Schön, dass du wieder vorbeischaust. Müll ist ein ganz großes Thema und allgegenwärtig hier in Mexiko. Gerade für mich, weil wir als Deutsche mit einem ganz anderem Umweltbewusstsein aufwachsen. Ich kann es noch nicht bestimmen, warum dieses Bewusstsein hier anders ist. Es ist nicht so, das hier im Kindergarten, und ich denke auch in der Schule, auch wenn ich noch keine Schulkinder habe, aber ich nehme es einfach an, das hier dieses Thema nicht angesprochen wird, im Gegenteil! Müll, Wasser sparen, etc. ist hier sehr wohl Thema!
[Dieser Artikel enthält WERBUNG durch MARKENNENNUNG]
Müll liegt hier überall herum. Am Straßenrand wird es besonders deutlich. Gut möglich, dass ein Auto vor einem fährt und einem plötzlich der Kaffeebecher um die Ohren fliegt. In den Supermärkten, Obstläden, jedem Tante-Emma-Laden und allen anderen Einzelhandels-Geschäften gibt es immer eine Plastiktüte für den Einkauf. Letztens noch habe ich zwei ein Kilo-Tüten Hundefutter gekauft (es gab nicht den 20 kg Sack „meines“ Hundefutters) und der Verkäufer wollte mir diese zwei Tüten in eine extra Tüte packen. Bei fast jedem Einkauf bin ich am abwinken. „Ich hab doch zwei Hände.“ und „Das Auto steht doch gleich draußen.“ sind meine Standard-Sätze.
Plastik statt Abwaschen
Was mir noch immer im Herzen weh tut, ist das Plastikgeschirr. Auf sehr großen Feiern, die aber nicht elegant sind (wie 80 Prozent der Feiern, die ich bisher erlebt habe), wird Plastikgeschirr verwendet. Teller, Besteck und Becher – alles aus Plastik. Bei einer Feier von 500 Leuten, kommt entsprechend was zusammen und wer mal auf einer normalen Party war, wo Plastikbecher benutzt wurden, weiß, dass du am Abend nicht nur einen benutzt, weil dein Becher mindestens einmal „verloren“ geht. Ich denke, es ist schlichtweg eine Kostenfrage – Porzellan für 500 Leute kostet. Auf unserer Hochzeit hatte ich das auch gemerkt. Wenn du es dir leist, musst du jeden Teller und jedes Glas, was zu Bruch geht, ersetzen. Da bezahlt man für einen Teller locker mal das, was sonst eine Tüte mit 50 Plastiktellern kostet. Logisch, dass der normale Mexikaner dann die Umweltsünde vorzieht. Geld liegt hier schließlich nicht auf der Straße, aber Feiern gibt es alle paar Wochen.
Im Wandel
In den vergangenen fünf Jahren seit wir hier angekommen sind, merke ich eine kleine Veränderung. In den großen Supermärkten wie Walmart und Soriana gibt es mittlerweile Stoff-Taschen zu erwerben. In manchen Läden fragen sie nun erst, ob ich eine Tüte möchte, anstatt wie selbstverständlich alles einzupacken. Außerdem habe ich gehört, dass die kleinen Plastiktüten verboten werden sollen, gerade für Obstläden etc. Ein Vorsatz für dieses Jahr 2019 war für mich, unseren Plastikmüll zu verringern. Gerade, was die Plastiktüten angeht. Daher habe ich Stoffbeutel für den Supermarkt. Trage immer eine kleine in meiner Handtasche mit mir herum und in den Obstladen gehe ich mit meinem Rattan-Korb und kleinen wiederverwendbaren und waschbaren Tüten – die sind nicht aus Stoff, glaube ich, aber so was ähnliches. Brauchen tue ich sie, weil im Obstladen ja alles gewogen wird, und so ist es für alle Beteiligten praktischer, als wenn ich das Obst und Gemüse lose in meinen Korb tue.
Was nicht viel auf der Straße landet, sind Aluminium-Dosen, weil es da Händler gibt, die sie dir nach Gewicht abkaufen. Ebenso Plastikflaschen. Coca Cola bietet auch ein „Rückgabe“-System für die 2,5 Liter Flaschen an. Ich glaube, dasselbe existiert auch für Bierflaschen aus Glas.
Soweit so gut, meine Erfahrung und mein Kulturschock, was das Müll-Bewusstsein angeht. Wir versuchen als Familie unseren Müll zu reduzieren. Ebenso den Kindern beizubringen, dass der Müll nicht auf die Straße gehört. Ein kleiner Beitrag, in einem Land, in dem noch viel dahingehend fehlt, „grün“ zu denken.
Entdecke mehr von NORA SCHMACKERT
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
