Examen

„Morgen schreiben wir Examen“ – Mandé!? (Wie bitte!?), frage ich meine Sitznachbarin verdutzt. Ja,… etwas kurzfristig wurde in Informatik entschieden, dass wir ein Examen schreiben. Es ist nicht so, dass ich dieses Semester nicht vier Examen in dem Fach hätte, nur dachte ich fälschlicherweise, dass das Examen der letzten Woche, bereits das erste Zwischenexamen war. Nein, jenes war nur ein Test, um unser Informatikniveau zu überprüfen. Dazu komme ich gleich.

Ich saß da also wie vom Donner gerührt. Na toll, dachte ich mir. Morgen! Den Stoff von vier Wochen an einem Abend lernen. Eine Nacht opfere ich dafür nicht! Ich bin da stur. Habe ich auch nicht. Aber der Abend war trotzdem sehr lang. Ich fühle mich hier, nicht zum ersten Mal, in meine Schulzeit zurückversetzt. Lernzettel, Fluchen und aufs Kurzzeitgedächtnis bauen. Morgens am Tag des Examens konnte ich auch nicht viel mehr Lernen, weil ich zum Instituto Nacional de Migración musste – Ausländeramt. Aber davon berichte ich morgen.

Das Examen war trotzdem ganz in Ordnung. Ich hatte Glück, dass die Lehrerin nur in der ersten Aufgabe die Beantwortung von Fragen verlangt hat und in den anderen Aufgaben ging es mit Ankreuzen, Lückentext, Diagramme beschriften weiter. Das fiel mir leichter. Selber Schreiben ist wegen der fehlenden Vokabeln noch sehr holprig bei mir. Aber ich durfte mein Wörterbuch benutzen – das half. Trotzdem wird es auf keinen Fall ein gutes Examen.

Unicampus ohne Menschen, also nach vier Uhr - gaaanz hinten, hinter dem Auto, da ist meine Fakultät.
Unicampus ohne Menschen, also nach vier Uhr – gaaanz hinten, hinter dem Auto, da ist meine Fakultät.

Der Niveautest letzte Woche war ganz schön heftig. Also für mich – ich war verzweifelt. Man bediene einen spanischen Computer! Das Examen war nämlich praktisch – mit Word-Dokument, Excel und PowerPoint arbeiten. Also, ich wusste nicht, wie ich so etwas wie Fußnote, Wasserzeichen und Tabelle finde, auch wenn die Wörter in der Aufgabenstellung standen. Zumal es Microsoft Office 2007 war. Ich arbeitete bis vor Kurzem noch mit (glaube ich) einer 2003er Version und jetzt seit vier Wochen mit Open Office. Also konnte ich mich einfach nicht zurechtfinden! Ein Graus! Ich habe für die Word-Aufgaben die vollen zwei Stunden gebraucht, hatte noch sieben Minuten für die PowerPoint-Präsentation über den 16. September… der 16. September!? Was ist denn da? Jetzt weiß ich es – Mexikanischer Unabhängigkeitstag. Woher soll ich das denn ahnen? Aber ich hatte ja eh keine Zeit mehr. Excel habe ich nicht eines Blickes gewürdigt. Mein Niveau fiel wohl dementsprechend schlecht aus. Mit einem deutschen Computer hätte ich mich nicht ganz so peinlich gemacht. Aber Gottseidank sind nur acht meiner Mitstudenten von 30 so gut gewesen, dass sie nun nicht mehr zu Informatik kommen müssen. Ja, richtig gelesen. Befreit, aufgrund ihres Wissens. Das gab es übrigens auch in Englisch – den Toefl-Test, denn ich als Einstufung gemacht habe, wer erinnert sich? Der galt ebenfalls als Niveautest. Mir fehlten lächerliche acht Punkte – hätte ich die gehabt, hätte auch ich nicht mehr zu Englisch gemusst (aber trotzdem noch die Examen und Hausaufgaben machen müssen, aber trotzdem!). Na ja.. wenigstens hat mein Niveau bei Deutsch gereicht. Das erspart mir Zeit. In Informatik werde ich mich jetzt zukünftig langweilen und es jedoch gleichzeitig als Vokalstunde nehmen – wenigstens finde ich mich nach dem Semester an einem spanisch-sprachigem Computer zurecht. Positiv denken!


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