Uni – Aufnahmeprüfungen

Wegen der Fußball-Weltmeisterschaft war ich etwas abgelenkt und es gab nicht so viele Momente, in denen ich einen Beitrag verfassen hätte können. Außerdem wurden bei uns die Stromkabel neu verlegt und ich hatte einige Tage kein Internet. Das als entschuldigendes Vorwort für meine Funkstille.

Jetzt sitze ich allerdings hier vor dem Computer und habe mich bei meinem Online-Sprachkurs eingeloggt. Spanisch? Weit gefehlt – es ist Englisch. Morgen ist nämlich mein Englisch-Examen für die Aufnahme in der Uni. Ein A2-Niveau muss ich beweisen. Auch wenn einige es mit einem Schnauben abwinken werden, nach dem Motto: Das ist ja wohl nix!, muss ich gestehen, auch wenn ich anfänglich genauso dachte, dass ich nun etwas Bammel habe. Ich habe noch nie einen Sprachtest oder Sprach-Einstufungstest gemacht. Also, offiziell, für irgendeine wichtige Sache. Und schon gar nicht in einem anderen Land. Und ich weiß überhaupt nicht, was mich erwartet. Ankreuzen oder alles ausformulieren? Hören, Lesen, Verständnis, Grammatik? Oder eine Mischung von allem? Ich habe leider vergessen vorher nachzufragen. Und nun ist morgen um 12 Uhr das Examen und ich habe keine Ahnung, was mich erwartet. Ich fühle mich etwas in meine Schulzeit zurückversetzt (apropos: die Zeit des Schulenglisches ist auch schon zehn Jahre her), während ich hier sitze und einen Tag vor der Prüfung „noch schnell etwas lerne“, nur um das Gewissen zu beruhigen.

Die Uni. Relativ bald nach meiner Ankunft hier in Mexiko, bin ich mit muttersprachlicher Unterstützung – sicher ist sicher, zu „meiner“ Uni gegangen. Im Vorfeld gab es ja schon einigen E-Mail-Kontakt und nun wollte ich die Person dahinter einmal kennenlernen, sagen, dass ich da bin, und erfragen, was denn nun für meine Immatrikulation noch alles fehlt. Die Koordinatorin vom Bachelor für Fremdsprachen ist sehr nett und ungefähr so jung oder alt wie ich. Noch dazu kommt, dass ihre Mutter, die dort auch als Lehrerin arbeitet, Deutsche ist und so sprangen wir immer zwischen den Sprachen hin und her. Für die Immatrikulation fehlen noch einige Dinge, Prüfungen und ähnliches, aber alles scheint kein Problem, solange ich in ihrem Computer für das kommende Semester registriert bin und eine Bewerber-Nummer habe. Da ich das bereits von Deutschland aus gemacht hatte, konnte ich also aufatmen. Im Hinterkopf habe ich schließlich immer noch mein Visum.

Die Fremdsprachen-Fakultät der Universidad Autonoma de Zacatecas befindet sich im zweiten Stock eines Gebäudes, was am Rande des Zentrums liegt. Früher war es wohl mal ein Krankenhaus, aber davon kann man eigentlich gar nichts merken. Die Menschen scheinen dort ausnahmslos nett zu sein. Alle lächeln oder gucken interessiert, aber nicht böse. Meistens wird sich geduzt. In den Fluren geht es bunt und auch international zu – ich wurde neugierig beäugt, als ich mit der Deutschlehrerin (diesmal „die Mutter“) auf Deutsch gesprochen habe.
Im Vorraum, wo Stühle und Tische für die Studenten stehen und eigentlich immer was los ist, hängt neben dem spanischen Pendant ein Schild auf Deutsch: „Kameraden, haltet den Platz sauber!“. Kurz und gut, ich fühlte mich wohl und hatte sofort Lust, mich in eine der Klassen zu setzen.

Vor einigen Wochen musste ich dann meine erste Prüfung für die Aufnahme zum Studium über mich ergehen lassen: ein psychometrisches Examen. Ich weiß bis heute nicht, wofür es wirklich gut ist. Es war ein reines Ankreuzen und die Fragen waren unglaublich seltsam. Wenn das Gehalt das gleiche wäre, würden Sie lieber Kellnerin sein oder Köchin? Ist Ihr Schreibtisch aufgeräumt? Wenn Sie Ihren Tag organisieren müssten, mit welcher Priorität und in welcher Reihenfolge würden Sie die folgenden zehn Aktivitäten ordnen? Alles seltsam und alles auf Spanisch – natürlich. Ich habe dreieinhalb Stunden gebraucht (Muttersprachler ungefähr eine Stunde weniger) und war am Ende völlig fertig und fest der Meinung, dass die einzige echte Prüfung für mich war, den Test ohne Nervenzusammenbruch zu überstehen.


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