Willkommen zurück! Heute geht es weiter mit meiner Mini-Serie über Dinge, an die ich mich erst gewöhnen musste bzw. noch immer ungewöhnlich für mich hier in Mexiko sind. Stichwort: Bürokratie. Kaum ein Deutscher kann es sich vorstellen, aber in der Tat gibt es Länder mit mehr Bürokratie als in Deutschland. Das kommt natürlich auch auf die Perspektive an.
Hier in Zacatecas ist mir aufgefallen, dass in vielen Institutionen alles schriftlich verlangt wird. Selbst die kleinste Anfrage. Ich schiebe es darauf, dass sich die Leute absichern wollen. Durch Korruption und Rechtsmissbrauch entsteht viel Unsicherheit bei den Mitarbeitern und niemand möchte beschuldigt werden. Meine spontanen Beispiele dieser Bürokratie sind in der Kita, dass jedes Fehlen des Kindes, jede Nahrungsunverträglichkeit, jede abweichende Bewegung schriftlich eingereicht werden muss. Momentan muss ich alle drei Monate die Laktoseintoleranz meines Sohnes mittels ärztlichen Attestes nachweisen. Reicht es nicht, einmalig dies zu tun und wenn es sich aufhebt (was bei kleinen Kinder ja durchaus passieren kann), dann gebe ich erneut Bescheid!?
Alles schriftlich in Kopie
Als wir eine Baugenehmigung fürs Haus brauchten, musste mein Mann die gesamte Notarsakte und Grundstücksakte mit 200 Seiten erneut kopieren. Das liegt auch daran, dass noch wenig digital besteht, die Regierungssystemen nicht miteinander verbunden sind. Im Versicherungskrankenhaus schreiben manche Ärzte ihren aktuellen Bericht sogar noch mit Schreibmaschine.
Auf der anderen Seite ist es kein Problem die Sterbeurkunde meines Schwiegervaters, der in Guadalajara verstorben ist, hier in Zacatecas aus dem System zu ziehen und erneut beglaubigen zu lassen. Geburtsurkunden bekommst du aus dem Automaten von staatlichen „Kiosken“, wo man auch das Wasser jeden Monat (!) bezahlt, einfach ausgedruckt. Also, es ist alles etwas widersprüchlich oder eben in der Entwicklung.
Auch Fristen existieren so gut wie gar nicht. Alles was einem heute gesagt wird, kann morgen schon wieder anders sein. Für eine Auskunft aus dem Grundbuchregister musste ein Antrag gestellt werden, der erst mindestens in einem Monat bearbeitet wurde. Also wir pünktlich an diesem Tag da waren, haben sie erst angefangen die Bücher rauszuholen und nachzuschauen, was im Grundbuch steht. Das hat fünf Stunden gedauert. Aber eben nicht einen Monat. Sie seien sehr im Verzug, war die Antwort auf meine Nachfrage. Alles nach 2012 ist mittlerweile schon digital angelegt. Also doch wohl bürokratische Entwicklung,
Abgesehen von der Bürokratie ist das andere Problemchen, das kulturelle. Damals hatten wir einige Probleme mit den Reisepässen der Kinder. Wir hatten alle Dokumente zusammen gesucht, so wie es auf der Internetseite steht. Vor Ort wurde uns gesagt, dass wir die Internetseite vergessen sollten, lieber direkt fragen, denn jetzt fehle noch die Kopie von dem Dokument und von dem und von dem. Schlichtweg das Pflegen von Daten ist ein Ding der Unmöglichkeit. Von jedem Laborbericht und jeder Ultra-Schall-Untersuchung macht man besser eine Kopie, denn die Akte kann auch schon mal verschwinden. Und der Witz ist, wenn alle Stricke reißen und man ein Dokument oder einen Pass oder sonst was, einfach heute noch braucht, machst du ein Riesentheater, wirst zum Chef vorgelassen, der regelt das dann schon, wenn du ihm sympathisch bist. So geschehen, beim Reisepass meines Sohnes. Also das Kulturelle: Erst ein riesen Drama, am Ende funktioniert es dann doch.
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