Armut und Reichtum, Tradition und Moderne, Fortschritt und Rückschritt – nach vier Wochen Mexiko sind es vor allem die Kontraste, die mir ins Auge fallen. In diesem Land gibt es alles, was wir Europäer uns vorstellen können und zugleich vieles, was typisch mexikanisch ist und das Land nur schwer verlässt, wenn ich von Produkten spreche. Doch auch die Bevölkerung lebt kontrastreich.
Angefangen bei A wie Autos. In Mexiko Stadt war ich unglaublich überrascht, dass das Straßenbild dem Deutschlands gleicht. Kleine Yaris und Kas und Polos flitzen über den Asphalt. Obwohl es gibt auch das Modell Pointer – bei dem ich dachte, dass es für Brasilien hergestellt wird, aber ich hab mich wohl geirrt. Zwar ist Opel hier Chevrolet, aber die Karosserie ist dieselbe. Selbstverständlich fahren hier auch die dicken Vans rum, wie in den USA und vermehrt ja auch in Deutschland. Aber vergeblich suchte ich die alten, klappernden Autos oder die alten US-Modelle á la Kuba. Einige Käfer habe ich natürlich zu meiner Freude ebenfalls gesehen.
Hier in Zacatecas ist das Bild etwas anders. Der Kontrast ist größer, der Bundesstaat eben auch etwas ländlicher und ärmer. Hier fahren Autos, bei denen ich bewundere, dass sie noch fahren und dahinter folgt ein nagelneuer BMW.
Es geht weiter mit Nahrungsmitteln. Es gibt hier alles, was das (oder mein) Herz begehrt. Im bereits erwähnten Soriana gibt es Nutella und Bertolli Olivenöl. Aber eben auch die typischen mexikanischen Produkte, die ich in Deutschland vergeblich suchte. Es gibt Brot. Weißbrot zwar, aber ich immerhin und es sieht nicht schlecht aus. Gut, probiert habe ich es noch nicht. Parmesankäse habe ich gekauft, um Spaghetti Bolognese machen zu können. Alles kein Ding. Klar, für mich sind die Preise der fremdländischen Produkte normal, hier ist es mega teuer im Vergleich zu den einheimischen Lebensmitteln. Für mich aber trotzdem schön. Ich habe sogar Naturjoghurt ohne Zucker gefunden – mit mexikanischem Honig (der hier ein bisschen nach Rosen schmeckt) – himmlisch!
Shopping-Läden, sprich Klamotten bis Kosmetika oder auch Elektronik. Alles dasselbe. Es grüßt die Globalisierung. Klar, gibt es andere Namen und viel mehr Einzelhandel als in Deutschland, was ich mal wieder ganz angenehm finde. Aber trotzdem habe ich hier schon einen C&A entdeckt – mir sind beinahe die Augen ausgefallen. Drin war ich aber noch nicht. Enttäuscht war ich bisher ein bisschen, weil zum Beispiel Fotokameras und Laptops hier einfach nicht günstiger sind. Ich hatte mich gefreut, vielleicht ein paar hundert Euro sparen zu können, aber nein. Also muss ich wohl weiterhin warten, bis mein Konto das gewollte hergibt.
All diese Dinge gibt es, nur kann es sich eben nicht jeder leisten. Es wird gebettelt. An den Ampeln werden die Windschutzscheiben der Autos gewaschen, in der Hoffnung ein paar Pesos zu bekommen. Kinder verkaufen gebrannte Erdnüsse, um damit die Haushaltskasse ihrer Familie aufzubessern. Auf der anderen Straßenseite fährt man mit seinem neuen Geländewagen in eine Colonia – ein gesichertes Viertel mit 24-Stunden-Security, wo Häuser stehen, bei denen auch mir die Kinnlade runterfällt.
Und trotz all der Unterschiede untereinander sind die Menschen unglaublich freundlich, herzlich und gastfreundschaftlich. Sie helfen sich gegenseitig und halten zusammen. Natürlich gibt es auch hier schwarze Schafe und Menschen, die sich für was besseres halten, aber nicht der Großteil. Und das macht es so faszinierend hier zu leben. Das Leben funktioniert auch, wenn man weniger hat.
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