Babysitter

Mal gleich vorweg. Wir haben keinen Babysitter im Moment. Wir hatten auch nie wirklich einen. Warum ich dann über dieses Thema schreiben möchte? Ich hätte gerne einen! Nur ist das schwierig hier in Zacatecas. Ich kann nicht einfach einen Aushang machen. Erstmal wüsste ich nicht wo. Und zweitens ist es auch eine unsichere Sache. Vieles funktioniert hier über Mundpropaganda und Empfehlungen, weil hier niemand niemandem traut. Oder besser gesagt, man misstraut den Menschen und vor allem, wenn es um die eigenen Kinder geht.

Und dabei geht es nicht nur um Unzuverlässigkeit und Kinder nicht gut behandeln. Niemand lässt gerne seine Telefonnummer irgendwo öffentlich hängen. Drohanrufe oder ähnliches sind zu befürchten. Ebenso am Telefon jemandem sagen, wo man wohnt. Geht gar nicht. Es kann ehrlich gefährlich werden. Wenn jemand eine niñera, ein Kindermädchen, sucht, dann hat er Geld. Und wer Geld hat, den kann man ausrauben. Das geht hier nach ganz einfachen Regeln. Logische Denkarbeit.

Also lasse ich die Finger weg. Ich hatte unsere direkte Nachbarstochter im Kopf. Aber die Familie ist im letzten Jahr in die USA gegangen. Bleiben mir noch die Nachbarstöchter von gegenüber. Die studieren aber schon, und wer weiß, was sie dann machen. Ich hätte gerne jemanden, der über Jahre zuverlässig ist und da ist, wenn ich ihn brauche. Gerne einen festen Tag in der Woche.

Denn, was ist auch gut, bei einem Babysitter? Man kann abends mal mit dem Partner weggehen. Alleine! Ohne Kinder. Das war das letzte Mal vor Geburt Nr. 1 der Fall. Möglich ist es momentan nur getrennt. Aber selbst wenn ich irgendwo jemanden finden würde, der gerne auf unsere zwei Söhne aufpasst, dann habe ich da noch so ein Problem. Dieses heißt Nahuel. Nahuel hat ein Mama Syndrom. Und lässt sich nachts auch nur von Mama (nicht von Papa) beruhigen. Er wacht zwar erst wieder gegen halb drei nachts auf, wenn er erstmal eingeschlafen ist und dann wären wir bestimmt wieder zuhause, als Eltern. Ich bezweifle jedoch, dass er überhaupt einschlafen könnte.

Gut, müsste man dem Ganzen einfach eine Chance geben. Das ist klar. Aber da sind wir wieder bei Problem Nummer eins: Woher kommt der Babysitter?


Entdecke mehr von NORA SCHMACKERT

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar