Shifou heißt eine treue Seele, die wir in unsere Familie aufgenommen habe. Es war am 13. Juli, Tag der Reliquia, (hier Artikel von letzem Jahr) und wir fahren gerade von der Landstraße ab, auf die Straße, die ins Dorf La Era führt, und da ist er, im Straßengraben. Ein „kleiner“, ausgehungerter Welpe.


In Mexiko sind Straßenhunde überhaupt nichts verwunderliches. Ich habe mich dran gewöhnt, auch wenn eigentlich seltsam ist. Hier in Zacatecas und aus meiner Erfahrung macht sich die Mehrheit der Mexikaner nichts aus Hunden. Wer selbst gerade so über die Runden kommt, der kümmert sich sicherlich nicht um ein Tier. Auch darüber hinaus, selbst wenn ein Hund als Haustier gehalten wird, kommt dieser zu 60% aufs Dach – weil den Häusern der Garten oder Hof fehlt.
Nach vier Jahren hier in Zacatecas habe ich nun auch Menschen kennengelernt, die ihre Tiere zwar auf dem Dach halten, sie trotzdem innig lieben und ihnen Schutz und Freundschaft geben. Menschen, die auch den Straßenhunden Wasser und Futter hinstellen. Menschen, die ihre Tiere im Haus halten, wie Familienmitglieder. Also auch hier habe ich bereits Tierfreunde entdeckt. Nicht alles ist pur negativ.
Auf der anderen Seite werden Welpen von Kindern wie Spielzeuge behandelt. Wie ein Kuscheltier tragen sie kleine Welpen oder Katzen herum. Das sieht man mehr auf dem Dorf, als in der Stadt. Trotzdem geht mir so etwas gewaltig gegen den Strich, vor allem, weil ich weiß, dass die Welpen, sobald sie größer werden, schlecht behandelt werden, auf der Straßen landen oder sonst was mit ihnen geschieht.
So wird es auch unserem Fund-Welpen gegangen sein. Denn eindeutig ist er an Menschen gewöhnt, verhält sich nur extrem unterwürfig, hat Angst vor Räumen und großen Eimern. Wer weiß, was seine Vorgeschichte ist. Aber das ist nun egal. Als ich ihn dort gesehen habe, im Straßenrand, war es nicht das erste Mal. Zwei Wochen zuvor habe ich ihn bereits an der selben Stelle gesehen und daher auch „Stop“ gerufen, dass mein Mann anhält. Der kleine Hund war völlig verängstigt und ist erstmal weggelaufen. Mein Mann wiederum konnte ihn soweit einschüchtern, dass er sich auf den Boden geworfen hat und somit in meinen Armen landete. Wir haben in mitgenommen und das war der Anfang eines kleinen Abenteuers.

Shifou ist ein sehr lieber Hund und ein guter Charakter. In der kurzen Zeit, mit ordentlichem Futter und Zuneigung ist er extrem gewachsen und noch schöner geworden. Anfangs habe ich viel gegrübelt, weil ich ihn eigentlich mit zu uns nach Zacatecas nehmen wollte. Aber durch fehlenden Platz, seine Angst vor Räumen etc. wurde ich schließlich überzeugt, dass sein bester Platz bei meinen Schwiegereltern auf dem Dorf ist. Dort hat er enorm viel Platz und kann sich frei entwickeln. Zudem kann er meinen Schwiegereltern in Zukunft als Hofhund dienen. Was für sie mehr Sicherheit bedeutet oder zumindest das Gefühl für Sicherheit erhöht. Das war die Geschichte mit Shifou. Nun haben wir also einen Hund.

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