Höhenflug mit Turbulenzen

Kurz gesagt: Die Reise nach Mexiko ging reibungslos über die Runden. Selbst das Fahrrad ist gut übergekommen. Wer sich an meinen Bericht über das Zweirad erinnert, weiß, dass das nicht immer klar war. Es war das erste Mal für mich, dass ich solange fliege. Die Turbulenzen waren zu meinem Leid äußerst heftig. Einmal eine halbe Stunde durchgehend, in der ich mich ausschließlich auf meinen Magen konzentriert habe, damit der nicht völlig rebelliert und mich auf Toilette zwingt. Elf Stunden ab London, dass hört sich lang an und das ist es auch. Ich bin kein großer Schläfer auf Reisen und doch bin ich immer wieder mal weggesackt. Ich habe mich großzügig an dem Filmprogramm bedient und konnte leider nicht alles sehen. Wir sind tagsüber geflogen und abends um halb acht Ortszeit in Mexiko Stadt gelandet. Schon der Landeanflug war überwältigend. Mexiko Stadt, Distrito Federal, kurz DF, ist mal ein Monstrum von Stadt. Mehr als 20 Millionen Menschen leben hier und es gibt Häuser so weit das Auge reicht und noch viel weiter. Es war unfassbar. Ich konnte nur den Kopf schütteln über dieses Panorama.

Am Flughafen war es sehr einfach sich zurecht zu finden. Ich ging mit meinem Freund durch die Passkontrolle der Mexikaner, statt der der Ausländer, damit ich wohlbehütet ankomme und nicht gleich in sprachliche Schwierigkeiten geraten würde. Alles kein Problem. Es wurde mir sogar noch unglaublich höflich geholfen ein Formular auszufüllen und ich habe es wegen der Reisemüdigkeit dankend angenommen.
Unser ganzes Gepäck kam recht zügig auf dem Laufband heran. Niedlich zu beobachten war eine Sicherheits-Frau mit ihrem Labrador, der die Koffer kontrollierte und jedes Mal wenn er etwas gefunden hatte, setzte er sich drauf oder legte eine Pfote auf das Gepäckstück. Lebensmittel wurden gesucht, erfuhr ich durch Fragen. Bei uns kam alles so durch – hatten ja auch nur Alkoholflaschen dabei.
Schnell boten sich Flughafenmitarbeiter an uns mit dem Gepäck zu helfen – völlig normal hier und Servicesache. So mussten wir unsere drei Koffer, zwei Taschen und das Fahrrad nicht selber raustransportieren. Gleich beim Ausgang wartete auch schon ein Freund, so dass wir bequem im großen Geländewagen den Flughafen verlassen und in die mittlerer Weile Nacht gewordene Stadt fahren konnten.

Gleich an dem Abend gingen wir noch Essen. Es war ja gerade mal neun Uhr. Für uns allerdings drei Uhr nachts. Trotzdem wollten wir noch etwas in den Magen bekommen. Und so fand ich mich eine halbe Stunde später in einem typisch mexikanischen Straßen-Restaurant wieder. Das Essen war fantastisch und ich weiß gar nicht genau, was ich gegessen habe. Etwas mit Fleisch, Ananas und Zwiebeln und Käse (Nachtrag: Alambre). Ich habe allerdings die Finger von den vier Salsas gelassen, weil ich mir die Schärfe noch nicht antun wollte. Der Rest war normal gewürzt.
Am nächsten Morgen waren wir nochmal Frühstücken in einem Restaurant. Es hätte auch Pfannkuchen und jede Menge Obst gegeben, aber ich hatte mich für etwas mexikanisches entschieden. Tortillas mit Spiegelei und Mole – einer dunklen Soße, die keinem Geschmack deutscher Soßen ähnelt. Es war lecker, aber mächtig.

Eine Stunde später waren wir am Busbahnof. Durch das Frühstück hatten wir alle Fernbusse am Vormittag verpasst und konnten erst um 14 Uhr einen Bus nehmen. Aber auch hier ging alles reibungslos. Für unser Gepäck haben wir pro Kilo noch etwas bezahlt, aber das waren zirka 500 Pesos (28 Euro) und uns nur recht. Hauptsache, alles kommt mit (einschließlich Fahrrad). Dann ging es los: Von Mexiko Stadt nach Zacatecas sind es acht Stunden Fahrt und das in dem wohl bequemsten Reisebus der Welt. Mein Freund hatte nicht zuviel versprochen – die Sitze sind mega breit und man kann noch ein Beinteil umklappen, so dass man quasi im Bus liegt, während die Landschaft an einem vorbeizieht. Das Ticket hat uns umgerechnet pro Person 50 Euro gekostet. Schon mal ein Ticket der Deutschen Bahn von Berlin nach München gekauft? Kein Kommentar.


Entdecke mehr von NORA SCHMACKERT

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar