Politische Gedanken

Verhältnismäßig lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen. Ich war nicht beschäftigt, daher auch nicht produktiv. Klingt komisch, ist aber auch so. Letzte Woche war einmal mehr Streik angesagt. Protestaktionen am Mittwoch und Donnerstag. Unsere Universität hat sich erneut mit Vorlesungsniederlegung und Protestmarsch einem nationalen Protest angeschlossen.

Aber mittlerweile hat es ja auch kräftig die deutschen Medien erreicht, um mal ein wenig Abwechslung in die Katastrophen-Nachrichten zu bringen – zwischen Ukraine, Syrien, IS, Ebola und so fort. Dadurch erreichen mich wiederum Nachfragen und E-Mails von Familie Freunden und Bekannten. Schließlich „hocke“ ich ja nun mal in diesem Land.

Ich kann nicht viel dazu sagen, ehrlich gesagt. Dafür habe ich nach fünf Monaten immer noch zu wenig Überblick, was hier denn nun wirklich in Mexiko politisch so läuft. Weil wenn, dann will ich auch alles verstehen. Aber es ist verwoben und verwirrend. Ich tue mich immer noch schwer Zeitungsartikel zu lesen –  in sprachlicher Vokabel-Hinsicht. Und ehrlich gesagt, ziehen mich Nachrichten grundsätzlich runter, weshalb ich schon in Deutschland wirklich nur das Nötigste an Sich-Informieren-Und-Auf-Dem-Laufenden-Halten getan habe. Gerade so, dass ich nicht als Unwissend gelte.

Ab einem bestimmten Alter wird man dann komisch angeguckt, wenn man sich nicht informiert. Es hat einen ungebildeten Nachgeschmack. Also bin ich, um nicht an Respekt mir gegenüber zu verlieren, dazu gezwungen, mich auf dem laufenden zu halten. Aber ich tue es ungern – weil es mich wütend, traurig, frustriert macht.

Wie ich das hier alles sehe? 43 Studenten wurden verschleppt, wahrscheinlich lebend verbrannt. Warum, kann mir niemand sagen – deshalb auch die Wut der Leute. Was haben die Lehramt-Studenten den Drogenkartellen getan – außer, dass sie eine kräftig linkspolitische Meinungen hatten? Die Mexikaner sind fassunglos. Sind wütend, als die Regierung den Fall nicht aufklärt und Studenten im ganzen Land gehen auf die Straße. Leider in Guerrero – im Staat des Tatorts – nicht nur friedlich. Das empfinde ich immer als bitter. Denn ich bin Verfechterin von friedlichen Massenprotesten, wie zu Zeiten der DDR. Es ist bis heute politisch eine der größten Wirkungen in der Geschichte der Menschheit, wie eine Regierung zum Einknicken gebracht wurde bringen – durch Montagsdemonstrationen. Ich finde es unglaublich faszinierend und bin sehr stolz auf all diese Menschen, die damals friedlich protestierten.

Dies wünsche ich mir für Mexiko. Dass mehr und mehr auf die Straße gehen und international darüber berichtet wird. Mit Ausdauer etwas bewegen. Das würde ich mir erhoffen.

Auch in dieser Woche scheint sich Mittwoch bis Freitag wieder ein nationaler Protest anzubahnen. Sicher ist das noch nicht – Informationsquelle ist Facebook.

Am Wochenende ist der „día de los muertos“. Totentag. Ein bedeutender und viel gefeierter mexikanischer Feiertag. Ich glaube, dass auch für diesen Tag etwas geplant ist, was das Studenten-Drama angeht. Ich werde darüber berichten.


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