mal diese Woche an, ein paar Kekse backen.
  • (Toast)-Brot mit Belag. Sandwich, kann man auch sagen, aber dann klingt es nicht Deutsch. wir haben einen Freund, der jetzt Brot backen kann und es schmeckt wirklich wie Bauernbrot. Ich werde das nachmachen. Bisher hat mir immer die Hefe gefehlt. Die muss man quasi selber machen. Ist also geplant, auch um den Kindern diese Geschmäcker näher zubringen. – Ach so, ESSEN gehört für mich zu einer Tradition… zumindest zur Kultur.
  • Adventskalender – auch das hatte ich bereits erwähnt. Ich habe es bisher zweimal oder dreimal geschafft, einen Adventskalender zu haben. Die Kinder fanden es gut! Natürlich selbst gebastelt.
  • Zum Nikolaus, die Stiefel hinstellen – vergangenes Jahr erfüllt!
  • Ostereier bemalen – zweimal vorgenommen, zweimal nicht erfüllt. Dieses Jahr, wegen des Todes des mexikanischen Großvaters, hatte ich schlichtweg keinen Sinn dafür. Auf ein Neues im nächsten Jahr!

Das war es vorerst. Mir fällt noch Laternenumzug ein – wäre eine Idee, natürlich die Laternen selber basteln. Außerdem Kastanienmännchen basteln, aber das ist keine richtige Tradition und es gibt hier auch keine Kastanien. Mehr fällt mir spontan nicht ein. Vielleicht hat einer meiner Leser noch Ideen und Anregungen. Ihr könnt euch auch gerne auf Facebook äußern (Link findet ihr unten) oder auf Instagram, @norainmexico


Gruppendiskussion auf Facebook: https://www.facebook.com/groups/1140693512795918/


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3 Comments

  1. An der internationalen Schule, die meine Kinder in Polen zwei Jahre besuchten, waren die Schultüten zur Einschulung ein großer Erfolg und einer der deutschen Beiträge zum Schulleben. Dank der amerikanischen Familien gab es ein riesiges Halloween-Event. Und eine Ostereiersuche an Ostern, die war aber sehr international verwurzelt.
    Was mir in Polen sehr fehlte, war die Adventszeit. Die habe ich für mich als sehr deutsch bemerkt. Dort war es mehr so „Zack, 23.12., jetzt ist Weihnachten!“ Weihnachten wurde dann sehr aufwändig begangen, aber dieser Monat davor, mit Adventskranz und Adventskalender, dass man sich hier und da trifft zu Weihnachtsfeiern (was hier in Deutschland dann manchmal wieder so ausufert, dass kein Adventswochenende übrig ist), sich Zeit zu nehmen um mit den Kindern Plätzchen zu backen, das fand da so nicht statt. Ich fühlte mich wie ein Alien, dass ich dafür bewusst Zeit einplante…

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  2. Hallo Nora,

    Sprichst du eigentlich auch deutsch mit deinen Kindern?

    Traditionen die ich hier weiterführe, sind:
    – In der Weihnachtsbäckerei hören in der Adventszeit ^^
    – Aktivitäten am heiligen Abend samt Kartoffelsalat und Lagerfeuer
    – Hefezopf backen zu Ostern

    Für mich macht es Sinn, die Traditionen genau anzusehen und eventuell etwas eigenes draus zu machen.

    Viele Grüße aus Kanada,
    Luisa

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    1. Hallo Luisa! Das klingt wunderbar! Deutsche Weihnachtskinderlieder – die CD kam hier im vergangenen Jahr auch zum Einsatz, in der Hoffnung das etwas hängen bleibt. Wir versuchen zuhause so viel wie möglich Deutsch zu sprechen – mein Mann spricht auch Deutsch. Allerdings muss ich mich auch immer wieder ermahnen. Ich habe jedoch in den letzten Monaten vermehrt darauf geachtet, Deutsch zu sprechen, egal wo ich bin. Auch wegen des Babys im Bauch und manchmal fiel es mir durch Schwangeren-Demenz etc. einfach einfacher. :)

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