Der 18 Monate alte Junge und seine niñera

Er hält mich auf Trab, der 18 Monate alte Junge. Es ist unglaublich, was er kann, wie er die Welt untersucht, mit seinem ernsten Blick und dann strahlt vor Lachen und seine ganze Zahnreihen zeigt, wenn er etwas neues entdeckt hat.

Er findet nun immer mehr Wörter für die Dinge. „Bu“ ist Buch, Bär kann er sagen und Papaya. Auch das spanische Wort für Junge und Mädchen, also niño und niña kann er prima sagen. Er verwechselt nur noch, was er ist. Aaama ist Oma. Mama ist Mama oder auch mal Papa. Agua (spaniches Wort für Wasser), benutzt er für Wasser, aber auch für Saft oder den Regen. Zumindest kann er es zuordnen. Kurz, Tanok beginnt zu reden. Er sucht sich die Wörter aus den beiden Sprachen, die für ihm zu formulieren einfach fallen.

Er spielt nun auch mit seinem fünf Monate alten Bruder. Die beiden kommunizieren bereits – mit einem Lächeln. Tanok piekt ihn in den Bauch und Nahuel lacht. Tanok zeigt im die Rassel und klappert damit. Nahuel greift danach und Tanok freut sich. Es geht also los – das Geschwisterdasein.

Tanok räumt auf. Er kann Dinge einem Platz zuordnen. Er putzt gerne. Er liebt nach wie vor Bälle. Das mit den Büchern hat nachgelassen. Wenn er ein neues sieht, blättert er trotzdem gerne darin herum. Er schiebt gerne Dinge (vor zwei Tagen hat er die Kinderkarre der Nachbarn „geklaut“ und läuft hier die ganze Zeit mit herum – einschließlich umkippen und Räder untersuchen.)

Ein 18 Monate altes Kind ist pflegeleichter als ein Baby. Hat man beides braucht man trotzdem unbedingt Hilfe!

Wir haben nun eine Babysitterin. Die kommt ab und zu mal, alle zwei, drei Tage um zwei bis vier Stunden auf Tanok aufzupassen. Bzw. mit ihm zu spielen, während ich meinen Alltag organisiere. Das ist eine sehr große Erleichterung, wenn man keine Familienangehörigen oder lieben Freunde hat, die gerne auf Kinder aufpassen.

Ich habe lange nach einer niñera, also Babysitterin, gesucht. Einige habe ich probiert. Eine Freundin hatte kaum Erfahrung und jetzt ist sie in den Ferien. Mal sehen, ob sie weiter machen möchte, wenn sie in zwei Wochen wiederkommt. Eine andere hatte ich spontan im Geschäft angesprochen, weil sie sich so offen mit Tanok „unterhalten“ hat. Die wäre perfekt gewesen, aber sie hat sich irgendwann nicht mehr gemeldet. Schade.

Nun habe ich eine andere Kommilitonin gefunden. Claudia. Die wohnt drei Straßen weiter. Tanok ist begeistert und hat immer mehr Vertrauen. Meistens bin ich mit ihm Haus, wenn sie hier ist oder mache nur kleine Besorgungen. Aber es super und entlastet, weil ich andere Sachen tun kann. Nur wenn sein Vater auch zu Hause ist, dann funktioniert es nicht. Dann ist Papa angesagt.

Das Bezahlen meiner lieben Babysitterin war knifflig. Ich habe mich umgehört. Aber fast niemand hatte Erfahrung damit. Also habe ich mich auf einen Preis mit mir selber geeinigt. Abgewogen zwischen dem, was ich mit Nachhilfe verdiene und dem was ich meiner Haushaltshilfe bezahle, was wohl überdurchschnittlich ist. Das Mädel, was ich angequatscht hatte, wollte 70 Pesos pro Tag. Ich zahle nun $ 50 pro Stunde und hoffe, damit gut zu liegen. Scheint in Ordnung zu sein. Claudia hat davon abgesehen, sich einen Ferienjob zu suchen. Dann ist wohl genug Geld für sie durch mich zusammengekommen. Ich finde es prima. So haben wir mal jemanden, falls wir auch als Pärchen mal wieder raus wollen. Gesetz dem Fall, dass der kleine Nahuel etwas weiter entwöhnt ist.


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