Kultur-Coaching – Was ist in Mexiko zu beachten?

Hallo! Heute mal ein ganz anderer Beitrag. Mir ist aufgefallen, dass ich manchmal wohl schon „zu nah dran“ bin, was das Leben in Mexiko betrifft. Eine meine Schülerinnen ist diesen Sommer für 5 Wochen nach Deutschland gegangen und eine Freundin besuchte mich hier in Mexiko. Beide fragten mich dasselbe: Was ist im Umgang miteinander zu beachten?

Da zucke ich immer erstmal die Schultern. „Alles normal.“ Aber, was ist schon normal? Was ich damit sagen möchte, ist, dass es sehr westlich geprägt ist. Ich war nie in Asien, kann mir aber vorstellen, dass dort die Gepflogenheiten schlichtweg durch die Religion und Traditionen andere sind.

In Mexiko ist es nicht ganz so schwierig für uns Deutsche oder Österreicher oder Europäer. Inwiefern sind Mexikaner also anders?

Nicht mit der Tür ins Haus fallen

Small Talk ist ja so wichtig. Was für mich manchmal wirklich eine Geduldsprobe ist und mich wirklich Disziplin fordert: Nicht sofort mit dem Thema anfangen, was einem auf dem Herzen liegt. Besonders, wenn man eine Tätigkeit oder Geld oder sonst etwas von der Person möchte. Wenn es etwas Negatives wie Kritik ist, sollte man auch hier, nicht gleich die Karten auf den Tisch legen. Man begrüßt die Person, fragt nach wie es ihr geht, fragt nach der Familie, dem Partner, dem Tier oder sonst etwas, was die Person betrifft. „Ah, was ich dich noch fragen wollte….“ Darf frühstens nach 5 Minuten kommen, besser nach 10 Minuten. Alles hat seine Zeit.

Begrüßung

Geschäftlich schütteln sich die Leute einander die Hand. Kennt man sich näher, dann gibt es eine Umarmung. Ist man verwandt oder verschwägert oder kennt man sich sehr gut, gibt’s auch einen Küsschen dazu.
Frauen geben sich einen Kuss auf die Wange, ebenso jüngere Menschen den älteren. Egal, ob Mann oder Frau, meistens aber, Frauen an Frauen und Männer, und Männer nur an Frauen. Männer unter sich klopfen sich auf die Schulter oder umarmen sich kurz. Verwirrend? Also, ich gebe meinen Freundinnen, meinen Schwiegereltern, der gesamten Familie meines Mannes, Cousinen, Großeltern etc. einen Kuss auf die Wange (oder angedeutet, natürlich!!). In dieses Ritual werden auch schon Kinder mit einbezogen. Wenn also zur Begrüßung oder zum Abschied ein Kind vor einem steht, dann drück man es an sich und fragt wie es ihm geht. Gleichberechtigung für alle Altersgruppen. Wenn man auf 30 Personen trifft, dann wird es schon mal schwierig. Das Typische auf den Tisch klopfen, was ich persönlich informell aus Deutschland kenne, oder das einmal in die Runde winken, das gibt es hier nicht. Ich mache es trotzdem manchmal, weil es mich nervt. Peinlich ist es dann, wenn mein Mann dann doch alle nochmal einzel verabschiedet. Dann steh ich da wie doof. So ist das eben mit den kulturellen Unterschieden.

Typisch Zacatecas

Was mich besonders nervt, ist etwas typisch Zacatecanisches, was aber nicht für alle Familien gilt, leider aber für meinen Mann und die Familie meines Mannes. Wenn ich sage, „so, wir brechen dann mal auf“, dann stehe ich auf, packe meine Sachen verabschiede mich und gehe. Nicht so hier. Wenn man geht, geht man 30 bis 60 Minuten. Die wirklich wichtigen Dinge, werden meist erst in der Aufbruchstimmung angesprochen. Für jemanden wie mich, deutsch und ungeduldig, wirklich Kräfte zehrend. Aber ich kann mich nun besser beruhigen, als ich verstanden habe, dass das“ typisch Zacatecanisch“ ist. Ein ehemaliger Schüler von mir, Kolumbianer, ist ebenso genervt davon, wenn es um die Familie seiner Frau geht, und damit habe ich verstanden, dass ich nicht die einzige bin. Jetzt versuche ich mich oft zu organisieren und sage eine halbe Stunde vor meiner „Aufbruchszeit“, dass ich jetzt gehe. Man muss nur wissen, wie…

Mi casa es su casa

Wahnsinnig gastfreundlich sind die Menschen. Die Schwiegermutter gibt jede Wochenende Essen mit. Als ich anfangs noch verzichtet habe, was sie, glaube ich, sogar beleidigt. Fordert man die Schwiegermama, freut sie sich! Auch wenn ihre Töpfe dann leer sind!
Auf einer Feier, bekommt man essen mit und gerne noch was extra, auch wenn man doch eigentlich schon dort gegessen habe. Was bei uns dreist wäre, ist hier normal. Ich habe mal von einem Kindergeburtstag essen mitgenommen, um es meinem daheim wartenden Mann zu geben. Sehr praktisch. Und für die Menschen vor Ort, völlig legitim.
Selbst wenn mir der Kuchen oder was auch immer nicht geschmeckt hat, kann ich mich oft schlecht wehren, dass man mir keinen mitgibt. Die Wahrheit verletzt und andere Lügen funktionieren auch selten. „Hab schon so viel gegessen.“ „Lass das doch für euch.“ — funktioniert alles nicht. Ich müsste wahrscheinlich mit, „Ich esse keinen Kuchen.“ oder „Ich habe Diabetes.“ kommen. Aber das ist schon sehr hart. Also, lächeln und mitnehmen.

„Aqui/allá tiene su casa“ – hier/da ist Ihr Haus. Selbst wenn man sich ganz woanders sieht und nur darüber spricht, wo man wohnt, kommt oft der Zusatz: Ich wohne im Berg-Viertel – da ist ihr Zuhause. Ich war anfangs oft verwirrt, weil man ja als Sprachanfänger alles wörtlich nimmt. Und oft wollte ich schon widersprechen und sagen, nee, da wohne ich nicht. Aber jetzt verstehe ich, dass die Leute dir nur bildlich die Tür öffnen, dass du dort, wo sie wohnen, willkommen bist, wenn du möchtest.

Hygiene

Von der Reinlichkeit her, sind Mexikaner eigentlich in einem normalen Niveau. Mein Mann sagt, Deutsche sind Schweine und duschen sich nicht (Busfahren im Sommer!!), aber das ist eher was historisches/kulturelles, denke ich. In warmen Ländern badet man sich nun mal öfter. In Deutschland kenne ich das noch aus dem Geschichtsunterricht oder von meiner Oma, mit einmal in der Woche baden. Heute kenne ich das noch von den Babys. Neugeborene werden in Deutschland einmal in der Woche gebadet. Hier in Mexiko von Anfang an täglich. Da ist nichts falsch oder richtig. Das ist nun mal so. Alles Kinder überleben und sind nicht sauberer oder schmutziger als andere.

Hier wird viel mit Chlor geputzt und abgewaschen – Bakterien töten. Wenn man Häuser betritt, die nach Freibad riechen, dann weiß man, dass es sauber ist. Das ist jetzt überzogen, aber so oder so ähnlich. Es wird hier übermäßig viel antibakterielles Gel benutzt in Schulen und öffentlichen Einrichtungen besonders. Dafür fehlt oft Papier – Klopapier zum Beispiel. Etwas blöd. Klopapier kommt hier NICHT in die Toilette, sondern in den dafür vorgesehenen Mülleimern neben der Toilette. Auch in Hotels nicht. Hier gibt es kaum Kläranlagen, das ganze Papier würde hier somit auf den Feldern landen. Nicht gut.

Pünktlichkeit

Ja, mit Pünktlichkeit ist es hier nicht so. Es ist nicht so extrem, muss ich sagen.  Ich kenne viele Menschen die pünktlich sind (in einer Zeitspanne von 10 Minuten ist alles pünktlich für mich persönlich, weil ich in Deutschland eine unpünktliche Person war). Aber es gibt auch Menschen, die eine halbe Stunde als normal sehen oder gar nicht kommen ohne Bescheid zu sagen. Das müssen aber Menschen sein, die du nicht so gut kennst. Da die Mexikaner sich ihrer eigenen Unpünktlichkeit sehr wohl bewusst sind, werden sie in öffentlichen Einrichtungen, auf Arbeit oder in Bildungseinrichtungen regelmäßig getadelt oder bestraft. Beispiele:
Als ich noch studiert habe, hier in Zacatecas, gab es eine Zeitspanne von 15 Minuten. Wer später kam, durfte nicht mehr den Raum betreten und galt als fehlend. Ab einer bestimmten Fehlzeit gab es eine 6 als Note oder auf jeden Fall Punkteabzug.
In der Kita müssen die Kinder zwischen 7 und 8 Uhr morgens da sein, sonst gibt es eine gelbe Karte. Nach drei gelben Karten wird das Kind für eine Woche von der Kita suspendiert.

Und so könnte ich fort erzählen. Aber der Beitrag wird zu lang. Das soll es für heute gewesen sein. Vielleicht noch ein anderes Mal mehr. Erzählt mir, ob euch der Artikel gefallen und/oder sogar geholfen hat! Ich würde mich über ein Feedback freuen.


Entdecke mehr von NORA SCHMACKERT

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar