15. September, Unabhängigkeitstag. Draußen hört man die Kanoniere ihre Salven ablassen und hier drinnen riecht es nach asado de boda, weil ich gerade am Kochen bin. Die Mexikaner werden einmal mehr sehr patriotisch, heute und morgen, und gehen nicht zur Arbeit, tragen die Nationalfarben, am besten als Flagge auf die Wange gemalt. Heute Abend dann die große Feier mit Feuerwerk. Letztes Jahr waren wir ja schon da, vor dem Governeurssitz im Zentrum, dieses Mal, mit Baby, nicht. Weiß ja nun, was geschieht.
16. September. Es ist bewölkt, etwas kühl. Das Kind probiert gerade seine neuen und ersten Schuhe und geht wie auf Eiern… also laufen kann er ja noch nicht richtig, trotzdem sieht es interessant aus. Das Feuerwerk gestern war ganz schön – von unserem Schlafzimmerfenster konnten wir beide sehen – La Bufa, auf dem Berg und das in der Stadt, was hinter dem Hügel hervorblitzte.

Für mich war diese Woche meine ganz eigene Unabhängigkeit, weil ich nämlich am Montag meinen Ausweis über den Aufenthaltstitel abgeholt habe. Ich weiß nicht, wie so was auf Deutsch heißt… eine Identifikation?! Auf jeden Fall bin ich jetzt residente permanente — habe also einen permanenten Aufenthaltstitel, den mir keiner mehr nehmen kann. Das ging nach einem Jahr natürlich recht schnell, aber eben nur dank des Kindes. Werdet jetzt bloß nicht reihenweise schwanger, Mädels. Gibt ja auch andere Wege, in Mexiko zu bleiben.

Ich darf jetzt alles, was Mexikaner dürfen. Außer Wählen. Aber das muss ich hier auch nicht, wenn ich ehrlich bin. Was brauchte ich nun für diese residencia permanente? Mein bisheriges Visum, Geburtsurkunde von meinem Kind, zirka 4500 Pesos, Zahlungsbescheinigung (man zahlt das hier bei der Bank ein) und einen schriftlichen Antrag meinerseits mit der Erklärung, warum ich den permanenten Aufenthaltstitel haben möchte. Das war’s Zwei Wochen nach meinem Antrag war nochmal jemand von der Behörde bei mir Zuhause, um zu schauen, dass ich da wohne und alle Daten noch einmal aufzunehmen. Und dann habe ich lange nichts gehört und dann kam endlich eine E-Mail. Es hat ungefähr anderthalb Monate gedauert, vom Antrag bis zur Ausstellung.
Entdecke mehr von NORA SCHMACKERT
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
