Willkommen zurück bei meiner kleinen Miniserie über gewöhnungsbedürftige Dinge oder Situationen, die ich hier in Mexiko erlebe. Heute dreht es sich um das Thema Medikamente. Ich habe niemals zuvor in meinem Leben so viele Medikamente zu mir genommen geschweige denn mir so viele Gedanken darüber gemacht, was Medikamente, Medikation und Ärztebesuche angeht.
Ich habe bereits öfter darüber geschrieben. Wir haben hier in Mexiko ein staatliches Versicherungssystem für staatliche Mitarbeiter und deren Familien. Außerdem gibt es eine öffentliche Versicherung, die recht günstig ist und an die ebenfalls ein Ärztesystem mit Krankenhäusern angeschlossen ist. Jeder Mensch kann in diese Versicherung eintreten, wenn er den jährlichen Beitrag bezahlt. Und darüber hinaus gibt es noch die privaten Kliniken und Ärztepraxen, bei denen man direkt entlohnt und einmalig, ohne Versicherung. Da kann auch jeder hin, solange er bezahlt. Ein Arztbesuch bei einem Spezialisten so wie Zahnarzt, Frauenarzt, Kinderarzt, etc. kostet zwischen 500 und 800 Pesos. Das sind 25 bis 40 Euro. Eine Geburt kostet da zirka 1500 Euro, eine Knie-Operation ab 7500 Euro aufwärts und so weiter. Das als Überblick.
Haufen an Medikamenten
Nun zu den Medikamenten. In den Versicherungs-Krankenhäusern bekommt man die Medikamente praktisch gratis. Es gibt dort Apotheken. Der Doktor schreibt sein Rezept. Man geht zu der Apotheke und bekommt dort seine Medikamente. Manchmal gibt es das Medikament nicht. Dann muss man eine Woche warten und nochmal hingehen und schauen, ob es mitgeliefert wurde. Oder selbstverständlich hat man die Freiheit es auch in einer normalen Apotheke, außerhalb des Krankenhauses zu kaufen, auf eigene Rechnung. Viele können sich das aber nicht leisten.
Was ich nun oft erlebt habe, ist Medikamenten-Missbrauch. Ungelogen habe ich ältere Menschen aus dem Krankenhaus gehen sehen, mit einer mittelgroßen Tüte voller Medikamente. Auch wir haben oft bei einer Grippe, Paracetamol und Hustensaft stets in doppelter Ausführung bekommen. Oft habe ich dann einiges zurückgewiesen, weil wir es schlichtweg zuhause noch haben. Warum alles mitnehmen, was man kriegen kann, wenn ich es doch noch besitze!? Nur weil es „gratis“ ist!?
Plötzlich dauerkrank
Das Klima in Zacatecas ist gewöhnungsbedürftig. Wüste eben: Morgens kalt, Mittags schrecklich trocken heiß. Ein Fest für die Bakterien. Ich war hier so oft krank. In Deutschland gehörte ich zu den Menschen, die ein vielleicht zweimal im Jahr eine Grippe hatten. Da bin ich in die Apotheke und habe mir meine Medikamente direkt geholt. Zum Arzt bin ich erst, als ich angefangen habe zu arbeiten und das Rezept des Arztes brauchte, um entschuldigt fehlen zu können. Da war ich schon genervt. Ich gehe schlichtweg nicht gerne zum Arzt. Auch nicht zum Zahnarzt, weil ich einfach nichts habe! Mein Glück, natürlich. Ich habe es pragmatisch gesehen – meinen Krankenkassenbeitrag zahle ich solidarisch für diejenigen, die ihn wirklich brauchen.
Hier in Mexiko sah es plötzlich anders aus. Alle 6 Wochen erkältet. Zudem war ich über die Hälfte der Zeit, meiner Zeit hier in Mexiko, stets schwanger. Da ist man empfindlicher. Dann kamen noch die Lebensmittel-„Vergiftungen“ hinzu. Magen-Darm, weil man etwas falsches oder schlechtes gegessen hat. Zudem sind Kinder dauernd krank, gerade in ihren ersten 2 Jahren, wo ihr Immunsystem noch schwach ist. Ich sage es euch, ich war plötzlich dauerhaft im Krankenhaus, beim Arzt etc. Mein Sprachwortschatz im Spanischen, was Medikamente und Krankheiten und Behandlungen angeht ist richtig gut!
Es wird besser
Seit einem Jahr ist hier jedoch etwas Ruhe eingekehrt. Ich bin zwar wieder schwanger, und ja, ich habe meine Beschwerden, aber es hält sich in Grenzen. Der Winter 2018/2019 war gut für uns. Recht kalt, was aber hinsichtlich der Erkältungen gut war, da wir keine großen Temperaturschwankungen hatten. Die erste Grippe hat uns glaube ich erste im Februar erwischt. Auch jetzt im Sommer ist Ruhe. Ich habe meine riesige Schublade (100x50cm), wo ich die Medikamente und alles zum Thema Gesundheit lagere, ausgemistet. Vieles entsorgt, weil es abgelaufen war. Ich hoffe also, dass wir nach dieser Schwangerschaft und in der Hoffnung, dass auch Baby Nummer 3, keine großen Krankheiten erwischt, langsam aus diesem Kranksein-Modus und damit aus den Krankenhäusern und Ärztepraxen rauskommen und uns in ein für mich normales Pensum im Jahr beschränken dürfen.
Zum Abschluss, Thema Antibiotka. Schrecklich fand ich das. So viel Antibiotika. Bei der kleinsten Grippe. Beim Magen-Darm ist es vielleicht was anderes. Ich habe zuvor einmal in meinem Leben Penicillin genommen, wegen einer Magen-Darm-Infektion. Hier in Mexiko, es ist fast peinlich, wirklich alle zwei Monate. Das Immunsystem ist natürlich noch geschwächter mit Antibiotika, eine weitere Infektion dadurch mehr als wahrscheinlich. Als mein zweiter Sohn als Einjähriger, dann fast ins Krankenhaus sollte und als Baby 1,5 Kilogramm verloren hatte, war Schluss für mich und es gab einen Wendepunkte.
Heute gehen wir zu einem Kinderarzt, der großen Abstand von Antibiotika nimmt. „Kinder sind von Oktober bis April nun mal grippe-anfällig, vor allem, wenn sie in die Kita gehen, kein Grund zu Sorge.“ Basta. Damit hatte er mich. Auch ich pflege mich täglich, um mein Immunsystem zu unterstützen und war lange nicht mehr erkältet. Auch nicht jetzt in meiner Schwangerschaft! Oder ich harre es aus. Dann habe ich halt drei Wochen Schnupfen, aber wenigstens muss ich kein Antibiotika nehmen. Ich möchte es meinem Körper und auch meinen Kindern, einfach so wenig wie möglich antun. Wirklich, wenn es gar nicht mehr geht. Momentan fahren wir ganz gut damit.
Was habt ihr für Erfahrungen im Ausland gemacht? Sind Deutsche weniger zimperlich oder kritischer und autonomer, was die Ärzte-Besuche angeht?
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