Hier einmal ein kurzer Beitrag, was Arbeitsrahmenbedingungen in meinem Umfeld in Mexiko angeht. Generell gibt es die wohl, werden aber nicht sonderliche eingehalten. Vieles wird unter der Hand und schwarz gehandhabt. Ein Tischler, ein Bauarbeiter, etc. wird einfach bar auf die Hand bezahlt. Ich bezweifle, dass die meisten Steuern bezahlen, außer sie haben vielleicht wirklich offiziell ein Geschäft, mit Laden und Telefonnummer und so weiter.
Für die Bauarbeiter ist das erstmal schön, weil sie das Geld am Ende der Woche sofort in die Hand bekommen. Dafür könnten sie aber auch ganz schnell keine Arbeit mehr haben und was bei Unfällen passiert – nun, wenn er privat sich selbst versichert, Glück gehabt, wenn nicht. Wer weiß, was passiert. Alles hängt dam vom patrón, vom Arbeitgeber ab. Wenn er nett ist, beteiligt der sich vielleicht an den Kosten, wenn es ihn nicht juckt, dann halt nicht.
Ich habe eine Deutsch-Schülerin, die in der Automobilindustrie arbeitet. Was sie mir über die Urlaubstage erzählt hat, war sehr interessant. Erstmal werden Überstunden nicht bezahlt, das ist vielleicht nicht so verwunderlich. Als sie dort angefangen hat, zu arbeiten, hatte sie 2 Urlaubstage im Jahr! Jedes Arbeitsjahr bei dieser Firma, kamen zwei dazu, so dass sie nun 8 Urlaubstage hat. Als ich ihr erzählt habe, dass die Arbeitnehmer in Deutschland zwischen 26 und 32 Urlaubstage im Jahr haben, da hat sie baff gestaunt. In der Industrie ist es hier also sehr hart. 10 Stunden arbeiten am Tag, ist aus meiner Erfahrung nichts. Daher wollen viele für die Regierung oder in einer Bildungseinrichtung arbeiten, da hier die Arbeitsbedingungen sehr locker bis lasch sind.
Wenn man bei der Universität Beamter ist, dann hat man eine normale 40 Stunden Woche. Außerdem bekommt man am Ende des Jahres ein Zusatz-Gehalt, was 40 Arbeitstagen entspricht, wenn ich richtig informiert bin. Man ist versichert (und die Familienangehörigen auch) und man kann sich etwas dazu verdienen, wenn man mehr Unterricht gibt oder sich außerordentlich engagiert – zum Beispiel als Dozent an Konferenzen teilnimmt etc. das sind dann „estímulos“ Stimulierungen, die alle halbe Jahr berechnet und ausgezahlt werden. Und bitte, sollte man die 3 Monate Ferien im Jahr nicht vergessen! Im Vergleich zu einem Mitarbeiter der Industrie wirklich krass.
In Zacatecas hat die Universität durch die Korruption ein paar Geldprobleme. Ich muss allerdings hinzufügen, dass es außerdem an der Einstellung der Menschen liegt, die sich über die Jahre eingewöhnt hat. Nach 15 Uhr sieht man kaum mehr Menschen auf dem Campus. Das ist kein Witz. Die Mitarbeiter der Verwaltung arbeiten ihre 8 Stunden (mit Stempelkarte als Kontrolle) und dann gehen sie. „Arbeiten“ ist manches mal zu viel gesagt, da es Tatsache ist, dass für einen Direktor der Verfahrenstechnik-Fakultät zum Beispiel 3 Sekretärinnen arbeiten – was machen die? Fingernägel lackieren, Haare glätten oder ihr kleines Nebengeschäft abwickeln, wie Kosmetik oder Klamotten zu verkaufen. Etwas überspitzt, aber das ist kein Witz. So sieht dann Vitamin B aus… irgendjemand, der Onkel, die Cousine, hat ihnen den Job verschafft und wichtig ist, dass sie zweimal im Monat ihren Gehaltscheck bekommen.
Geht man durch die Bürogänge, sind diese Büros leer. Labore, die Jahre nicht benutzt werden. Auf dem Papier klingt das stets sehr beschäftigt, aber wirklich benutzt werden Geräte, Materialien etc. nicht.
Das soll sich nun ändern! Ich erinnere an den neuen Präsidenten. Der hatte vor etwas mehr als einem Monat, als die Uni (mal wieder) kein Geld für die Gehälter hatte (davon kaufen sich die wichtigen Uni-Funktionäre lieber Autos oder Häuser), noch einmal Geld zugesagt, aber unter der Bedingung, dass etwas „getan werden müsse“ und die Korruption nun ein Ende hat. Nun muss sich die Regierung dran halten. Was bedeutet, dass die Universität auf Produktivität untersucht wird und außerdem Stellen gestrichen werden – mehr als 1000!
Jetzt beginnt der Aufschrei der Menschen – es war mir durchaus klar, dass niemand das über sich ergehen lassen möchte. Verstehe ich auch gut. Wer verliert schon gerne seine Arbeit, in der er nicht einmal arbeiten muss? Ich hoffe trotzdem, dass es durchgezogen wird, weil die Universität unproduktiv und qualitativ miserabel ist. Selbst mein Mann sagt, dass er seine Söhne nicht auf diese Uni schicken würde, wenn das so weiter geht. Aber es regt sich was. Und das ist gut so. Die Menschen müssen etwas tun! Bildung ist unser wichtigstes Gut auf der Welt und das sollte nicht mit den Füßen getreten werden. Die Arbeitsrahmenbedingungen in der Industrie sind hart, aber wenn man sie in ihrer Tendenz auch auf die staatlichen Einrichtungen anbringen könnte, wäre das wirklich schön und vor allem fair!
Fotocredits: Pexels.com
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