Mir fiel spontan auf, dass ich wohl noch keinen Beitrag über Piñatas geschrieben habe. Ich denke, dass der Brauch vielen Menschen weltweit bekannt ist und ich habe auch schon gehört, dass es auch in Deutschland schon ab und an zur Kindergeburtstagstradition geworden ist, aber nicht alle wissen vielleicht, dass es in Mexiko und Lateinamerika bei keiner Feier, besonders Kindergeburtstagen fehlen darf und nicht alle wissen vielleicht, wie das denn so funktioniert.
Piñatas waren ursprünglich bunt-verzierte Tontöpfe, die zerschlagen wurden, später eine kugelförmige Pappmaché-Figur mit sieben Spitzen, die die Totsünden darstellen. Heute auch schon mal Disney- oder Marvel-Figuren. Piñatas sind innen hohl. Traditionell wurde Mehl und süße Früchte in die Piñata gefüllt, heute pure Süßigkeiten und Papierschnipsel.
Meistens ist die Piñata der Auftakt beim Kindergeburtstag für andere Aktivitäten. Soll heißen, dass ich es bisher erlebt habe, dass um 5 Uhr/6 Uhr nachmittags, wenn die Sonne nicht mehr so stark ist und soweit die meisten Gäste mit ihren Kindern noch anwesend sind, die Piñata zerschlagen wird. Danach folgen Kuchen essen und „bolos„-Ausgabe (Tüten mit Süßigkeiten, die jedes Kind und auch mal Erwachsenen mitnehmen kann) und damit kann man dann gehen. Wie immer muss ich betonen, dass das für Zacatecas gilt und die Kindergeburtstage, die ich besucht habe.

Die Figuren werden an einem Seil aufgehängt. Wer keinen Garten oder Hof hat, tut dies meist auf der Straße von Baum zu Baum oder Haus zu Haus, damit auch alle Kinder der Straße, die vielleicht nicht zum Geburtstag eingeladen waren, zumindest an der Piñata teilnehmen können.
Mit einem Stock (Baseballschläger, Besenstiel) wird auf die Piñata eingeschlagen. Dabei dürfen die kleinsten anfangen, weil bei ihnen die Gefahr, dass sie die Piñata gleich zu Anfang kaputt machen, gering ist. Reihum ist jeder einmal dran. Während ein Kind auf die Piñata haut, wird ein bestimmtes Lied gesungen. Ist das Lied zu Ende, ist der nächste dran.

Ich habe gelesen, dass es auch oft wie Topfschlagen funktioniert, heißt, es werden einem die Augen verbunden, dass kenne ich von hier nicht. Um es zu erschweren wird hier meist am Seil gezogen, damit die Piñata sich bewegt.

Ist die Piñata geöffnet oder zerschlagen, fallen die Süßigkeiten heraus und alle Kinder stürzen sich drauf, um so viel wie möglich zu erhaschen. Und das Spiel ist vorbei.
An vielen Geburtstagen habe ich erlebt, dass es mehr als eine bis zu fünf Piñatas gibt. Das ist darauf zurückzuführen, dass jedes Kind mal hauen soll, dass jedes Kind Süßigkeiten bekommen soll oder einfach, weil es Spaß macht. Spätestens nach der zweiten, finde ich persönlich es allerdings langweilig. Um die Kinder bei Laune zu halten, wird in die ersten oft nichts, außer Papier gefüllt und die letzten Figuren haben dann die erwarteten Süßigkeiten.
Der Brauch ist gerade zur Weihnachtszeit typisch. Das ist wohl auch ihr Ursprung, zur Fastenzeit. Mit dem Schlagen auf die Piñata und gerade die ursprüngliche Form mit ihren Symbolen der 7 Todsünden, soll das Böse vertreiben und der Süßigkeiten-Regen, ist dann das Gute für die Anwesenden. Zur Weihnachtszeit wird für die Familienfeste eine Piñata besorgt und auch Erwachsene spielen dann mit. Den Rest des Jahres vorwiegend auf Kindergeburtstagen.
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