Mir ist vorhin aufgefallen, dass ich die Krankenhaus-/Geburt-Geschichte noch nicht erzählt habe. Natürlich werde ich hier jetzt keine Einzelheiten ausbreiten – das geht dann doch zu weit und ist auch für den einen oder anderen nichts. Aber die allgemeinen Umstände für diejenigen, die vielleicht auch mal ein Kind in Mexiko bekommen möchten / werden, die könnte ich hier schon mal ausbreiten.
Geplant war, dass ich unseren Sohn im privaten Krankenhaus San Jose zur Welt bringe. Mit meinem Frauenarzt, einem Anästhesisten und einem Kinderarzt sowie meinem Freund an der Seite. All dies war nicht der Fall. Ja, auch mein Freund war nicht bei mir. Die Wehen fingen an Weihnachten an und als es heftig wurde informierten wir meinen Frauenarzt. Der war leider nicht in der Stadt, sondern wegen eines familiären Notfalls in Guadalajara. Nun gut, er würde eine Kollegin schicken und dann ginge alles seinen Gang. Wir sollten doch schon mal ins Krankenhaus fahren.
Gesagt getan. Vor Ort wurde ich erstmal untersucht und dann wurde telefoniert. Es sei kein Anästhesist aufzutreiben. Feiertag und Provinz – was soll ich sagen!? Die Gynäkologin wollte wohl ohne Anästhesisten nicht arbeiten. Und somit war kein Ärzte-Team für mich vor Ort. Also wurde uns empfohlen das Krankenhaus zu wechseln.
Somit sind wir in der (öffentlichen/allgemeinen) Frauenklinik gelandet. Und so viel sei gesagt: die medizinische Versorgung ließ nicht zu wünschen übrig! Ich glaube, dass im Kreißsaal rund zehn Leute anwesend waren, die sich nur um mich und dann um das Baby gekümmert haben.
Aber ich greife vor. Mit dem Krankenwagen wurde ich dann in die Frauenklinik gebracht. Dort hat man mich nochmal untersucht und gesagt, dass ich noch nicht soweit bin. Entweder könne ich alleine im Krankensaal warten, ohne Freund, weil der keinen Zutritt zu den medizinischen Räumen hätte, oder ich würde nochmal nach Hause fahren und in sechs Stunden wiederkommen. Gesagt getan – da ich keine Lust hatte, alleine stundenlang rumzuhängen, sind wir wieder nach Hause.
Statt 7 Uhr morgens waren wir dann allerdings doch schon zwei Stunden früher da – wegen der Schmerzen… ich wollte das Kind nicht Zuhause bekommen und ich wusste nicht, dass es noch sehr lange dauern würde, bis der Kleine zur Welt kommt.
Ich schweife ab. Auf jeden Fall wurde ich nochmal untersucht und vorbereitet. Dann durfte ich mich von meinem Freund verabschieden, weil er mich erst nach der Geburt wiedersehen würde. Im Anschluss fand ich mich in einem Krankensaal wieder, wo die Frauen darauf gewartet haben, dass ihr Muttermund soweit ist, dass es zur Geburt in den Kreißsaal gehen kann. Und da lag ich nun, neben stöhnenden und schreienden Frauen. fast 12 Stunden lang.
Ich habe mitbekommen, wie das Personal seine Schicht gewechselt hat und wie vor mir rund 20 Frauen ihr Kind bekamen – ob natürlich oder mit Kaiserschnitt. Es war ein unglaublicher Verkehr an dem Tag. Ich habe anfänglich auf Bitten Wasser bekommen, aber später wegen der Anästhesie nicht mehr. Um 11 Uhr habe ich diese bekommen. Ansonsten wurde ich alle halbe Stunde untersucht: Herzschlag des Kindes, Muttermund, etc.
Die Sache in dem öffentlichen Krankenhaus war einzig und allein die unpersönliche Behandlung. Auf Wehklagen der Schwangeren hat das Personal quasi gar nicht reagiert, weil es nun mal so ist. Es gibt niemanden, der Händchen hält, weil sie dafür keine Zeit haben. Wer zart besaitet ist, der könnte hier am falschen Platz sein. Ich fand es im Nachhinein ganz gut.
Medizinisch war allerdings alles top. Hygiene, Kontrolle, Personal-Masse (!) alles gut, allerdings wurde man abgefertigt. Mag aber auch an der Masse der Schwangeren gelegen haben.
Um 17 Uhr war ich dann im Kreißsaal und unser Sohn bereits zwei Minuten auf der Welt. Im Anschluss wurde man etwas persönlicher betreut in einem extra Bereich. Das Kind sollte gleich trinken und wenn ich Fragen hatte, durfte ich sie an eine Schwester stellen. Ich wollte allerdings nur meinen Freund sehen! Der war, seit wir uns verabschiedet hatten, im Ungewissen. Keine Information drang zu dem armen Menschen durch. Er konnte nur warten. Und dann kam irgendwann jemand auf ihn zu: „Dein Kind ist geboren. Alles ist gut.“ Und Punkt. Kein Geschlecht oder mehr Nachrichten.
Währenddessen habe ich darauf gedrängt, meinen Freund zu sehen. Das hieß, ab aufs Krankenhaus-Zimmer. Um 19 Uhr war ich da. Um 19.10 Uhr mein Freund. Er durfte fünf Minuten bleiben – keine Besuchszeit. Ein Sicherheitsmensch stand in der Tür und hat die Uhr kontrolliert. Erst am nächsten Morgen um 11 Uhr könne er wiederkommen. Und wenn mit mir und dem Kind alles gut ist, dann könne er uns auch gleich mitnehmen.
Das war sehr hart. Weil wir beide ja so viel zu erzählen hatten und die ganzen Emotionen verarbeitet werden mussten. Dass er einen Sohn hat, hat mein Freund erst erfahren, als er an meinem Bett stand. Für die Männer tut mir dieses Prozedere wirklich leid.
Der Grund, warum niemand reingelassen wird? Ich denke, Hygiene – mexikanische Familien sind groß und wenn der Vater rein darf, dann findet die Großmutter sich ebenso berechtigt reinzukommen, und dann die Tante, der Großvater, doe Schwester… — und die Diskussion ist im Gange. Und eventuell auch Sicherheit? Das keine Babys abhanden kommen? Aber da bin ich mir nicht sicher.
Ich war also alleine mit meinem Kind in der Nacht. Ich habe endlich etwas zu essen bekommen und etwas zu trinken. Ansonsten war ich gut mit mir und dem Kind beschäftigt. Es hat in meinem Bett geschlafen. Aber die ganze Nacht war unterbrochen vom Stillen und daher war an ausruhen nicht viel zu denken. Vier weitere Frauen sind in der Nacht noch ebenfalls auf das Zimmer gebracht worden – alle mit Neugeborenen. Meiner war am lautesten. Die Krankenschwester war stets zur Stelle und hat mir geholfen. Wie gesagt, die Versorgung war top.
Am nächsten Morgen, ab 6 Uhr, zwischen Frühstück nd Duschen ging es dann los mit Untersuchungen. Von mir, dem Kind, erste Impfung, Informationen über nächste Untersuchungen, etc. Mein Freund durfte endlich rein und auch mit meinen Sachen. Da mit mir und dem Kind alles gut war, durften wir gehen. Um 12 Uhr waren wir draußen. Das erste Mal nach 42 Stunden habe ich wieder Sonnenlicht gesehen. Es war herrlich.
Ob ich nochmal ein Kind in diesem Krankenhaus bekommen würde? Ja, würde ich, weil ich jetzt weiß, wie es läuft und ich mich dort gut umsorgt gefühlt habe. Während der Wehen kann einem eh keiner helfen, da halte ich das dann wie Miranda in „Sex and the City“ – Mund halten und durch.
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