(Haus-) Frau sein in Mexiko

Hallo und wie versprochen folgt innerhalb weniger als einer Woche ein weiterer Beitrag. Ich möchte so gerne mehr erzählen und hoffe, dass ich meinen kleinen aber feinen Vorsatz einhalten kann. Heute geht es also um mich als Hausfrau, aber auch um das Frausein in Mexiko.

Hausfrau also? Wie war das mit dem Arbeiten in der Universität? Ich weiß nicht, wer sich daran erinnert. Einmal hatte ich einen leicht verzweifelten Beitrag geschrieben, den Link dazu lasse ich euch hier. Es ging darum, dass ich mich mehr als Supermama fühlen wollte, die alle Dinge ihres Lebens in den Griff kriegt. Nun, nach anderthalb Jahren an der Universität als Deutschlehrerin und Privatunterricht zuhause als Deutschlehrerin und Vertreterin von Natura-Kosmetikprodukten und Mama und Partnerin und so fort, merkte ich, dass meine Energie schwand und ich reizbar wurde.

So kam der Tag, an dem ich jede Aktivität meines Lebens durchdachte. Eine Sache musste schwinden. Welche machte mir am wenigstens Freude, welche stresst mich am meisten? Nun, der Job in der Universität. Weniger wegen der Arbeit an sich, sondern mehr durch meinen Chef, fühlte ich mich missverstanden und ohne Unterstützung. Jedes Mal, wenn ich durch ein krankes Kind ausfiel, hatte ich das Gefühl Missgunst zu erfahren von seiner Seite. Er versteht das nicht, bis heute (Ich habe noch Kontakt mit Kolleginnen). Hat selber keine Kinder. Obwohl es in Mexiko mein gutes Recht ist, frei zu bekommen, wenn mein Kind erkrankt (oder beide…). Ich habe also aufgehört, in der Universität zu arbeiten, was mir für die Studenten im Herzen weh tat, aber ich musste stark sein und an mich denken. Seit Januar ist es also etwas leichter, aber nicht weniger turbulent.

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Unsere Waschmaschine steht drinnen, weil sie so teuer war. Wir haben keine Schunkel-Waschmaschine, die wie eine Schleuder zu Omas Zeiten funktioniert, sondern das Europäische Modell. Ich besitze 6 Wäschekörbe. Benutze die zwei Schlafzimmer unten als Trockenräume, wo ich Leinen gespannt habe, weil draußen im Hof zu wenig Platz ist und außerdem beginnt die Regenzeit.

Der Haushalt ist enorm. Ich habe das Gefühl, die Waschmaschine läuft rund um die Uhr. Die Kinder bewegen sich viel, sind Jungs, sind unterwegs und machen auch viel schmutzig, klar. Da mein Gehalt irgendwie doch etwas fehlt, essen wir mehr zuhause, ergo mehr kochen, mehr Abwasch etc. Ich habe das immer noch nicht drauf mit dem Vorkochen. Vergangene Woche habe ich ein paar mehr Plastikdosen in verschiedenen Größen gekauft. Vielleicht kann ich dadurch indirekt Motivation bekommen, mehr zu kochen und typisch mexikanisch, immer etwas im Haus zu haben.

Denn so ist es. Mexikanische Frauen sind für mich die Supermamas. Da hier in Mexiko der Machismo herrscht – die Frau macht alles, der Mann genießt – sind diese Frauen, die aktivsten, die ich je gesehen habe! Ich weiß nicht, woher sie diese Energie, die Kraft, die Zuversicht und dazu noch die gute Laune nehmen. Sie waschen, sie kochen, sie holen die Kinder ab, sie basteln Hausaufgaben, sie reden mit Freunden, unterstützen die Eltern, sie nähen, machen Sport, sie passen auf Kinder auf, sie arbeiten und animieren, also ob es kein Morgen gebe. Was macht ihr Ehemann? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Geld verdienen. Was trinken gehen. Fernsehen. Oder so…

Eine Freundin sagte mir, dass es Zeiten gab, in denen sie bis 1 Uhr morgens Uniformen gebügelt hat und um 5 Uhr aufgestanden ist, um die Lunch-Pakete für die Kinder vorzubereiten… hallo? Klar, in Mexiko geht alles langsamer, aber für manchmal muss auch alles ganz schnell gehen.

In der Kita meiner Kinder geben sie öfters Hausaufgaben für den nächsten Tag. „Bis morgen dann bitte einen Stickring, Kunstblumen und 10 ganz kleine Gegenstände der Küche aus Ton.“ – so hieß es den anderen Tag. Und ich stand da mit zwei kleinen quengelnden Kindern, müde, hungrig… 16 Uhr nachmittags. „Hasta mañana no!“ — bis morgen nicht, war nur meine Antwort. Mir egal, ob andere Eltern das können, ich kann das nicht. Nachmittags im heißen Auto durch Zacatecas fahren und irgendwelches Zubehör suchen. Nein! Basta! Und wisst ihr was? Es war okay! Kein Mensch sagt etwas. Man muss eben sein Deutschsein etwas ablegen und sein eigenes Ding machen. Es muss Dir ein bisschen egal sein und nicht alles so genau nehmen.

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Das war dann übrigens die Bastelei, die dabei herausgekommen ist, zum Muttertag.

Wenn das funktioniert, wenn du das kannst, dich ein bisschen anpassen, dann kann man hier wunderbar leben. Ich werde niemals bis 1 Uhr nachts Uniformen bügeln. Lieber kaufe ich ein Set mehr, damit eines mehr gebügelt im Schrank hängt und um somit weniger Stress zu haben. Mit den Lunch-Paketen – das sehen wir noch. Ich denke, da die Mexikaner nicht planen und sich nicht gut organisieren, artet vieles manchmal in Stress aus. Wenn ich schaffe mich mehr anzupassen, aber meine Planung dabei nicht vergesse, dann kann ich gut leben. Nicht überleben, denn das ist wirklich nicht mein Ziel fürs Leben und nicht für meine Familie. Ich möchte gerne ausgeglichen sein, damit meine Kinder mich nicht dauernd gestresst, gereizt und ungeduldig erleben.

Ich bin wirklich nicht die ordendlichste Person, aber ich mag trotzdem ein gewisses Niveau an Ordnung, weil ich nicht andauernd auf irgendein Spielzeug treten will. Nach dem Motto: äußere Ordnung führt zu innerer Ruhe. Daher brauche ich jeden Tag mindestens zwei bis drei Stunden, um einmal durch das ganze Haus zu gehen, aufzuräumen, Wäsche zusammenzusuchen oder wegzusortieren etc. Und jedes Mal kann ich nur den Kopf schütteln, wie viel Zeit dabei drauf geht. Aber so ist mein Leben nun einmal.

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Organisation für mich? Ich mache die Betten der Kinder nicht. Morgens raus, abends wieder rein… warum sollte ich? Ich schüttel sie auf, ich lüfte und basta. Aber an manchen Ecken muss ich Zeit und Nerven sparen.

 

Natürlich ist es auch eine Frage, ob ich es mir finanziell leisten kann, nicht einen großen, festen Job zu haben. Viele Frauen müssen arbeiten, weil ein Gehalt in der Familie nicht reicht. Das kann ich verstehen, sehe aber auch einiges kritisch. Der Lebensstil der Mexikaner ist sehr konsumträchtig. Sie geben viel Geld aus. Neues Auto, Haus kaufen, Grundstücke kaufen, Essen gehen, Urlaub etc.

Wir fahren dieses Jahr wieder nicht an den Strand, weil wir schlichtweg entschieden haben, dass wir das Geld nicht haben. Was nicht bedeutet, dass wir mit einem Gehalt nicht klar kommen und unser Konto leer ist, aber weil wir andere Dinge im Kopf haben, die finanziell auf uns zu kommen und weil wir lieber das Haus abbezahlen. Diese Mentalität fehlt vielen Mexikaner. Sie leben das Leben in vollen Zügen, natürlich! Dafür sind sie bekannt. Allerdings werden in diesem Land auch viele Kredite und Kleinstkredite vergeben… und da kommt irgendwann die Rechnung.

Auf der anderen Seite gibt es auch Familien, wo die Frau nicht arbeitet und zu Hause bleibt, weil der Mann es so möchte. Diese Familien machen keine großen Sprünge, was schade ist, weil die Frau vielleicht durchaus arbeiten wollen würde.

Es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Ich persönlich kann es mir leisten, den Job in der Uni fallen zu lassen. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich mit meinem Privatunterricht zuhause pro Stunde mehr verdiene, als in der Universität. Von daher liegt es nur an mir, mehr Schüler zu akquirieren, um finanziell besser dazustehen und das ist genau das, was ich momentan mache.

Ich werde berichten, wie es weiter geht und wie es damit läuft. Erstmal wünsche ich euch einen schönen Tag und eine schöne Woche! Bis zum nächsten Mal!

 


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