Hallo! Ich wollte mal einen kleinen Überblick geben über die Kinder aktuell im Mai 2018, die #Zweisprachigkeit und das Kindsein im #Ausland.
Da haben wir einmal den Tánok, der im Dezember drei Jahre alt geworden ist. Er geht hier in #Zacatecas in einen staatlichen Kindergarten des ISSSTE – was hier auch preescolar, also Vorschule heißt. Er ist der Jüngste in seine Gruppe. Aber durch seine Größe und seine Pfiffigkeit macht er das wieder wett. Viele merken oder wissen es gar nicht, dass er der Jüngste ist (was wohl mehr an seiner Größe liegt).
Tánok lernt im Kindergarten Vokale und erste Zahlen, außerdem haben sie Englisch- und Informatikunterricht und arbeiten mit einer Applikation, die beides verbindet. Man hat uns gefragt, ob wir diese App nicht auch zuhause nutzen wollen, aber ich habe abgelehnt. Wüsste nicht wo. Wir haben kein Tablet, ich möchte nicht, dass mein Kind mein Handy und/oder meinen Laptop benutzt. Es ist okay zusammen mit seinen Mitschülern dort im Kindergarten, aber nicht noch am Nachmittag und ich habe die Diskussion und das Theater, wenn ich es ihm wieder wegnehme. Aber es war kein Problem, abzulehnen.
Ansonsten liebt Tánok wie so viele Jungs Autos und alles Mechanische. Er liebt Rhythmus und Musik. Ebenso kann er auch mal eine Weile ein Bild malen oder mit der Eisenbahn spielen. Er beschäftigt sich nicht gerne alleine.

Wie gut, dass er da einen Bruder hat. Nahuel ist seit Februar zwei Jahre alt und geht in die Krippe. Durch sein Geburtsdatum wird er nicht in diesem Jahr, sondern erst im nächsten Jahr in den Kindergarten kommen und dann wahrscheinlich einer der Ältesten sein. Aber das weiß ich nicht genau. Er geht in die gleiche Institution wie sein Bruder. Nahuel ist vom Charakter her vorsichtiger und braucht seine Zeit, um sich an Umstände zu gewöhnen. Daher passt es mir für ihn ganz gut, wenn das mit dem Kindergarten noch warten kann. Auch in der Krippe lernen kommt die Englischlehrerin vorbei. Letzte Woche haben sie mit den Zahlen 1,2 und 3 ein bisschen gespielt. Das klappt ganz gut.

Seit März 2018, also mit zwei Jahren, trägt Nahuel keine Windel mehr. Es hat etwas gedauert, bis er verstanden hat, was Pipi und Popo (auf Deutsch wohl Aa oder groß) bedeutet und wie sich das anfühlt, wenn es kommt und dass er dann Bescheid sagen muss, um auf Toilette zu gehen. Anfangs hat er gar nichts gesagt, dann wenn er bereits gemacht hatte und nach fünf Wochen hatte er es dann langsam drauf und wurde immer besser. Tánok hatte es vor anderthalb Jahren ähnlich erlebt, nach vier Wochen hatte er es komplett drauf. Nahuel brauchte etwas länger, obwohl älter zum Zeitpunkt des Erlernens. So ist jedes Kind anders. Den Bericht von damals findet ihr hier, auch wie das so funktionierte.
Nahuel hat sich in den letzten zwei Monaten sprachlich rasend entwickelt. Er redet in Zwei- oder Drei-Wort-Sätzen und manchmal redet er aber auch schon mehr. Natürlich auf Spanisch. Beide Kinder reden zu 90% auf Spanisch. Verstehen aber, wenn ich mit ihnen Deutsch spreche und reagieren auch entsprechend (wenn sie nicht gerade bockig sind und in keiner Sprache reagieren würden). Nahuel wiederholt momentan noch sehr viel, dass heißt auch die deutschen Vokabeln, die ich ihm vorsage.
Tánok redet viel Spanisch, ganze Sätze, erzählt, was er tut und erlebt hat und besonders gerne sagt er mir, was ich machen soll… Vor zwei Wochen fing er dann ab und an mal zu fragen: „Y cómo se llame eso en Alemania?“ Wie heißt das in Deutschland – was er sagen möchte, wie sagt man das auf Deutsch. Sehr interessant. Jetzt fängt er also an, die Unterschiede zu suchen. Die Sprachen zu identifizieren und zu registrieren, dass es zwei Wörter für eine Sache gibt. Das ist alles sehr spannend.

Ansonsten sind die Kinder quicklebendig und entwickeln sich prächtig. Wie ist das für meine Kinder in Zacatecas zu leben? Nun, erstmal kennen sie es natürlich nicht anders. Aber wenn ich eine Unterscheidung mache, zwischen meiner Kindheit oder dem, was ich aus Deutschland kenne, und dem was hier so passiert, dann das Folgende:
Angefangen vom Wetter bis hin zum Essen gibt es viele Unterschiede. Die Sonne scheint hier den ganzen Tag mehr als 300 Tage im Jahr, von daher werden Kinder hier nicht nach draußen gescheucht, damit sie Sonne abbekommen. Im Gegenteil. Sie werden vor der Sonne geschützt, man bleibt lieber drinnen. Es gibt Indoor-Spielplätze oder man geht erst um 17 Uhr in den Park.

Dadurch gehen Kinder hier auch nicht um 19 Uhr ins Bett. Geht nicht. Würde in unsere Routine auch nicht reinpassen. Da ihr Vater einen 10-Stunden-Tag hat und erst zwischen 18 und 19 Uhr nach Hause kommt, geht das einfach nicht. Ab 20 Uhr versuchen wir dann mal die Kinder nach oben zu bewegen, duschen und so weiter, so dass sie dann um 21 Uhr Ruhe haben und schlafen können. Das ist der Idealfall. Klappt natürlich nicht immer.
Geduscht wird hier täglich von Geburt an!! Soweit es im Bereich des Möglichen und das Kind nicht erkältet ist. Wir geben uns freitags immer eine Pause, aber weil wir samstags als Familie schwimmen gehen und dann dort duschen. Ein Schwimmkurs für die Kinder, die natürlich eine Begleitperson benötigen.

Süßigkeiten. Es gibt schon einen Grund, warum die Mexikaner ganz oben auf der Liste für das dickste Volk der Welt steht. Kinder essen hier unglaublich viele Süßigkeiten und Chips. Schon vor dem Kindergarten steht der Eisverkäufer oder werden Gebäckstücke verkauft. Kinder trinken Coca Cola und andere Limonaden mit viel Zucker, als wäre es Wasser. Ich war von Anfang an etwas erschrocken darüber, zumal die Süßigkeiten auch extrem viel süßer sind, als das, was ich aus Europa gewohnt bin. Daher habe ich von Anfang an darauf geachtet, dass sie von zuhause aus so wenig Zucker wie möglich mitbekommen. Natürlich liebe ich auch meine Nutella und bin seit Jahrzehnten kein Strich in der Landschaft. Aber den Rest versuche ich wirklich in Maßen zu halten. Ich kann es ihnen nicht komplett verbieten, das ist dann wieder was kulturelles, aber ich kann es auf Kindergeburtstage, Feiertage und wenn sie bei den Großeltern sind zumindest beschränken.
Traditionen – hier gibt es die Tradition vom día de los muertos. Wer es weiter nachlesen möchte, den verweise ich auf meinen anderen Blog – in welchem ich über Mexiko schreibe und den Beitrag, in dem ich das Thema behandle. Kinder wachsen also mit einem anderen Verständnis auf, was den Tod angeht. Er ist Teil des Lebens und es wird oft an die Toten gedacht und sie bleiben im Leben der anderen Menschen erhalten. In Deutschland war Tod für mich stets etwas düsteres und sehr trauriges. Man vermied gerne davon zu reden. Hier ist es nicht weniger traurig, aber die Botschaft ist eine andere. Das finde ich sehr schön und macht es mir auch einfacher, meinen Kindern das zu erklären – auf nicht religiöse Weise!
Waffen – bei uns im Haus herrscht striktes „Waffen“- oder Kriegspiel-Verbot und ich bin gewillt meinen Kindern das wirklich ernsthaft und für immer einzuschärfen, dass es einen Punkt gibt, an dem ich keinen Spaß verstehe. Da die Mexikaner, gerade aus Tradition viel an ihre Revolution denken und da schon Kinder verkleidet als Revolutionär, also auch mit einem Gewehr und Patronengürtel, herumlaufen, ist es schwierig, das durchzuhalten. Konsequenz wenigstens in diesem Punkt. Ich schicke die Nachbarskinder weg, wenn sie vor unserem Haus mit „Pistolen“ herumlaufen und bin wirklich streng.
Hier fahren die Polizisten mit den Maschinenpistolen herum, die die Kinder auch sehen, man sieht Undercover-Polizei oder Drogenmafia mit Waffen – ich kann das nicht immer so recht unterscheiden. Hier mehr als irgendwo anders, wo so viele Menschen verschwinden und die Gewalt allgegenwärtig ist, vergeht mir wirklich der Spaß, wenn meine Kinder spielerisch anfangen mit fiktiven Waffen zu spielen.
Das soll es für heute von meiner Seite gewesen sein. Reicht ja auch, damit es nicht zu lang wird. Ich melde mich demnächst wieder und wünsche euch eine schöne Mai-Mitte, mit Ferien oder ohne, ist ja der Feiertagsmonat. Alles Liebe!
Entdecke mehr von NORA SCHMACKERT
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
