Gestern war das spanische Königspaar in Zacatecas zu Besuch. Hubschrauber kreisten, das Militär war auf den Straßen. Das weiß ich aber nur von meinem Freund, weil es geregnet hat und kalt war und da meide ich, wenn möglich, die Straße mit einem Baby. An den Gebäuden im Zentrum hängten sie die spanische Flagge auf. Foto konnte ich nicht machen, weil es geregnet hat und wir nur schnell weiter wollten.
Regen. Immer noch, seit mehr als drei Wochen nun. Ich laufe hier wie im Winter herum, mit Schal und zwei Jacken. Das Kind will ich gar nicht auf seine Krabbeldecke lassen, aus Angst, es könnte sich erkälten. Und in Deutschland schwitzen sie wie die Blöden. Ich werde doch tatsächlich Urlaub in der Sonne machen – in Deutschland. Das ist doch der Witz!
Falls wir Urlaub machen — wir haben den Reisepass von unserem Kleinen noch nicht. Sie rufen einfach nicht in Mexiko-Stadt an, um die Informationen einzuholen, die sie ja so dringend über mich brauchen. Mein Freund fährt nun täglich hin. Heute will er auf den Tisch hauen – was auch immer das bei ihm bedeutet; so richtig zornig habe ich ihn noch nicht erlebt.
Wir fliegen voraussichtlich nächste Woche – wenn der Reisepass da ist. Ich habe heute Versicherungen abgeschlossen – und zwar bei deutschen Firmen. Hier hatten wir den Kontakt von einem Versicherungsagenten. Das war mir zu teuer. 3500 Pesos, zirka 200 Euro. Da bin ich geizig. Nun habe ich Mawista empfohlen bekommen. Da konnte sogar ich eine Versicherung abschließen. Dass ich erst seit einem Jahr im Ausland lebe, stört nämlich viele Versicherungsunternehmen und hätten mir somit nichts anbieten können. Nur für meinen Mann und das Kind. Aber nun habe auch ich eine Versicherung. 34 Euro für 31 Tage pro Person. Da meckere ich nicht.
Fehlt nur noch der Pass.
Gestern bin ich auf dieses Foto gestoßen:

Das ist wohl am letzten sonnigen Tag im Juni aufgenommen. Obwohl man Sonne nur bei genauem Hinsehen sieht. Da habe ich mal den Mut zusammen genommen und bin mit der Karre los. Da erste und das letzte Mal. Aus dem Haus raus geht ja noch. Dann am Tor der erste Balanceakt. Die Karre so hinstellen, dass sie einem nicht davon fährt (Berg) oder umkippt und dass sie trotzdem noch so sicher steht, dass ein vorbeisausendes Auto sie nicht erfässt, während ich das Schloss wieder vor das Tor mache. Dann geht es los. 300 Meter hat man einen „einigermaßen“ Asphalt, wo das Baby nur durch ein Tope, eine Bodenwelle zur Geschwindigkeitsbegrenzung, durchgeschüttelt wird. Dann geht es bergab. Meine Arme!!! Physik macht es möglich, dass die Karre mit den neun Kilogramm Inhalt eine große Sogkraft entwickelt und gefährlich hin- und herwackelt, auch weil hier der Asphalt schlechter wird. Ich muss mich also gut konzentrieren und die Karre ordentlich festhalten. Unten angekommen wird es holprig. Der Asphalt ist hier weitgehend Schotter gewichen und das Kind wird durchgeschüttelt, als gebe es kein Morgen. Dann wechselt das Pflaster zum traditionellen. Heißt große Stücke Steine in Beton gegossen, wobei letzterer aber kaum noch vorhanden ist. Ergo: Shake it, Baby! Und dann nur noch einen sehr hohen Bürgersteig hoch — wobei ich zugeben muss, dass ich den Handicap-Zugang übersehen habe — und endlich bin ich im Park. Hier sind die Wege aber auch grauselig, weshalb ich mich nach einer Runde auf den Rasen setze.
Der Rückweg ist umso schlimmer – denn es geht ja bergauf. Ich schnaufe und schiebe und schnaufe und das arme Kind ist überhaupt nicht begeistert. Nein, Zacatecas ist nicht für Kinderwagen geeignet. Ich bleibe beim Tragetuch.
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