Der Töpfchengang

Eine weitere Altlast aus dem letzten Jahr, die ich loswerden möchte: Der Töpfchengang meines älteren Sohnes. Am 28. November haben wir mit der Kita gemeinsam angefangen unser Kind aufs Töpfchen zu setzen. In einer Elternversammlung zwei Wochen davor, hatten wir das so beschlossen. Alle gemeinsam!
Das Erziehen aufs Töpfchen zu gehen, geschieht hier (damit meine ich in Zacatecas und in der Kita, in der unsere Kinder sind) zwischen dem Alter von 18 und 24 Monaten. Es wird militärisch durchgezogen. So empfinde ich das. Das Kind wird alle 20 bis 30 Minuten auf das Töpfchen gesetzt. Da bleibt es maximal 5 Minuten. Während dieser Zeit gilt es, das Kind zu animieren, zu motivieren und zu unterhalten, so dass es sich wohl fühlt, in seiner Situation. Macht es Pipi oder anderes ins Töpfchen sollten wir ein Theater machen, „Bravo“ schreien und uns wie Bolle freuen. Macht es nichts, auch nicht wild. Nur nicht schimpfen oder ähnliches. Macht das Kind außerhalb dieser Zeit, in die Hose, sagt man ihm klar, dass es bitte Bescheid sagen soll, damit die Hose nicht mehr nass ist und dass das Pipi in das Töpfchen gehört.

Hier zu Hause, ehrlich gesagt, haben wir vorher nichts gemacht. Wir hatten vor einem Jahr schon einen Aufsatz für die Kloschüssel gekauft, aber Tanok hat stets ein Theater gemacht und wollte nicht drauf sitzen, also haben wir es gelassen. Wie bereits oft hingewiesen, ich bin auch nicht sonderlich diszipliniert.

Nun, mit der Ansage der Kita, hatten wir nun keine Wahl mehr. Warum machen sie das so strikt? Weil beim Eintritt in den Kindergarten jedes Kind auf Toilette gehen können soll. Natürlich nicht komplett alleine, aber es soll keine Windeln mehr tragen.

Seit dem 28. November trägt Tanok also keine Windeln mehr. Auch nicht nachts. Die ersten beiden Wochen waren für mich katastrophal. Tanok hatte Durchfall. Die Unterhosen, die Hosen… alles mit der Hand auswaschen. Mütter, die Windeln waschen, wissen, was ich meine. Sie haben ihn daher auch gleich von der Kita suspendiert. Meine Theorie ist, weil es zu viel Arbeit war und nicht weil sie besorgt waren, um seinen Gesundheitszustand. Ich kann es ja verstehen. Der Arme wusste nicht, wie ihm geschieht. Abgesehen von dem Durchfall, wusste er allerdings ebenfalls nicht, wie ihm geschieht. Tanok wusste nicht, was Pipi ist. „Agua“ sagte er ganz überrascht, als er mir bei einem Unterhosenwechsel auf den Fußboden pinkelte.

Als wir den Durchfall unter Kontrolle hatten, und Tanok wieder in die Kita ging, wurde es besser. Die Erzieherinnen teilten mir mit, dass Tanok sehr wohl Pipi und Popo in das Töpfchen macht. Zuhause jedoch, hat er stets weiterhin ein Theater gemacht, wenn ich ihn auf das Töpfchen setzen wollte. Geweint, geschrieen. Wir hatten wenige Male Erfolg beim Töpfchengang. Das mit dem alle 30 Minuten habe ich daher gelassen und ihn stattdessen lieber sehr, sehr oft gefragt. Wenn er in die Hose gemacht hat, habe ich ihm gesagt und erklärt, dass das ins Töpfchen muss und, dass er mir Bescheid sagen sollte!

Und dann eines Tages fing er an, auch was zu sagen. „Pipi!“ klang es aus seinem Mund und ich habe ihn mir geschnappt und bin ins Bad. Da war leider kein Töpfchen (ich hatte es vergessen nach dem Auswaschen, wieder mit ins Bad zu nehmen), sondern nur der Aufsatz für die Kloschüssel. Also habe ich ihn mit dem Aufsatz direkt aufs Klo gesetzt. Und siehe da! Pipi!!! Oh war ich stolz auf ihn.

Seit dem wird er morgens direkt auf die Toilette gesetzt und macht beides – groß und klein. In der Kita wird nun nach den Ferien ebenfalls direkt auf die Toilette gegangen. Hier nutzen wir im Badezimmer unten noch das Töpfchen und bei den Schwiegereltern auch. Alles kein Problem. Tanok hat seine Angst überwunden oder sein Unwohlfühlen und sagt „Bravo!“, wenn er ins Töpfchen macht und gemeinsam entleeren wir dieses in das Klo und sagen „Adios, Pipi“ und er darf die Spülung drücken.

Einen Monat haben wir gebraucht, nun können wir sagen, dass Tanok auf die Toilette geht und keine Windeln mehr braucht.

Nachts hat er übrigens sich sehr schnell nicht mehr nass gemacht! Trotz allem haben wir natürlich noch Unterlagen über den Matratzen und auch so habe ich jede Menge Wechselwäsche dabei, man weiß ja nie.


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