Zacatecas ist eine wunderschöne Stadt. Was ich etwas anstrengend finde, sind die Berge. Für mich als norddeutsches Kind äußerst beschwerlich, die Treppen, die steilen Pfade durch die Gassen und das auf 2400 Höhenmeter. Mir geht immer noch schnell die Puste aus, aber es wird schon besser. Und dafür gibt es tolle Fotomotive. Zacatecas ist eine alte Silberstadt, die die Spanier kolonialmäßig für sich entdeckt haben. Das zeigt sich vor allem im Zentrum in der Architektur. Doch allzu viel konnte ich noch nicht davon entdecken – ich war erst zweimal in der Stadt und jedes Mal um „schnell etwas zu besorgen“. Das Tourismusprogramm fiel daher flach. Ich hole es nach.
Das liegt aber auch daran, dass ich momentan nicht in Zacatecas wohne, sondern 40 Minuten entfernt bei meinen Schwiegereltern in einem Dorf namens San Jose de la Era, was nicht einmal Google findet. Hier ist pures Dorfleben angesagt. Rundherum haben die Nachbarn Tiere – Schweine, Kühe, Schafe, Truthähne, Pferde… Morgens werde ich von gleich mehreren Hähnen geweckt und die Hunde des Dorfes laufen frei herum, interessieren sich aber auch nicht sonderlich für einen. Es gibt viele Vögel von Spatz bis Specht und auch nervige Elstern-Verschnitte bleiben mir in Mexiko nicht erspart. Es gibt Zitronenfalter und riesige gelb-schwarze Schmetterlinge, die mir jedes Mal ein entzücktes „Oh“ entlocken, wenn sie vorbeigeflattert kommen. Hier stehen Weihnachtssterne als Büsche im Garten, Oleander sind hier kleine Bäume. Und da es im Januar zehn Tage lang ordentlich geregnet und der Himmel auch letztes Jahr nicht mit Wasser gegeizt hat, ist alles hübsch grün mit rot-brauner Erde dazwischen.
Ich lebe hier also ein gemütliches Dorfleben, so wie ich es von meinen ersten 19 Lebensjahren her kenne. Nur eben auf mexikanisch. Das Duschwasser erhitze ich im Boiler, das Toilettenpapier wird nicht in die Toilette geschmissen (wie angeblich überall in Mexiko) und zum Frühstück gibt es Bohnen mit Tortillas. Obwohl ich ehrlich gestehen muss, dass ich wegen des Wetters morgens nichts Warmes essen kann und daher auf Müsli umgestiegen bin. Das habe ich hauptsächlich im Soriana erstanden – einer Art mexikanischer Real-kauf oder Wal Mart. (Übrigens entdeckte ich dort auch Nutella – falls mich das Heimweh packt, ist der Plan sich ein Glas zu holen und den ganzen Tag Nutellabrote mit Butter zu essen, bis es mir besser geht).
Sonntags geht die ganze Familie nicht in die Kirche, sondern Einkaufen auf dem Markt im nächstgrößeren Ort Tacoaleche. Doch sonntags könnte man nicht nur dort einkaufen, nein, viele Einkaufsläden haben sonntags geöffnet (zum Beispiel der Soriana, von sieben Uhr morgens bis elf Uhr abends). Hier gibt es wohl daher weniger die Panikeinkäufe vor Feiertagen, die man so prima aus Deutschland her kennt. Wie schön.
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