Das Kind war noch nicht eine Stunde alt und hing schon an meiner Brust. Nach der Geburt sollte das generell so schnell wie möglich geschehen, damit die eigene Milchproduktion angeregt wird. Das gilt für die Frauen, die stillen. Ich werde hier keinen Vortrag darüber halten, wie gut Stillen für das Baby in seinen ersten Lebensmonaten ist. Das wissen wir wohl alle und es sei jeder Frau selbst überlassen, wie sie ihr Kind ernähren möchte. Aber manche Mütter können ihrem Baby die wertvolle Muttermilch auch einfach nicht geben. Aus gesundheitlichen Gründen oder etwas in der Art.
Wie wunderbar, dass es da jede Menge Babymilch-Angebote gibt. Aus einem breiten Sortiment kann jede Mama wählen. Und dabei ist auch nichts Verwerfliches, denn Geborgenheit und Nähe kann man auch mit der Flasche vermitteln. Wir haben unserem ersten Sohn von Anfang an abends eine Flasche Babymilch gegeben – neben der Muttermilch. Und zwar tat das sein Vater, der damit bis heute eine wertvolle Verbindung zu seinem Sohn aufgebaut hat. Tanok hat durch das Fläschchen am Abend etwas länger geschlafen und ich konnte ruhen und es ist ihm nicht schlecht bekommen.
Bei unserem zweiten Sohn wollten wir das wiederholen. Er trinkt aber nicht aus der Flasche. Das hat sich also erstmal erledigt. Daher kann sein Vater da nicht viel tun, außer ihn beruhigen und in den Schlaf wiegen.
Stillen also. In Mexiko machen sie groß Werbung damit, wie toll Muttermilch ist, weil viele Frauen lieber Flaschenmilch geben. Auch oft aus dem Irrglauben, diese sei sogar besser als die eigentliche Muttermilch. Oder einfach, weil sie sich ihren Körper sprich Busen nicht versauen wollen.
Mir ist so was recht egal und daher stille ich, ungefähr sechs Monate. Das ist wohl das, was die WHO auch empfiehlt. Ich mache es einfach nach Gefühl und empfinde es als ganz guten Zeitraum. Außerdem ist das Abstillen dann einfacher, wenn das Kind bereits andere Sachen isst. Viele hören ja von einem Tag auf den anderen auf zu stillen, habe ich gehört. Das habe ich nicht gemacht. Ich habe nach und nach eine Mahlzeit ersetzt und so wurde meine Produktion eh immer weniger und dann habe ich irgendwann aufgehört und das hat mein Körper verstanden.
Was sollte man beim Stillen beachten? Bloß nicht verzweifeln. Mama und Baby müssen beide lernen, sich auf einander einzustellen. Und ich behaupte mal, bei jedem Kind aufs Neue, weil auch diese kleinen Menschen schon so früh unterschiedliche Charakter haben. Die einen trinken schnell und sind nach fünf Minuten fertig. Andere brauchen eine halbe Stunde und machen Pausen, bis sie satt sind.
Stilleinlagen und Still-BH erleichtern vieles und man fühlt sich einfach besser. Eine Creme, weiße Vaseline, oder ich benutze, weil ich es in einem Buch gelesen habe nun „Imlan Creme Pur“. Damit kann man, gerade am Anfang, seine Brustwarzen eincremen. Denn gerade, wenn es das erste Baby ist, dann kann es schon mal wund werden und weh tun. Bei Tanok war es sogar blutig. Er hatte falsch getrunken, zu wenig getrunken. Dann hatte ich auch noch eine Entzündung, weil Milchstau. Auch alles nicht so schön. Sollte das jemandem passieren: Abpumpen! Das kann man auch mit der Hand machen, dauert nur ewig. Ich hatte mir eine elektrische Milchpumpe gekauft.
Jetzt beim zweiten Mal, habe ich bisher einmal abgepumpt, um den Milchstau zu verhindern – man lernt ja aus seinen Erfahrungen. Bisher hatte ich keine weiteren Probleme. Allerdings ist Nahuel auch ein Naturtalent und hat von Anfang an richtig die Lippen angesetzt und getrunken.
In Deutschland zeigt einem wohl die Hebamme, wie das Stillen funktioniert. Dieses Glück hatte ich hier nicht. Den Beruf Hebamme gibt es nicht wirklich. Daher waren wir mit Tanok in der ersten Woche auch dreimal in der Notaufnahme, weil das Kind schrie und schrie und wir einfach nicht wussten, was los ist. Hunger! Er trinkt falsch… dort wurde mir gezeigt, worauf ich achten muss und wurde korrigiert. Am Ende hat es dann geklappt. Also auch ohne Hebamme kann man es schaffen, dauert vielleicht nur etwas länger. Bei Unsicherheiten sollten man aber doch in jedem Fall Hilfe annehmen. Auch im Ausland wissen die Frauen, wie man ein Kind ernährt! Also bloß nicht schüchtern sein.
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