Zurück in den Alltag

Aus einer kleinen Abwesenheit melde ich mich nun zurück. Wie die Zeit vergeht! Fast vier Wochen ist unser Sohn nun schon alt. Und mehr als Baby füttern, Baby wickeln, Baby schlafen legen, Baby beschäftigen, Baby beruhigen, habe ich, gefühlt, nicht gemacht. Es soll hier wirklich kein Kinder-Blog werden, aber mitteilen muss ich mich trotzdem. Gehört schließlich zum Alltag und auch zu meinem mexikanischen Alltag. Denn, was für Dinge ich nun schon erlebt habe zwischen den Kulturen, dass könnte einige Seiten füllen. So versuche ich mal Stück für Stück etwas aufzuholen, solange mich der kleine Mann lässt. Denn Kinder fressen Zeit – erste Lektion schon mal gelernt.

Es ist die erste Woche, in der mein Freund wieder gearbeitet hat, und ich alleine Zuhause war. Der Test verlief bisher solala. Man muss wirklich gut organisiert sein – etwas worin ich nicht so gut bin. Also organisiert schon, aber die Disziplin zum Durchziehen fehlt einfach. Tat sie aber schon immer. Jetzt hängt allerdings ein Menschenleben dran. Nicht ganz so dramatisch, aber es stimmt ja doch. Und daher reiße ich mich ganz doll zusammen.

Was Tanok besondes gut kann: sich selber zudecken.
Was Tanok besondes gut kann: sich selber zudecken.

Ich habe es schon einer Freundin geschrieben: Ich bin keine rosarot Mutter. Das soll nicht eine komplizierte Art sein, auszudrücken, dass ich einen Jungen als Kind habe und kein Mädchen. Sondern, dass ich nicht alles schön rede, weil ich ein Kind habe und die Wahrheit vor anderen Frauen, besonders vor nicht Müttern, verheimliche.
Selbstverständlich liebe ich mein Kind. Und auch ich sitze hier manchmal und weine — vor Glück. Können die Hormone sein, muss aber nicht. Und natürlich habe auch ich meinem Kind einige Versprechen ins Ohr geflüstert, als es das erste Mal auf meinem Bauch lag – auf dem Weg aus dem Kreissaal. Auch ich vergöttere meinen Sohn und bin der Meinung, er ist einer der niedlichsten kleinen Personen, die man sich so vorstellen kann.

ABER ich klatsche nicht vor Begeisterung in die Hände, wenn er fünfzehn Minuten nach dem Windeln wechseln einmal das Gesicht verzieht und noch mal ordentlich nachlegt. Ich finde es auch nicht beziegungsfördernd meinem Freund gegenüber, wenn ich dauernd nach Milch rieche, weil BH und T-Shirt durchnässt sind, ich keinen Schlaf bekomme und nur ab und an mal eine Dusche. Daher fühle ich ich nicht schlecht, zu sagn, dass so ein bisschenZeit für mich schon jetzt eine Sehnsucht ist und etwas ganz besonderes. In der Praxis hüpfe ich trotzdem leise und als würde ich etwas verbrechen, für zehn Minuten unter die Dusche, wenn Tanok schläft, betend, dass er nicht aufwacht. Immer mit einem Ohr horchend. Nach dem Duschen, die Badezimmertür aufreißend, um zu überprüfen, ob mein Sohn, die zehn Minuten ohne ich überlebt hat oder doch eher nicht.
Seit der Geburt sind schlechtes Gewissen und unendliche Sorge meine Begleiter. Es ist faszinierend. Das mit dem schlechten Gewissen ist natürlich eine Sache von mir, die ich noch lere abzustelen. Ich kann mich nicht komlett für dn Wurm aufgeben. Da hat er nichts von und ich erst recht nicht. Daher parke ich meinen Sohn gerne bei seinem Vater. Der ist überglücklich darüber und voller Liebe für seinen Sohn – was gibt es besseres in dieser Situation?

Tja so bin ich – und insgeheim hoffe ich, dass es wirklich klappt mit dem Studium nebenher. Das sehe ich jetzt zwar noch nicht. Aber wir werden ja täglich besser. Endlich haben wir es geschafft, uns einen Känguru-Rucksack für den Kleinen zu holen. So habe ich jetzt endlich beide Hände frei! Denn unser Sohn schläft momentan nur am Körper, sehr selten (außer nachts) in seinem Bett. Hände frei und Zeit für anderes, hatte ich da nicht. Das ist jetzt anders! Und somit habe ich auch wieder Zeit für meinen Blog…

 

 


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