
Der Streik hatte am Sonntag sein Ende gefunden. So mussten wir alle Montag wieder hin und es fand auch unser Spanisch-Examen statt. Ich habe mir umsonst Sorgen gemacht. Es war eher ein Test – das Blatt auszufüllen hat mich 15 Minuten gedauert. Wozu die Aufregung? Es ist gerade Teil-Examen-Woche für mich, daher passiert nicht viel. Morgen ist Englisch dran und am Donnerstag Linguistik.
Zeit gibt es also, ein paar Geschichten auszukramen, die längst überfällig sind. Thema Busfahren. In Mexiko oder ich spreche besser für Zacatecas Bus zu fahren, scheint erst etwas schwierig und wie ein Abenteuer und dann ist es irgendwann ein Kinderspiel. Wie so viele Dinge im Leben. Weiß ich wohl. Ich möchte damit ausdrücken, dass niemand Angst vor dem Busfahren in Mexiko haben sollte.
Es gibt keine Fahrpläne. Und es gibt keinen Plan, wo die einzelnen Buslinien lang fahren. Da heißt es kontaktfreudig sein und den Busfahrer fragen oder jemanden an der Haltestelle oder sich vorher irgendwo erkundigen. Mein erster Uni-Tag fing genau damit an. Da ich den Informationen meines Freundes nicht getraut habe, schließlich war er vier Jahre nicht in Zacatecas und davor ist er jahrelang Auto gefahren und davor war er in Mexiko-Stadt. Also, nicht sehr zuverlässig. Da ich diesen Informationen also nicht traute, fragte ich ein Mädel, das verdächtig nach Studentin aussah, an der Bushaltestelle. Ich verstand nur 17 und 1 und ein anderes Wort, was sie sagte, verstand ich nicht. Ich bedankte mich trotzdem höflich. Drei Minuten später kam die Ruta 17 (Ruta heißt so viel wie Linie). Ich stieg ein, bezahlte acht Pesos, suchte mir einen Sitzplatz aus und landete 15 Minuten später sicher auf dem Uni-Campus. Das war einfach.
Mittlerweile habe ich ein bisschen Routine. Das Wort, was das Mädchen gesagt hat und ich nicht verstand, war CEBUAZ. Das sind die silbernen Busse der Universität, die jeden günstig zum Campus bringen. Eine Fahrt kostet drei Pesos – das sind ungefähr 17 Euro-Cent. Also, gar nichts. In meiner Vier-Tage-Woche gebe ich also ungefähr 1,40 Euro für die Busfahrten aus. Kann sich jeder vorstellen, warum es sich deshalb nicht lohnt und auch nicht in Mexiko, sich ein Auto anzuschaffen. Für mich jedenfalls nicht.
Ach ja, durch meinen Studentenausweis kostet mich eine Fahrt in den normalen Stadtlinien 4,50 Pesos – allerdings nur unter der Woche.
Die Stadtlinien Ruta 1 und Ruta 17 fahren ebenfalls zum Campus – auf dem Foto ist das zum Beispiel der gelbe Bus, den ich von hinten erwischt habe. Gelb-grün! Denn der Gelb-lilafarbene ist die Ruta 16. Da muss man aufpassen – an den Farben erkennt man die Linien.
Busse halten nicht zwingend an der Haltestelle. Kommt also ein Bus, sollte man sich bereithalten und winken oder die Hand heben, damit der Busfahrer weiß, dass man mit möchte. Der Bus kann voll aussehen, aber ein zahlender Passagier kommt doch immer noch mal rein. Da wird sich hinter den Fahrer gedrängt oder vorne auf die Hutablage gesetzt. Irgendwie geht das schon. Nur wer an der Tür steht muss unglaublich aufpassen, denn der Fahrer lässt die Tür auch mal offen stehen oder schließt sie erst später – während der Fahrt.
Vorne wird eingestiegen und bezahlt, hinten geht es raus. Außer der Bus ist sehr, sehr voll, dann kann man sich auch mal vorne rausstehlen. Die CEBUAZ halten an meinem Campus Siglo XXI für längere Zeit – alle steigen also aus. Egal, aus welcher Tür. Da grüßt man dann noch den Fahrer und bedankt sich für die holprige Fahrt und er wünscht einen schönen Tag – jedem einzelnen. Kein Murren! Immer freundlich. Wenn es vorne zu eng wird, dann wird einmal durchgerufen, „Bitte ein bisschen aufrücken“ – die Leute reagieren oder eben nicht.
Ich habe es allerdings auch schon erlebt, dass der Bus so derart voll war, dass er direkt vom Zentrum zur Uni durchgefahren ist. Da kann man am Straßenrand winken, wie man möchte – bringt nichts. Muss man eben auf den nächsten warten.
Apropos Straßenrand. Es gibt offizielle Haltestellen, ja. Aber oft habe ich es auch schon erlebt, dass jemand irgendwo auf dem Weg am Straßenrand winkt und dann hält der Busfahrer netterweise an. Das da nicht täglich Auffahrunfälle passieren, wundert mich.
Die Busse sind nicht so unbequem, wie sie von außen aussehen. Trotzdem habe ich manches Mal Probleme mit meiner Beinlänge. Manches Mal sage ich, weil jeder Bus anders ist. Auch anders, was die Stoßdämpfer, Getriebe und so weiter angeht. Und vor allem ist der Fahrer entscheidend. Da geht es sanft oder ruppig zu. Da herrscht Stille oder es laufen die Backstreet-Boys oder mexikanische Volkslieder oder Reggaeton. Alles schon erlebt.
Außerdem auch erlebt – Jungs (!), die aufstehen, und mir ihren Sitzplatz anbieten. Ungemein nett, die meisten Mexikaner.
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