Día de los Muertos – Tag der Toten, oder sollte ich besser sagen: langes Wochenende der Toten? Gerne verlängern die Mexikaner ihre Feiertage, das erwähnte ich bereits an anderer Stelle. Bei wichtigen und traditionsreichen Feiertagen erst recht. Und so fingen viele schon am Donnerstag an, den Día de los Muertos zu feiern. Meist allerdings in Schulen oder in der Nachbarschaft, indem sie das Ganze mit Halloween-Traditionen mischen. Obwohl sich das alles eh ganz gut ähnelt.
Aber da glaube ich eher, dass der mexikanische Feiertag zuerst da war. Aber das ist nur eine Vermutung. In jedem Fall war Samstag und Sonntag die Hochsaison, wenn ich es denn so bezeichnen darf. Zacatecas-Zentrum war praktisch leer, weil alle auf den Friedhofen herumlungerten, so meine Annahme. Am Sonntag sind auch wir mit der Familie meines Freundes auf den Friedhof „Oma und Opa besuchen“, wie man hier ganz salopp sagt.
Und das ganze Dorf hatte sich auf dem Friedhof versammelt. Ein Meer an zumeist orangen oder weißen Blumen. Das sind ganz bestimmte Blumen, die es nur für diesen Anlass gibt. Sehen etwas aus wie unsere „Studentenblumen“, die man im Baumarkt als Staude bekommt. Aber es sind dazwischen auch andere Blumensorten auszumachen. Auch Plastikblumen kann man finden, die wohl billiger sind, aber genau weiß ich es nicht. Wer richtig Geld hat, kauft eine Corona – eine Blumen-Krone, was aussieht wie der Blumenkranz, den Pferde nach dem Rennen umgehängt bekommen – ich weiß nicht, wie ich es sonst beschreiben soll. Mit Palmen-Blättern geschmückt.
Und die ganze Familie ist da, versammelt sich am Grab – das heißt etwas in Mexiko, denn die Familien sind groß. Oft besuchen die Leute aber nur die Gräber von Personen, die ihnen wirklich nahe standen. Trotzdem trifft man, Onkel und Tante, Cousin und Cousine, Nichten und Neffen oder die Geschwister, auch wenn man nicht mehr wirklich mit ihnen redet. Dann grüßt man sich vom Weiten.
Einige Menschen weinen, aber die meisten lachen und es herrscht eine fröhliche Grundstimmung auf dem Friedhof. Was ich ja eher nicht gewohnt bin – auf dem Friedhof! Etwas geschockt war ich dann aber erst, als zwei Jugendliche mit dem Motorrad zwischen den Gräbern durch sind. Aber da hat selbst mein Freund die Augenbrauen hochgezogen und den Kopf geschüttelt. Um ein Uhr gab es ungezwungen eine Messe. Mit Gitarren-Musik und Gesang.
Es war eine brühende Hitze – viele hatten Sonnenschirme dabei, der Sombrero war obligatorisch. Und das ein oder andere Bier lief auch schon mal die trockene Kehle hinunter. Vor dem Friedhof gab es Stände, die Getränke, Wassereis oder Snacks verkauften.
Alles in allem ein buntes Beisammensein. Man säubert das Grab, legt Blumen nieder, gedenkt an den oder die Toten, trifft sich mit Familienmitgliedern, erzählt ein bisschen, trinkt oder isst etwas gemeinsam. Nicht immer alles auf einmal, aber etwas von allem sieht man in jenen Stunden auf dem Friedhof. Eine schöne Tradition – anders, als bei uns und auf seine eigene Art typisch mexikanisch: freundlich, offen, nicht den Kopf hängen lassen und familiär.
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