Ja, ich lebe noch. Es ist unglaublich, wie die Zeit vergeht. Aber zwei kleine Kinder lassen kaum Raum zum Denken, geschweige denn für Privatsphäre. Sie nehmen alles ein und man liebt sie dafür. Selbst jetzt, wo alle schlafen, habe ich aufgegeben auch schlafen zu wollen. Wenn ich mich jetzt wieder hinlege, wacht in einer halben Stunde garantiert der nächste auf. Also lasse ich es gleich.
Am 19. März ist jedes Jahr Dorffest in La Era – dem Ort, in dem meine Schwiegereltern wohnen und wo mein Mann herkommt. Es wird der Schutzheilige San Jose gefeiert und da gibt es auch einen Umzug und Tanz. Meistens werden Tanzgruppen aus anderen Orten eingeladen und die zeigen dann ihr Können. Das sieht alles sehr interessant aus.
Der Hut ist aus Federn, die Tänzer haben Röcke an, die kunstvoll verziert sind. Außerdem haben sie Socken und Holz-Schuhe der Art Flip-Flop an, wobei ich da an japanische Gepflogenheiten denken musste. Rhythmus machen sie mit einem Kürbis-Gefäss, in das irgendetwas reingetan wurde, so dass es klingt wie eine Rassel. Bewegen tun sie sich in der Tat indianisch – erinnert mich an das, was man als Kind um ein imaginäres Indianer-Feuer getanzt hat.
Das ganze wird von riesigen Trommeln und Trompeten begleitet. Es hat etwas mystisches an sich, in der Tat. Keiner konnte mir allerdings sagen, wie lange es diesen Tanz gibt, wo er ursprünglich herkommt (weil in sich sicherlich nicht die Spanier oder Franzosen ausgedacht haben) und was er bedeutet. Denn es gab auch einen böse verkleideten Wolf, Coyoten, monsterähnlichen Menschen, der eine Puppe am Hals aufgehängt am Gürtel trug. Meine Theorie: Das ist das Böse, was die Menschen mit ihrem Tanz vertreiben wollen. So wie wir es von Silvester-Feuerwerk und Osterfeuer her kennen. Aber das ist nur meine persönliche Theorie.
Das Dorffest beinhaltet außerdem einige Buden mit Firlefanz und Essen. So ähnlich, wie wir es von der Kirmes oder dem Rummel kennen. Außerdem gibt es ein paar Fahrgeschäfte. Klein natürlich, nicht so riesig. Dorf eben. Abends gibt es noch eine Tanzveranstaltung für die Großen. Alles in allem ganz nett und ich kann verstehen, dass die Leute sich drauf freuen. Denn das wichtigste ist es wohl, durch die Straßen zu gehen und mir Leuten zu reden. Mexikanische Geselligkeit eben.
Entdecke mehr von NORA SCHMACKERT
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.



